05.07.2017

Die Ungewissheit hat ein Ende

Kein Geld für den Schulbau

Die Entscheidung ist gefallen: Die katholischen Schulen in Lübeck und Ludwigslust werden vom Erzbistum Hamburg keinen Zuschuss für ihre dringend erforderlichen Neubauten bekommen. 

Das marode Gebäude der Edith-Stein-Schule in Ludwigslust
Das heutige Gebäude der Edith-Stein-Schule in Ludwigslust ist reif für den Abriss.  
Foto: Andreas Hüser

Lange wurde um die Zukunft der beiden Schulen gerungen. Beide gehören der Schweriner Bernostiftung. Eigentlich waren die Neubauten sowohl für die Edith-Stein-Schule in Ludwigslust als auch für die Lübecker Johannes-Prassek-Schule schon beschlossene Sache. Grundstücke und Baupläne waren vorhanden. Doch dann wurde die finanzielle Situation des Bistums bekannt, insbesondere das Millionenloch bei den Pensionsansprüchen des ehemaligen katholischen Schulverbands Hamburg. Die Folge: Größere Investitionen wurden auf Eis gelegt. 

Zuerst betroffen war die Edith-Stein-Schule. Sie befindet sich in einem DDR-Altbau, der nicht sanierungsfähig ist und nur noch provisorisch und befristet genutzt werden kann. Ursprünglich sollten bereits vor drei Jahren die Bauarbeiten auf dem Gelände einer abgerissenen Berufsschule beginnen. Auch die Johannes-Prassek-Schule befindet sich seit ihrer Gründung 2011 in einem Provisorium, als „Untermieterin“ der städtischen Lutherschule. 

Bistum rechnet mit Kosten von 20 Mio. Euro

Seit Dienstag steht fest – und wurde in einer Pressemitteilung veröffentlicht: „Das Erzbistum Hamburg wird keine finanziellen Mittel für die Neubauten der Edith-Stein-Schule in Ludwigslust und der Johannes-Prassek-Schule in Lübeck zur Verfügung stellen.“ Das hätten der Erzbischof und der Generalvikar der Bernostiftung mitgeteilt. 

„Zuletzt hatten sich auch die Gremien des Erzbistums dagegen ausgesprochen, die Baukosten zu übernehmen oder zu bezuschussen. Der Finanzbedarf für den Neubau der beiden Schulen beträgt etwa 20 Millionen Euro.“

Die Entscheidung sei bedauerlich angesichts „der Möglichkeiten, die sich in pastoraler Hinsicht mit diesen Schulen in Zukunft hätten verbinden können. Als missionarische Kirche werden wir weiter danach suchen, wie wir künftig Eltern in ihrer Sorge um die religiöse Erziehung ihrer Kinder besonders unterstützen können“. 

Das Erzbistum müsse aber in den kommenden Jahren Einsparungen vornehmen, bei schwindener Zahl von Kirchenmitgliedern und angesichts zahlreicher Gebäude, steigender Personalkosten und „erheblicher Pensionsverpflichtungen für die katholischen Schulen“.

Berno-Stiftung sucht nach neuen Lösungen

Die Johannes-Prassek-Schule in Lübeck in Containern
 Die Johannes-Prassek-Schule in Lübeck ist derzeit in Containern auf dem
Gelände der Lutherschule untergebracht.  Foto: Marco Heinen
 

Bedeutet die Entscheidung aus Hamburg auch das „Aus“ für die beiden Schulen? Thomas Weßler, Stiftungsdirektor der Bernostiftung: „Wir werden den Stiftungsrat zusammenrufen und sehen, welche Möglichkeiten jetzt bestehen.“ Denn bisher hat die Stiftung das Geld vom Bistum für die Neubauten fest eingeplant. „Die Situation ist jetzt anders. Alles gehört wieder auf den Prüfstand. Wir werden sehen, was jetzt noch möglich ist.“ Über mögliche Lösungen zu reden, sei noch zu früh, so Thomas Weßler. „Aber aus meiner Sicht ist die Situation nicht gänzlich hoffnungslos.“ 

Es gibt noch Hoffnung, so ist auch in den Schulen die Nachricht aufgenommen worden. Marion Löning, Leiterin der Edith-Stein-Schule in Ludwigslust:  „Meine erste Reaktion war – das ist endlich eine Entscheidung, nach Jahren des Hinhaltens. Und ich bin sicher, dass wir einen Weg finden werden. Jetzt erst recht. Denn es gibt viele, die hinter uns stehen.“

Bernhard Baumanns, Leiter der Johannes-Prassek-Schule in Lübeck: „Ich bin traurig und enttäuscht. Denn diese Entwicklung stellt uns als Schule in Frage“, sagte er gegenüber der Neuen KirchenZeitung. Baumanns glaubt aber nicht, dass mit dieser Entscheidung auch das Ende der Schule automatisch besiegelt ist. „Ich sage ganz klar: Nein, das ist nicht das Aus für die Schule. Wir versuchen Alternativen zu entwickeln. Es gibt konkrete Ideen zur Nutzung anderer Gebäude in der Stadt, über die nachzudenken sein wird. Diese Vorschläge sollten möglichst noch vor den Sommerferien auf den Tisch“, so der Schulleiter.

Text: Andreas Hüser u. Marco Heinen