22.08.2016

Nach den Olympischen Spielen

Katerstimmung und Finanzkrise in Rio

Ende gut, alles gut? Nach den Olympischen Spielen macht sich in Rio de Janeiro Katerstimmung breit: Die hohen Kosten des Spektakels bringen die Stadt an den Rande des Bankrotts.

Im 2014 renovierten Maracanastadion fand die Olympiaabschlussfeier statt. Ob Neubauten der Olympischen Spiele wirklich weiter genutzt werden, bleibt ungewiss.                                                                                      Foto: kna-bild

Während der XXXI. Olympischen Spiele gab es viele Höhepunkte und starke Emotionen: Athleten feierten Weltrekorde und erlebten bittere Niederlagen, führten Jubeltänze auf und brachen in Tränen aus. Gastgeber Brasilien gewann immerhin sieben Goldmedaillen, sechs Mal Silber und sechs Mal Bronze, ein Olympiarekord für das größte lateinamerikanischen Land.

Doch sowohl Sportstätten wie Unterkünfte wiesen Mängel auf. Viele Besucher klagten über lange Warteschlangen, langwierige Fahrten zu den Wettkämpfen und leere Ränge. Neben offenbar nicht genutzten Sponsorentickets und Spekulationen über gefälschte Tickets waren dafür aber offenbar auch die hohen Eintrittspreise verantwortlich, die die Kaufkraft vieler Teile der einheimischen Bevölkerung überforderten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eduardo Paes, Bürgermeister von Rio de Janeiro

Rios Bürgermeister Eduardo Paes zog trotzdem eine positive Bilanz. Er gab den Spielen eine "Nota 10", die Bestnote, räumte aber auch Probleme ein. "Die Stadt ist nicht zu einem perfekten Ort geworden, hat sich aber verbessert", sagte Paes. Weiße Elefanten, also künftig ungenutzte Bauwerke wie nach der Fußball-WM 2014, die ebenfalls in Brasilien stattfand, werde es in Rio nicht geben. Für alle Gebäude gebe es Nachnutzungskonzepte, versicherte er.

 

Frage nach Finanzierung der Paralympischen Spiele

Die Menschen in Rio de Janeiro sind da weniger optimistisch. Stadt und Bundesstaat kämpfen mit heftigen Finanzproblemen. Es wird befürchtet, dass bald die Gehälter von Lehrkräften, Polizisten und Gesundheitspersonal nicht mehr bezahlt werden können. Als Folge könnte die Stadt am Zuckerhut im Chaos versinken. Und selbst den Paralympischen Spielen, die vom 7. bis 18. September in Rio laufen, droht aufgrund der finanziellen Situation ein Debakel. Ein Gericht hob zwar jüngst die Sperre für staatliche Zuschüsse auf, verlangt aber weiterhin, dass das Olympiakomitee die Finanzierung offenlegt.

"Das IOC muss eine Kehrtwende machen", forderte der frühere US-Fußballprofi Jules Boykott. Die Kosten der Spiele müssten drastisch gesenkt werden, sowohl die Preise, die Staat und Zuschauer bezahlen, als auch die Kosten und negativen Auswirkungen für die Armen. "Zu behaupten, dass diese Spiele zu über der Hälfte privat finanziert wurden, ist irreführend", widerspricht der heutige Politikprofessor, der an der Pacific University in Oregon lehrt, der offiziellen Olympiawerbung. Würden Steuervergünstigungen und andere öffentliche Subventionen einberechnet, liege der Staatsanteil an den Gesamtkosten der Spiele bei rund 60 Prozent.

kna