18.05.2016

Im Namen des Vaters und des Sohnes… Das Bekenntnis zur Dreifaltigkeit – ein hart erkämpftes Zentrum des christlichen Glaubens

Im Namen des Vaters und des Sohnes…

Glauben „im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“. So selbstverständlich, wie einem diese Worte über die Lippen gehen, war dieses Bekenntnis nicht immer. 

Dieses Mosaik zeigt Konzilsväter mit dem „Abschlussdokument“ des Konzils von Nicaea: Das niceanische Glaubensbekenntnis

Im Jahr 325 kam es in einem türkischen Erholungsort, der heute Íznik heißt, zu einer weltbewegenden Versammlung. Kaiser Konstantin hatte 318 Bischöfe aus der ganzen Welt in seinen Palast nach Nicäa eingeladen. Der Einzug der Würdenträger war ein erhabener Anblick. 318 Männer in weißen Gewändern – viele trugen Spuren von Gefangenschaft und Folter und Martyrium am Leib. Ein Bischof vom Euphrat konnte seine Hände nicht bewegen. Die kaiserliche Polizei hatte ihm die Sehnen mit glühenden Eisen zerrissen. Einem ägyptischen Vater war ein Auge ausgestochen worden. Erst vor einem Jahr war die Christenverfolgungen im Römischen Reich endgültig eingestellt worden. 

Als Letzter betrat der Kaiser den Saal, „angetan mit einem Gewand, das glänzte und blitzte wie von Sprühregen aus Licht, leuchtend in Strahlen feurigen Purpurs, geschmückt mit Gold und der flirrenden Pracht von tausend Edelsteinen“, wie der His-
toriker Eusebius schwärmte. Der Kaiser hatte vor allem ein politisches Interesse an dieser Konferenz. Er wollte die Stabilität in seinem Vielvölkerreich. Eine zerrissene Christenheit konnte ihm, der auf die neue Religion gesetzt hatte, gefährlich werden. Anders als nach der Reformatiosn gab es im Jahr 325 nicht zwei oder drei Konfessionen, sondern 80 unterschiedliche Schulen und Sekten. 

Am Anfang des Konzils lagen dem Kaiser zahlreiche Beschwerdebriefe vor, gefüllt mit Vorwürfen gegen die jeweiligen Widersacher. Konstantin entledigte sich des Problems mit salomonischer Weisheit. Vor aller Augen ließ er sämtliche Eingaben verbrennen. Dann konnte es losgehen. 

Viele Streitigkeiten gab es in Nicäa und in den drei folgenden ökumenischen Konzilien zu klären. Einige waren fundamental. 

Glauben Christen an drei Götter? Oder ist Gott ein und derselbe, der nur in verschiedenem Gewand erscheint? Oder gibt es eine Hierarchie des Seins? Ist der Vater „mehr Gott“ als der Sohn, der Sohn „mehr Gott“ als der Heilige Geist? 

Das erste und überragende Problem der Dreifaltigkeitslehre war die Frage: Was bedeutet „Sohn Gottes“? Wie verhält sich der Sohn zum Vater? Ist Jesus Christus eine Art Halbgott? Oder ein herausragender Mensch, geschaffen wie alle anderen? Diese Auffassung vertraten die Anhänger des Presbyters Arius aus Alexandrien. Sie traten als Erste vor und stellten ihre Lehre zur Debatte. Die „Diskussion“ verlief nicht zimperlich. Unter Tumulten zerriss die Mehrheit der 318 Konzilsväter das Bekenntnispapier der Arianer. Jesus Christus, so lehrte das Konzil mit großer Mehrheit, ist „Gott aus Gott, Licht aus Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, eines Wesens mit dem Vater“. 

Das Glaubensbekenntnis von Nicäa, später erweitert, steht als Nicäno-Konstantinopolitanisches Glaubensbekenntnis oder „Großes Glaubensbekenntnis“ im Gotteslob (GL 586). Es wird heute noch im Gottesdienst gesprochen, wenn auch das „Apostolische Glaubensbekenntnis“ gebräuchlicher ist. Dieses ist allerdings erst im 5. Jahrhundert entstanden. 

Ein göttliches Wesen, drei Personen: Das ist bis heute das Basis-Bekenntnis aller Christen. Wir sprechen es aus, wenn wir unser Gebet mit den Worten „im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ beginnen. Unsere christliche Existenz steht im Zeichen des dreifaltigen Gottes. Sie beginnt schon mit den Worten der Taufe, wenn das Taufwasser über den Kopf des Täuflings fließt und der Taufspender die Worte spricht: „Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“                

Text: Andreas Hüser