07.06.2017

Das Kreuzzeichen: Symbol der Dreifaltigkeit

Im Namen des Vaters…

Wie stellen wir uns die Dreifaltigkeit Gottes vor? Kaum ein Bild der Dreifaltigkeit ist uns so nahe und vertraut, außer einem: dem Kreuzzeichen „im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ 

Sprintstar Usain Bolt bekreuzigt sich
Sprintstar Usain Bolt bekreuzigt sich nach dem WM-Sieg im 200-Meter-Lauf.  
Foto: picture alliance

Das Hochfest der Heiligen Dreifaltigkeit hat es nicht leicht im Schatten von Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten. Sein Gegenstand, die Dreifaltigkeit Gottes, gilt als schwierig bis nicht vermittelbar. Es gibt von der Dreifaltigkeit keine Geschichten. Man kann sie nicht erleben. Ihre Symbole – das Dreieck oder das Kleeblatt oder gar die drei Hasenohren im Paderborner Dom – wirken abstrakt oder weit hergeholt.

Und doch gibt es ein Zeichen der Dreifaltigkeit, das mitten im Leben zu sehen ist. Zum Beispiel im Fußballstadion. Erstaunlich viele Fußballstars machen schnell ein Kreuzzeichen, bevor sie auf den Platz stürmen oder nach einem Tor. Das sieht aus, als sei es gedankenlos in die Luft gekritzelt. Schon kommt die Reaktion der Frommen: „Das macht der doch gar nicht richtig!“ Aber was wissen wir davon, was zwischen Gott und dem Fußballspieler vor sich geht? Wir haben kein Recht, sein Kreuzzeichen gering zu schätzen. Es ist ja ein Zeichen eines höheren, nicht fassbaren Beziehungsgeflechts, der geheimnisvollen Zuwendung der göttlichen Personen zueinander und zu den Menschen. 

Das Kreuzzeichen ist immer auch Schutzzeichen gewesen. Wer es macht, stellt sich unter den Schutz des dreieinigen Gottes. So steht es im katholischen Katechismus (2157): „Das Kreuzzeichen stärkt uns in Versuchungen und Schwierigkeiten.“

Ein Zeichen, in dem Gott mir Schutz gibt

Legenden berichten von römischen Kaisern, die sich beim heidnischen Opferkult umsahen, ob nicht irgendein Christ in der Nähe ein Kreuzzeichen machte – und damit die Kulthandlung störte. Der hl. Cyrill von Jerusalem nannte das Kreuzzeichen einen „Dämonenschreck“. Und Johannes Chrysostomus bekämpft die Zuflucht zu schützenden Amuletten mit dem Hinweis: „Du bist eine Gläubige? Dann mache das Kreuzzeichen und sage: Dies habe ich als einzigen Schutz; dieses ist mein Heilmittel, ein anderes kenne ich nicht!“

Das Kreuzzeichen ist kein magischer Zauber, sondern ein Anknüpfen an Gottes Gegenwart. Man muss nicht viel tun, um Gott hinter sich zu wissen. Eine kleine Geste reicht. Natürlich ist es besser, das Kreuzzeichen nicht nur eilig am Spielfeldrand zu ziehen. Seit ältester Zeit raten die Lehrer der Kirche dazu, jeden Tag im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes zu beginnen. Das Kreuzzeichen ist ein Gestus der Sammlung.

„Sammle dich recht“, rät der Theologe Romano Guardini. „Alle Gedanken und dein eigenes Gemüt sammle in dieses Zeichen, wie es geht von der Stirn zur Brust, von Schulter zu Schulter. Dann fühlst du: ganz umspannt es dich, Leib und Seele; nimmt dich zusammen, weiht dich, heiligt dich. Es ist das Zeichen des Alls – und ist das Zeichen der Erlösung.“

Wer den Tag im Zeichen des Kreuzes beginnt, stellt sein Leben in ein Koordinatensystem. Es gibt darin die Linie zwischen oben und unten, Vater und Sohn, Himmel und Erde, und es gibt die horizontale Linie der Weite, die Welt, in der ich mit der Kraft des Heiligen Geistes lebe und handle. 

Romano Guardini: „Denke daran, so oft du das Kreuzzeichen machst. Es ist das Zeichen einfachhin, das Zeichen Christi. Mache es recht. Dann umfasst es dein ganzes Wesen, Gestalt und Seele, deine Gedanken und deinen Willen, Sinn und Gemüt, Tun und Lassen, und alles wird darin gestärkt, gezeichnet, geweiht, in der Kraft Christi, im Namen des dreieinigen Gottes.“

Text: Andreas Hüser