11.01.2017

In Pinneberg erzählt eine Kenianerin von der schwierigen Versorgungslage in ihrer Heimat

Hilfe, die in Kenia ankommt

Kenia ist das Schwerpunktland der diesjährigen Sternsingeraktion. Die Pfarrei St. Michael in Pinneberg hat dafür einen besonderen Gast eingeladen.

Dank der der Sternsinger gibt es in Kabosan eine Wasserstelle. Sie ist überlebenswichtig für Menschen und Tiere der Gegend. Aweet kommt täglich zum Wasserholen hierher.  Foto: Bettina Flitner/Kindermissionswerk

Atieno Emmaculate Okwach, kurz
Emma.   Foto: P. Kleinort

 

Es ist dieses einnehmende Lächeln und der Optimismus, den Atieno Emmaculate Okwach verbreitet. „Ich bin Emma“, sagt sie – wieder mit diesem Lächeln. Und so hat sie sich auch den Pinneberger Sternsingern vorgestellt. Unkompliziert, offen.

Die 29-jährige Theaterpädagogin und Lehrerin aus dem kenianischen Malindi absolviert seit Februar 2016 ein sogenanntes freiwilliges Praktikum in der Ökumenischen Arbeitsstelle des evangelischen Kirchenkreises Hamburg-West/Südholstein. Und da es in Pinneberg gute Tradition ist, dass die katholische Pfarrei St. Michael zusammen mit den evangelischen Gemeinden der Christuskirche und der Lutherkirche in Pinneberg, der Kreuzkirche in Waldenau und den Kirchen in Kummerfeld und Rellingen die kleinen Könige betreut und auf ihren Weg bringt, war Emma sofort dabei, als der Rellinger Prädikant Stefan Schüddekopf sie fragte, ob sie im Aussendungsgottesdienst über ihre Heimat erzählen könne.

Die Ökumene ist in Emmas Familie gelebte Realität

Ökumene und die Arbeit mit Kindern, das sind zwei Aspekte, die Emmas Leben in Kenia bestimmen. „Katholiken und Lutheraner wachsen aber erst langsam für einzelne Aktionen zusammen“, sagt sie. Die Menschen seien sehr stark in ihrem Glauben verwurzelt. „Aber viele glauben auch, dass man die Religion wechselt, wenn man einen anderen Gottesdienst besucht.“ Emmas Großeltern sind katholisch. Ein Onkel von ihr ist sogar katholischer Priester. Sie selbst und ihre Eltern sind Lutheraner. Ökumene ist für sie also gelebte Realität.

Viel schwieriger ist das Zusammenleben mit der „Mehrheitsgesellschaft“ in Malindi: 80 Prozent der rund 70 000 Einwohner sind Muslime. Der Islam hat die Swahilikultur im Osten Afrikas sehr stark geprägt. „Die Muslime denken, sie seien etwas Besseres als die Christen“, erzählt Emma. „Die Christen meinen aber auch, sie seien bessere Menschen als die Muslime.“ Daraus entstünde viel Misstrauen. Wenn es einen Terroranschlag gibt, dann sähen sich die Christen in ihren Vorurteilen bestätigt, den Muslimen fehlten dagegen die Worte. Eine Situation, die der in Deutschland frappierend ähnelt.

Als Emma im vergangenen Jahr ihr Freiwilligenpraktikum beim Kirchenkreis begann, war sie zunächst mit einem Sozialprojekt für muslimische Frauen konfrontiert. „Das war für mich eine riesige Herausforderung. Ständig habe ich mir Gedanken darüber gemacht, ob mich die Frauen überhaupt mögen können, weil ich ja Christin bin.“ Trotz aller Probleme, die das Zusammenleben der Religionen auch in Deutschland mit sich bringt, hat Emma aber die Offenheit und das Miteinander schätzen gelernt. „Immerhin sind wir alle Geschöpfe Gottes. Da gibt es kein besser und kein schlechter.“Diese Geduld und Offenheit wird sie im März auch mit nach Hause nehmen. „Dass Glaubensgemeinschaften auch viel gemeinsam bewegen können, ist eine wichtige Erfahrung gewesen.“

Am Herzen liegt ihr aber auch die Verbesserung der Lebensumstände in Kenia. „Trinkwasser“ – Emma benennt es mit dem deutschen Wort. Der Zugang zu sauberem Wasser ist eines der größten Probleme in Kenia. Wie in vielen anderen afrikanischen Ländern gibt es keine modernen Sanitäranlagen. Die Menschen verrichten ihre Notdurft oft in Gruben hinter ihren Wohnhäusern. Bei jedem Regen werden Fäkalien weggeschwemmt und landen schließen in Bächen und Flüssen – aus denen dann Trink- und Waschwasser geschöpft wird. „So brechen immer wieder Cholera und schwere Durchfallerkranken auf“, sagt Emma. „Wenn wir durch Spenden Trinwasserbrunnen graben können und außerdem Sanitäranlagen bauen können, ist das ein großer Fortschritt.“ Europäische Hilfsprojekte wie die Sternsingeraktion seien hierbei über viele Jahre erfolgreich. „Solche Projekte leiten an und wirken in die Breite. Wir lernen etwas – und geben dieses Wissen dann in unseren Länder weiter. So verbreitet es sich allmählich und verbessert das Leben der Menschen.“ 

Sternsinger sensibilisieren für globale Probleme

Dass die Sternsinger sich dabei jedes Jahr ein anderes Schwerpunktland wählen, ist für Emma kein Problem – im Gegenteil: „Wir leben auf einer Welt, und letzten Endes werden Umweltprobleme an einem Ort über kurz oder lang auch an anderen Orten auftauchen. Die Sternsinger sensibilisieren auf diese Weise für globale Probleme, die uns alle betreffen.

So will Emma auch versuchen, den Gedanken der Nachhaltigkeit stärker bei ihren Schülern und deren Familien zu verankern, wenn sie wieder in Kenia ist. „Fast alle Lebensmittel, Trinkwasser und so weiter sind bei uns in Plastik verpackt. Die Leute werfen das einfach weg. So entstehen riesige stinkende Müllkippen, die nicht gut für die Gesundheit sind. Und irgendwann spült der Regen den Müll ins Meer, die Fische fressen das Plastik und sterben, und dann haben die Fischer kein Einkommen mehr“, berichtet die junge Frau. Außer an einem Trinkwasserprojekt will sie in Kenia auch dafür arbeiten, dass mehr Waren wiederverwendet werden: Schon allein die Verwendung von Stoffbeuteln statt Plastiktüten könnte ein immenser Fortschritt sein.

Emmaculate Okwach sprüht so vor Optimismus und Energie, dass sie das bestimmt schaffen wird. „Und wenn ich von so einer tollen Aktion wie den Sternsingern getragen werde, ist das ein einmaliges Gefühl.“

Text: Peter Kleinort