20.01.2016

Wenn die Schüler aus Syrien und Afghanistan nichts verstehen, springt Sandra Madaus ein

Hilfe beim fremden Alphabet

Einige Lernmaterialien hat sie selbst erfunden. Vier Jungen aus Afghanistan und Syrien zu betreuen – das ist zur Zeit die Aufgabe von Sandra Madaus. Sie macht einen Freiwilligendienst in der Edith-Stein--Schule in Ludwigslust. 

Eine fremde Umgebung, eine fremde Sprache, ein fremdes Alphabet. Das bringt junge Flüchtlinge in einer
deutschen Schule an ihre Grenzen. Gut, dass es Hilfe gibt. Sandra Madaus nimmt sich Zeit.    Foto: privat

Eine Drohne fliegt über den Schulhof und schießt Bilder von der Pausensituation. Cool und spannend für die Schulkinder der Edith-Stein-Schule. Plötzlich blasse Gesichter bei Kassem und Ahmed und die bange Frage: Was machen die hier? Bei uns werfen sie Bomben ab …

Solch ein Erlebnis gehört zum Alltag für die jungen Flüchtlinge, die hin- und hergerissen sind zwischen altem und neuem Leben. So sind auch die Schultage, die sie in der Ludwigsluster Schule verbringen: Mal so und mal so.

„Größtenteils sind sie lernwillig“, weiß Sandra Madaus zu berichten. Die 19-Jährige aus der Region absolviert ihren Bundesfreiwilligendienst an der Schule und betreut unter anderem vier Jungen aus Syrien und Afghanistan. „Hören sie von den Mitschülern deutsche Sätze, fragen sie nach, was es bedeutet“, so Sandra weiter. Es gebe aber auch Tage, an denen sie lustlos sind, Langeweile oder Unwohlsein vorschieben. Es kommt immer darauf an, welche aktuellen Nachrichten sie aus ihrer Heimat erhalten.

Viele der Materialien, mit denen die vier „unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge“, die in der Nachbarschaft untergebracht sind, arbeiten, hat Sandra selbst hergestellt. „Es sind Wort-Bildkarten, mit denen sie neue Wörter lernen, aber auch Wortlisten auf englisch und deutsch aus dem Internet.“ 

Besonders der 16-jährige Kassem weiß das kostenlose Angebot der Schule sehr zu schätzen, dass er die Chance erhält zu lernen. Ein Deutschkurs an der Volkshochschule konnte ihn nicht aufnehmen, da der bereits überfüllt war. Für die jüngeren Mostafa und Mohammed (13 und 12 Jahre alt) ist es allerdings nichts Besonderes, in eine Schule zu gehen, denn sie wissen nicht, dass sie im Grunde noch durch jedes Raster fallen: Für die Berufsschule sind sie zu jung.

Sandra macht die Betreuung der ausländischen Jugendlichen sehr viel Spaß. An ihre Grenzen stößt sie, wenn es um die Vermittlung von Grammatik geht. Dies überlässt sie der Lehrerin Jelena Weltermann. Sorgen bereitet Sandra, dass Mohammed so schlecht lernt: „Er kann das Alphabet immer noch nicht!“.

Klassenlehrer Daniel Dittert möchte die Unterstützung durch die Abiturientin nicht missen: „Sandra ist klasse. Gerade in Phasen des Fachunterrichts, in denen die Jungs nichts verstehen würden, nimmt sie sie mir ab.“

Die jungen Flüchtlinge danken es ihr damit, dass sie auf sie hören und sie stets mit Respekt behandeln. Sie sei Aufsichts- und Bezugsperson, sagt Sandra. „Weil wir ja ähnlich alt sind, gehen wir eher kumpelmäßig miteinander um“.