05.04.2017

Die besondere Leitidee des Montessori-Kinderhauses in Neustadt-Glewe

Hilf mir, es selbst zu tun!

Jedes Kind hat einen „Bauplan“ in sich selbst. Das ist ein Grundsatz, der im Montessori-Kinderhaus in Neustadt-Glewe bestimmend ist. Nicht nur
pädagogisch ist die Kita etwas Besonderes. Sie teilt ihre Räume mit einer Kirche. 

Schaff ich das selbst?  Janet Gaberle und ihre Kolleginnen nehmen sich Zeit für jedes Kind.  Foto: Birgitt Flögel

Im Flur herrscht wuselige Aufbruchstimmung, Kinder ziehen ihre Jacken und Schuhe an. Ein Junge aber sitzt hinter der geöffneten Tür nebenan im Aufenthaltsraum der Erzieher und müht sich hoch konzentriert mit seiner Jacke ab. „Er braucht Ruhe und mehr Zeit, als die anderen Kinder.“, erklärt Janet Gaberle, die Leiterin der Kita. Die bekommt er. Minutenlang bemüht sich das Kind, aber es will nicht gelingen. Janet geht schließlich in die Hocke und erinnert ihn an den „Trick“, wie er die Jacke vor sich auf dem Fußboden zurechtlegen kann. Nun gelingt es dem Jungen und er geht stolz zu den anderen auf den Flur. 

„Hilf mir, es selbst zu tun.“ Ist ein Leitsatz der Montessori-Pädagogik, die davon ausgeht, dass in jedem Kind „sein Bauplan für sich selbst“ steckt, der seine Entwicklung vorantreibt. Die Erzieherinnen hören auf das, was die Kinder wünschen. Räume werden zum Beispiel wieder umfunktioniert, wenn die Kinder sie nicht annehmen, wie die kleine Bibliothek, die jetzt ein Spielzimmer ist.

Weil vor Jahren die Nachfrage nach Plätzen im Montessori Kinderhaus in Ludwigslust immer größer geworden war, wurde 2004 das Kinderhaus St. Julie Billiart im Nachbarort Neustadt Glewe eröffnet. 2012 wurde im Zuge der Sanierung der Neustädter Kirche ein Teil des Gotteshauses in Räume für die Krippengruppe umgebaut. Eine mobile Wand macht es möglich, bei Bedarf an Fest- und Feiertagen die Kirche zu vergrößern. Alltags wird der Raum für die Kinder dringend gebraucht. 

53 Kinder werden in drei altersgemischten Gruppen betreut, eine davon ist die Krippengruppe für die 18 Kinder unter drei Jahren. Das Kinderhaus arbeitet inklusiv, Kinder mit Behinderungen leben und spielen hier selbstverständlich mit den anderen.

Ein mit Teppich ausgelegter und kleinen Matratzen bestückter Raum wird als Vorleseraum genutzt. Die Bücher wählen die Kinder selbst aus, auch die Reihenfolge, in denen sie vorgelesen werden. Im Meditationsraum erleben die Kinder regelmäßig religionspädagogische Angebote. 

Und natürlich ist da auch die Kirche. „In diesem Jahr haben die Kinder in der Kirche das Aschekreuz von Pfarrer Hölscher bekommen.“, berichtet Janet Gaberle. Einmal im Monat ist Gottesdienst und Frühstück für die Gemeindemitglieder. Während des Frühstücks führen die Kinder ein kleines Programm auf. Für den Sommer plant Janet Gaberle ein gemeinsames Frühstück mit Kindern und Gemeindemitgliedern im Garten.

Der Garten ist ein riesiges Paradies für Kinder, verwinkelt und mit vielen Spielangeboten. Die Kirchgemeinde hat eigens Land dazu gepachtet, damit die Kinder viel Platz haben. Hier werden Phantasie und das Spielen der Kinder auf sinnliche Weise angeregt. 

Ein Traum Janet Gaberles ist es, dass eines Tages Gemeindemitglieder einfach vorbeikommen, den Kindern etwas vorlesen oder beim Spielen zuschauen.

Text u. Foto: Birgitt Flögel