31.05.2017

Soulsängerin in der Jugendstrafanstalt Neustrelitz

Herrentag hinter Gittern

Normalerweise ist die Jugendstrafanstalt Neustrelitz ein Ort, den man lieber von außen als von innen sieht. Zu Christi Himmelfahrt war es anders. Denn da kam die Soulsängerin Diana Ezerex zum Konzert-Gottesdienst. 

Soulsängerin Diana Ezerex in der Jugendstrafanstalt Neustrelitz
Stargast im Knast: Diana Ezerex nach dem Gottesdienst in
Neustrelitz.  Foto: privat

„Herrentag“: Alkohol, grölende Männer, mit Bollerwagen unterwegs. Anders in der Jugendanstalt Neustrelitz. Zu Christi Himmelfahrt kommen die Jungs und Mädchen in die Kapelle zum Gottesdienst. Heute aber haben wir einen Gast, besser, eine junge Frau, die Musik macht. Diana Ezerex, ursprünglich aus Nigeria, ist angekündigt als Soulsängerin. Die Gefangenen sind schon gespannt. Vom ersten Augenblick an sind sie gefesselt, beeindruckt, von der tollen Stimme und der authentischen Erscheinung der jungen Frau aus Süddeutschland.

Dann aber beginnt der Gottesdienst wie immer mit dem Kreuzzeichen und dem Lied: „Du hast uns, Herr, gerufen und darum sind wir hier.“ Statt Predigt erzählt und singt Diana von sich, ihrem Aufenthalt in Brasilien, den Schwierigkeiten und Freuden dort, von Einsamkeit und Freundschaft und von den Tränen beim Abschied. 

Sogar mitsingen dürfen die Knackies bei einem Song „Save, save, save“ – aber sie sind entweder zu schüchtern oder völlig fasziniert von der Echtheit der Sängerin. Nach Vaterunser und Segen, den Pastor Vogel und Bruder Gabriel den Gottesdienstteilnehmern spenden, kommt das Segenslied: „Bewahre uns Gott, behüte uns Gott…“ 

Raucherpause, ein Kaffee. Die Jugendlichen erzählen von sich und dem Leben im Knast, sehr ernsthaft und offen. Dann wieder in die Kapelle, ein Wunschlied? Nummer 224, was denn sonst? „Laudato si …“ 

Herrentags-Stimmung beim Sonnengesang

Jetzt kommt doch noch Herrentagsstimmung auf. Aus voller Kehle schmettern alle das Lied des heiligen Franziskus, den Sonnengesang: „Sei gepriesen, denn du bist wunderbar, Herr! Laudato si, o mio Signor, …“ Wenn schon, denn schon, alle acht Strophen. Geht auch ohne Alkohol.

Beim anschließenden Abschlusssong „Coming home…“ von Diana Ezerex ist wieder absolute Stille eingetreten. Alle sind begeistert und dankbar für diesen Gottesdienst und die Musik. „Komm mal wieder!“ 

Herrentag mal anders. Es ist Zeit, die Gefangenen müssen wieder in ihre Zellen. Die Künstlerin verlässt das Gefängnis. Auch sie ist happy und dankbar für die Erfahrung mit den Jungs und Mädchen im Knast. Ob die Atmosphäre beim Konzert am Freitag nach Christi Himmelfahrt in der Heilig-Kreuz-Kirche in Waren da rankommt? Das schauen wir mal.

Text: Bruder Gabriel Zörnig, Franziskanerpater und Gefängnisseelsorger in der Jugendanstalt Neustrelitz