22.07.2016

Flüchtlingsbeauftragter der Bischofskonferenz macht sich ein Bild von der Situation der Flüchtlinge

Heße bei Syrern in libanesischen Camps

Beirut/Bonn (kna/nkz). Erzbischof Stefan Heße hat eine positive Bilanz seiner viertägigen Libanonreise gezogen. Zum Abschluss sagte er, die Brückenfunktion der christlichen Minderheit im Nahen Osten könne ein Vorbild auch für die Rolle der Kirchen bei der Integration der Flüchtlinge in Deutschland sein. Grundlage sei ein tiefer wechselseitiger Respekt unter den Gläubigen, bei der die Unterschiede zwischen den Religionen anerkannt werden, so Heße.

Als Flüchtlingsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz war er vom 15. bis 18. Juli in den Libanon gereist. Er hatte mehrere Flüchtlingsunterkünfte besucht sowie Gespräche mit Vertretern aus Politik, Zivilgesellschaft und Religionsgemeinschaften geführt. Unter anderem war er mit zwei libanesischen Ministern, mit Diplomaten und mit dem maronitischen Patriarchen Boutros Rai zusammengetroffen.

Am Sonntag hatte Heße in Beirut an einem Gottesdienst mit mehreren hundert syrischen Flüchtlingen teilgenommen. Die Liturgie fand in einer zur assyrischen Kirche gehörenden Gemeinde statt, die mit der katholischen Kirche keine Mahlgemeinschaft unterhält. Heße nahm auf Einladung der Gemeinde dennoch im Altarraum am Gottesdienst teil. Der für die Flüchtlinge zuständige assyrische Erzdiakon Emanuel Youkhana hatte dabei in seiner Predigt gesagt, Christen sollten in einer Kultur der Gewalt und des Hasses die Botschaft des Lebens und der Hoffnung verkünden. In einer Zeit des Mauer- und Zäunebauens könnten Christen gegen den Trend Brückenbauer sein.

Nach dem Gottesdienst war der Erzbischof mit assyrischen Christen zusammengetroffen, die ein Jahr lang als Geiseln von IS-Terroristen lebten, bevor sie in den Libanon fliehen konnten. Ein älterer Mann berichtete, seine Entführer hätten vergeblich versucht, ihn zu einem Übertritt zum Islam zu zwingen. Zur Abschreckung hätten sie drei entführte Christen per Genickschuss hingerichtet. Die Überlebenden seien schließlich von ihrer Kirche freigekauft worden.