19.11.2014

Kommentar

Hausgemachtes Problem

Wie kann der Hunger in der Welt bekämpft werden? Es gibt genügend Nahrungsmittel für alle Menschen - sagt Andreas Kaiser. Ein Kommentar.

Nicht gerade optimistisch blicken kirchliche Hilfswerke auf den zweiten Welternährungsgipfel in der kommenden Woche in Rom. Das hat Gründe. Obwohl sich die Vereinten Nationen bereits im Jahr 2000 eine Halbierung des weltweiten Hungers auf die Fahnen geschrieben haben, ist die Welt beim Kampf gegen die Unterernährung zuletzt kaum vom Fleck gekommen. Noch immer sterben weltweit mehr Menschen an Hunger als an Aids, Malaria und Tuberkulose zusammen. Dabei macht schon ein kurzer Blick auf die Zahlen klar: Das Problem ist weitgehend hausgemacht! 

Trotz stetig steigender Bevölkerungszahlen kann unser Planet noch immer alle Menschen ernäh-ren. Experten gehen sogar davon aus, dass durch falsche Lagerhaltung und unsere Wegwerfmentalität an manchen Tagen sechsmal mehr Lebensmittel verrotten, als man bräuchte, um den Hunger zu besiegen. Vor allem die künstliche Verknappung von Nahrungsmitteln, um mit ihnen an der Börse höhere Preise zu erzielen, ist hier ein Skandal. 

Auch, dass heute in etlichen Entwicklungsländern Getreide für Biosprit angebaut wird, ist schlicht unverantwortlich. Mutlos wirkt zudem, dass die Welternährungsorganisation FAO beim Kampf gegen die Mangelernährung neuerdings auf Gentechnik und die Hilfe der Nahrungsmittelindustrie setzt. Denn genau diese Konzerne haben mit ihren Landnahmen, gigantischen Monokulturen und Kampfpreisen ja erst dafür gesorgt, dass in Afrika und Asien regionale Strukturen zusammengebrochen sind.

Natürlich soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden, dass auch die Multis mit ihren Methoden – etwa der Aufzucht von trockenresistentem Saatgut – viel dazu beitragen, die Welternährung zu sichern. Doch indem sie sich genau diese Samen patentieren lassen, sorgen sie zugleich dafür, dass sich Kleinbauern das bessere Saatgut oft nicht leisten können. 

Wenn die internationale Gemeinschaft den Kampf gegen Hunger wirklich ernst meint, müssen wir alle uns bewegen. Neben einem Verbot von Nahrungsmittelspekulation könnten die Industrienationen, wie das Grüne, SPD und Linke schon länger fordern, den armen Ländern zumindest befristet erlauben, sich notfalls mit Zöllen gegen die billigen Nahrungsimporte (etwa der EU) zu schützen. Aber auch von den Entwicklungsländern muss mehr kommen. Die Verantwortlichen dort sollten endlich begreifen, wie wichtig ihre Kleinbauern für die Versorgung sind, und diese gezielt fördern. Nur mit Gentechnik allein ist dem Hunger der Welt jedenfalls nicht beizukommen.

Von Andreas Kaiser