21.06.2017

Schüler der Rostocker Don-Bosco-Schule erlebten eine pfingstliche Pilgertour auf dem Wasser.

Gottes Geist auf den Wassern

Geistliche Exerzitien, das begeistert nicht jeden 13-Jährigen. Eine Paddeltour auf der Havel? Schon besser. Schüler der Rostocker Don-Bosco-Schule haben beides gleichzeitig gemacht: eine pfingstliche Pilgertour auf dem Wasser. 

Don-Bosco-Schüler als Bootspilger auf der Havel
Don-Bosco-Schüler als Bootspilger auf der Havel.  Foto: Marius Dolgner

Pfingsten ist eigentlich ein Fest mit Feuer. Aber auch auf dem Wasser kann man der Spur des Heiligen Geistes folgen. Acht Schüler der Don-Bosco-Schule haben das erlebt. In fünf Tagen sind sie von den Havelquellen bei Kratzeburg bis Wesenberg gepaddelt. Strecken bis 14 Kilometer waren zurückzulegen – schon für Wanderer eine weite Strecke. Marius Dolgner, Schulseelsorger der weiterführenden Don-Bosco-Schule, ist früher selbst mit der Gemeindejugend gepaddelt. „Den Kaplan haben wir mitgenommen, und dann ging es los.“ Dolgner schrieb die Reise für die 7. bis 10. Klasse aus und engagierte mit Dagmar Müller eine Erlebnispädagogin, die sich mit Bootstouren auskennt. 

Keiner der Jugendlichen war schon vorher ein großer Ruderer. „Wir hatten einen Crashkurs, wie man lenkt, und was man tut, wenn ein Boot kentert“, erzählt Carline Reiter. Ein Boot ging tatsächlich unter. Aber das war gewollt, als Training. „Man muss dann ein zweites Boot querlegen und das Gekenterte aus dem Wasser drehen“, sagt Carline. 

Mut gehört auch dazu. Zum Paddeln ebenso wie zum Leben mit dem Heiligen Geist. „Ich brauche Mut, weil ich mich in der Schule so gut wie gar nicht melde. Und beim Hockey auf den Ball zugehen.“ Mutsätze wie diese von Stefan Brandt wurden gesammelt, auf Papier geschrieben, gefaltet und mit Teelichtern als leuchtende Papierboote auf den Fluss geschickt. 

Während der Fahrt, beim Abendgebet, bei geistlichen Impulsen, folgten die Wassersportler der Spur des Heiligen Geistes, getreu dem Jesaia-Wort: „Hier ist der Weg, auf ihm müsst ihr gehen, auch wenn ihr selbst rechts oder links gehen wolltet.“ 

Was man in der Stille hören kann

Als Paddler weiß man. Auf dem geraden Weg zu bleiben, kann anstrengend sein, und auch langweilig. „Dann haben wir viel gesungen, um uns abzulenken“, sagt Leon Friese. 

An einem Tag ging es um das Hören: Welche Laute nehmen wir wahr? Den Trubel auf den Campingplätzen. Aber auch die Stille, das Plätschern des Wassers, die Vogelstimmen am Ufer. Oder das Prasseln des Regens. „Am zweiten Tag kam der Regen, es regnete bis zum frühen Nachmittag, und alles war erstmal nass“, erzählt Heinrich Wego. Aber ein Wäschetrockner machte die Flotte schnell wieder fahrtüchtig. Nach der Flut gab es sogar ein Pfingstwunder. „Komm, Schöpfer Geist!“, der uralte Pfingstgesang, erklang in vielen Sprachen: Englisch, latein, polnisch, holländisch, französisch, bayerisch. 

Paddeln, nachdenken, beten, passt das zusammen? „Das war eine gute Verknüpfung“, findet Heinrich Wego. „Wir wollten beim Paddeln ja nicht möglichst schnell sein, es war eher eine ruhige Sache. Und morgens und abends beten, das machen wir auch zu Hause.“ 

Heinrich Wego würde wieder mitmachen. Gelegenheit gibt es schon im nächsten Sommer. Denn dann will Marius Dolgner wieder eine Paddelpilgertour mit Dagmar Müller anbieten. Und auch anderen kann er das Pilgern auf dem Wasser empfehlen, zumal es finanzielle Hilfe gab – vom ökumenischen Verein „Andere Zeiten“, der viele christliche Ideen und Initiativen wie diese fördert.

Text: Andreas Hüser