24.03.2017

Schüler und Erwachsene antworten:

Glaubst du?

„Ich glaube, Herr!“, sagt der Blindgeborene, nachdem Jesus ihn geheilt hat. Aber er konnte die Macht Jesu am eigenen Leib erfahren. Was sagen Schüler aus Bingen und Erwachsene aus einem Bibelkreis in Mainz zu der Frage: „Glaubst du?“ Und: „Ändert das was?“ Und was würden Sie sagen?

istockphoto
Nicht jeder sieht in Jesus Christus den Sohn Gottes. Foto: istockphoto

 

Annabelle Spinti (18 Jahre)

Ich glaube an den Gott im Himmel, aber für mich ist Jesus das Vorbild der Menschen. So auf menschlicher Basis denke ich an Jesus Christus als seinen Sohn – als Transzendenz denke ich an Gott.

Niklas Geppert (17 Jahre)

Unabhängig davon, dass ich mein Leben nicht auf Jesus/Gott ausrichte, geht doch von Jesus für mich ein gewisser Reiz aus. Das hat aber eigentlich nichts mit den biblischen Geschichten zu tun, sondern mit dem, für was er bekannt ist. Also die Werte, die durch ihn vermittelt werden, und ich glaube, dass das auch Vorbildcharakter für mein Leben hat. D.h. aber nicht, dass ich im religiösen Sinne an ihn glaube, zumal ich auch nicht weiß, ob der Gott Jesu, also der der Juden, nicht vielleicht auch der der Muslime ist, nur anders beschrieben, also Religion nur eine unterschiedliche Auslegung einer universellen Religion.

Annalena Leuchsenring (17 Jahre)

Ich weiß selbst gar nicht, ob ich an Gott oder Jesus glauben soll oder nicht. Aber der geschichtliche Jesus hat ein paar Werte vorgelegt, die heute in der Gesellschaft gelten und wichtig sind. Wenn es die nicht geben würde, dann würde ich vielleicht etwas anders über manche Sachen denken und anders reagieren, etwa in Diskussionen.

Günther Götz (74 Jahre)

Wenn ich das Glaubensbekenntnis spreche, drücke ich darin meine Hoffnung aus, dass Jesus Christus für mich der Weg zum Vater im Himmel ist, dass er gegen alle „fake news“ die freimachende Wahrheit ist und dass ich in ihm die Fülle des Lebens finde, nach der ich mich so sehr sehne. 

Und wie das mein Leben verändert? Vor zehn Jahren bin ich zum ersten Mal in Spanien auf einem Jakobsweg nach Santiago de Compostela gepilgert, seither mehrfach auf verschiedenen Wegen. Diese Pilgererfahrung hat sich für mich innerlich mit dem Jesus-Wort „Ich bin der Weg“ verbunden. Auch auf den alltäglichen (Pilger-)Wegen meines Lebens spreche ich immer wieder: „Jesus, du bist mein Weg.“

Maximilian Linkert (17 Jahre)

Ich glaube nicht an Jesus und nicht an die Bibel, aber ich glaube an Gott bzw. irgendwas Transzendentes, denn ich finde, es ist schön, sich an was festzuhalten, irgendwas Höheres, was über den Zufall, die Entropie herrscht. Ich denke immer noch, dass Jesus und Bibel erfunden sein könnten. Für mich ändert sich aber im Alltag schon etwas, dass, wenn man Pech oder Glück hat, von etwas bestimmt ist. Denn sich daran festzuhalten, beruhigt.

Jochen Bleicher (47 Jahre)

Mit diesem Bekenntnis verbinde ich eine Art Verankerung in einem Gott mit menschlichen Zügen. Diese menschlichen Züge machen ihn für mich sehr viel „greifbarer“ als eine philosophisch abstrakte Idee von Gott. Und dieser Jesus Christus ist für mich der Garant der letzten Geborgenheit. Jesus Christus ist für mich bildlich gesprochen der Nordpol auf dem Kompass meines Lebens. Das bedeutet, dass es trotz mancher Umwege oder Sackgassen im Leben immer einen Fixpunkt gibt, an dem man sich ausrichten kann. Und diese (Glaubens-)Gewissheit gibt mir die Hoffnung, einmal bei ihm selbst anzukommen, wo es die letzte Geborgenheit gibt. Nach einer tiefgehenden Erfahrung des Scheiterns über meine Zukunftspläne durfte ich erleben, wie ich durch viele kleine Fügungen etwas erreichte, das ich nie jemals so gut hätte planen können. Ich bin überzeugt, dass dies kein Zufall ist, und ich danke dem Herrn heute noch dafür!

David Brunn (17 Jahre)

Ich glaube an Gott, aber ich weiß nicht, ob der christlich, muslimisch, jüdisch oder sonst was ist, das sind Unterschiede, die Menschen festgelegt haben. Jesus dient für mich als Vorbild eines idealen Lebens, wenn man sich an ihm misst, weiß man, dass man was Gutes macht, damit kann man sich immer vergleichen.

Lieselotte Massoth (83 Jahre)

Wenn ich im Credo bekenne „Ich glaube an Jesus Christus“ wiederhole ich damit meine Entscheidung, Jesus und seiner Lehre zu vertrauen und mich an ihm und ihr festzumachen. Dabei sind die rein dogmatischen Aussagen im Unterschied zu den historischen wie „gekreuzigt, gestorben und begraben“ für mich Bilder für eine nicht darstellbare Wirklichkeit. Durch das bloße Sprechen des Credos ändert sich bei mir nichts. Aber durch meine Entscheidung, mich an Jesus zu orientieren, verändern sich manchmal meine Einstellung und mein Tun, zum Beispiel in der Begegnung mit für mich nur schwer zu ertragenden Mitmenschen: dass ich da meinen negativen Emotionen nicht nachgebe. Denn auch mein Gegenüber ist von Gott gewollt.