18.10.2017

Bischof Menghisteab Tesfamariam zu Gast in der Herz Jesu-Gemeinde in Hamm

Glaubensfeier im eigenen Ritus

Seit drei Jahren genießen die Angehörigen der eritreisch-katholischen Gemeinde in Hamburg die Gastfreundschaft der Herz Jesu-Gemeinde in Hamm. Jetzt war dort erstmals das Oberhaupt der eritreisch-katholischen Christen zu Gast.

Bischof Menghisteab Tesfamariam Oberhaupt der eritreisch-katholischen Christen
Bischof Menghisteab Tesfamariam zelebrierte den Gottesdienst in der Herz Jesu-Kirche. Er trägt den Titel Erzeparch und ist das
Oberhaupt der eritreisch-katholischen Kirche.  Foto: Matthias Greve

Rund 100 Christen der mit der römisch-katholischen Kirche seit 2015 offiziell unierten „Rituskirche“ kamen am vergangenen Samstag zum Gottesdienst in der Kirche Herz Jesu in Hamm. Sie feierten die katholische Liturgie im äthiopisch-alexandrinischen Ritus, wie sie es auch sonst einmal monatlich an einem Samstag tun. Lange Gebete und Lesungen aus der Heiligen Schrift im Wechsel mit eindrucksvollen Gesängen des Chores in prächtigen Gewändern prägten den rund dreistündigen Gottesdienst, der von Bischof Menghisteab Tesfamariam zelebrierten wurde. Er ist das erste Oberhaupt der neu errichteten Rituskirche, trägt zugleich den Titel Erzeparch (Erzbischof) sowie Metropolit der Erzeparchie Asmara / Eritrea und ist das Oberhaupt der eritreisch-katholischen Kirche.

Bischof Menghisteab Tesfamariam mit Kudusan Okbu und Flüchtlingspastor Norbert Bezikofer.
Bischof Menghisteab Tesfamariam mit Kudusan Okbu und Flüchtlingspastor Norbert Bezikofer.

Neben Stuttgart und Frankfurt am Main hat sich in Hamburg die dritte Gemeinschaft der eritreischen Katholiken in Deutschland zusammengefunden. Hamburger Initiatorin ist Kudusan Okbu.­ Sie kam vor rund 20 Jahren durch ihre Heirat nach Deutschland, lebt seitdem in der Hansestadt und besuchte regelmäßig die deutsche katholische Messe in Herz Jesu Hamm. „2014 habe ich gesehen, dass zunehmend meist jugendliche Eritreer nach Hamburg kommen“, erinnert sich die Gemeindeleiterin. Der Wunsch, den Glauben in der eigenen Sprache und dem eigenen Ritus den Neuankömmlingen aus der Heimat bieten zu können, setzte sie Ende 2014 in die Tat um. „Den Glauben in der eigenen Kultur zu praktizieren, hilft Menschen, den Erlebnissen, die sie in der Heimat und auf der Flucht ertragen mussten, zu begegnen“, sagt Okbu.

Neben der Feier der Gottesdienste, die oft von verschiedenen eritreischen Gastpriestern aus ganz Europa zelebriert werden, hat sich ein Gemeindeleben unter den derzeit rund 200 Gemeindemitgliedern schon gut entwickelt. „Besonders unser Chor ist zu einem beliebten Treffpunkt geworden“, so Kudusan Okbu. Die wöchentlichen Proben am Samstag dienen nicht nur dem musikalischen Können, das erst jüngst bei der „Nacht der Kirchen“ erneut zu erleben war. Auch für Alltagsprobleme und Integrationsfragen hat die Gemeinschaft stets ein offenes Ohr. Für weitere Aktivitäten ist die Gemeinde noch auf der Suche nach zusätzlichen Räumen.

Ein eigener eritreisch-katholischer Priester ist ein großer Wunsch für die Zukunft, sagt Kudusan Okbu. Noch ist die Gemeinde auf sich allein gestellt. Wenn so ein Priester zusätzlich  Aufgaben in der katholischen Kirche Hamburgs übernehmen könnte, wäre dies für das Zusammenleben besonders gut, findet die Wahl-Hanseatin.

Text u. Fotos: Matthias Greve