17.01.2018

Podiumsdiskussion mit Erzbischof Heße in St. Ansgar Niendorf

Glaube ist wichtiger als Geld

Wie geht es weiter im Erzbistum Hamburg? Eine spannende Frage in jeder Gemeinde. Während einer Visitation im Hamburger Nordwesten folgte Erzbischof Stefan einer Einladung zur Diskussion in der St. Ansgar-Gemeinde.

Podium in St. Ansgar Niendorf mit Erzbischof Stefan Heße, Ansgar Juckel, Birgit Nowak, Roland Uhlig, Christoph Bungartz

Podium in St. Ansgar (v. links): Erzbischof Stefan Heße, Ansgar Juckel, Birgit Nowak, Roland Uhlig, Christoph Bungartz.  Foto: Rita Vißing

Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt“ – unter diesem Titel­ stand der 33. Theologische Talk, der dieses Mal in den Räumen von St. Ansgar in Niendorf stattfand. Dabei war Erzbischof Stefan Heße, der sich zur aktuellen Lage des Bistums im Allgemeinen und zur finanziellen Situation im Besonderen äußerte. „Wir haben eine Mission“, so Heße. „Eine Kirche, die nicht missioniert, demissioniert. Eine Kirche, die nicht hinausgeht, verschwindet von der Bildfläche“, warnt der Erzbischof und ruft dazu auf, den Glauben mehr zu leben. „Wir müssen lernen, wieder mehr über den Glauben zu sprechen. Und wir müssen uns trauen, neue Wege zu finden.“

Dem kann Ansgar Juckel, ebenfalls Podiumsteilnehmer  und Messdiener aus St. Ansgar, nur bedingt zustimmen. „Die Kirche hat sich seit 2000 Jahren nicht verändert, und das soll sie auch jetzt nicht tun. Wir dürfen uns nicht verbiegen, um anderen zu gefallen“, so Juckel. Für ihn seien besonders Stabilität und das „Konservative“ der Kirche die Schlüssel zur Generation der Jugendlichen. „Junge Menschen wünschen sich von der Kirche Glaubwürdigkeit, und die verliert sie, wenn sie sich zu sehr verändert“, sagt er. 

Doch auch die Wandlung könne neue Wege öffnen. Das findet auch Roland Uhlig, Mitglied des Kirchenvorstandes in St. Ansgar. „Die Gemeinde als Schiff, das zuvor versorgt war, muss jetzt individuelle Wege gehen und noch stärker Verantwortung übernehmen“, so Uhlig. 

Auch Gemeindereferentin Birgit Nowak ist seiner Ansicht. Es sei gerade in der heutigen Zeit besonders von Bedeutung, dass sich jeder Einzelne seiner Verantwortung für die Kirche bewusst ist. Und dabei ginge es vorrangig um die Mitmenschen, weniger um Besitztümer: „Um meinen Glauben weiterzugeben, brauche ich nicht das Geld und die Gebäude, sondern ein Auge für die Menschen um mich herum“, sagt sie. 

Doch die Sorge um die finanzielle Situation des Bistums ist zu spüren. Nicht nur der Moderator des Abends, NDR Redakteur Christoph Bungartz, sondern auch das Publikum will vom Erzbischof wissen, wie es mit dem Bistum nun weitergeht. „Wir können mit ganz Wenigem Kirche sein“, beginnt Heße. „Kirche hängt vom Glauben ab und nicht vom Portemonnaie.“ 

Gott schenkt seiner Kirche Kreativität

Die Kirche sei nicht von Gebäudezahlen abhängig, sondern hänge davon ab, dass jeder seinen Auftrag wahrnehme. „Gott schenkt uns Kreativität, auf neuen Klavia­turen zu spielen und dabei neue Melodien zu erfinden.“ Dabei sei er sich bewusst, so der Erzbischof, dass Änderungen schmerzen können. Aber das Bistum auf lange Sicht auf finanziell sichere Füße zu stellen, habe für ihn oberste Priorität. Nach welchen Maßstäben man dabei vorgehe, beispielsweise im Hinblick auf mögliche Schulschließungen, könne der Erzbischof noch nicht sagen. Und auch die Suche nach einem Schuldigen für die Finanzmisere bringe das Bistum nicht weiter. Man dürfe trotz aller Schwierigkeiten den Kern des Glaubens über all die Sorgen um die Zukunft nicht verlieren: „Mein Glaube ist ein Schatz. Ich lebe von der Hoffnung, diesen Schatz weitergeben zu können.“

Text u. Foto: Rita Vißing