05.07.2017

Junge Christen und Muslime diskutieren

Gipfel bewegt Jugendliche

In der Katholischen Akademie in Hamburg diskutierten junge Christen und Muslime über Sinn und Unsinn des G 20-Gipfels, sprachen über ihre Forderungen an die Mächtigen und sparten nicht mit Kritik. 

Junge Christen und Muslime diskutieren in der Katholischen Akademie

An den Tischen wurden einzelne Fragen teils sehr kontrovers diskutiert. Moderatoren sorgten für einen fairen Umgang miteinander.  Foto: Karin Istel

G 20, Ausnahmezustand in Hamburg: die Mächtigen der Welt diskutieren über die globale Handels- und Sozialpolitik. „Die vermeintlichen ‚Retter‘ von den Problemen seien meist auch deren Auslöser“, eröffnete Moderatorin Sally Mary Riedel die Diskussionsveranstaltung unter dem Titel: „G 20. Was tust du für deine Welt? Hamburger Jugend macht’s vor.“ 

Rund 90 christliche und muslimische Jugendliche im Alter zwischen 16 und 25 Jahren waren in die Katholische Akademie Hamburg gekommen, um ihre Meinung zum G 20-Gipfel zu sagen, um globale Probleme und Lösungswege zu diskutieren. Eingeladen hatten der Rat der islamischen Gemeinschaften in Hamburg (Schura), die Junge Islam Konferenz, das Zentrum für Mission und Ökumene der Nordkirche, das Jugendforum St. Georg/Borgfelde und der Fachrat Islamische Studien sowie die Katholische Akademie.

„Verantwortung für die Schöpfung zu übernehmen, das ist Gottesdienst“, meinte Kira Schall, Studentin der evangelischen Theologie. „Hört zu, ärgert euch und traut euch zu träumen“, appellierte sie in ihrem Impulsreferat an die Zuhörer. Auch für Roberto Pera vom Fachrat für Islamische Studien ist der Einsatz für die Welt religiös motiviert: „Die Welt gehört uns nicht. Sie ist uns anvertraut und muss am Ende zurückgegeben werden. Der Mensch, der in Entwicklung begriffen ist, soll Statthalter der Welt werden und Gottes Gerechtigkeit Ausdruck verleihen.“

In der anschließenden Podiumsrunde beschrieben zwei Jugendliche den G 20-Gipfel als eine „Möglichkeit des Dialogs“, der „viel Potential“ biete. Eine junge Frau stellte genau dies jedoch in Frage: „Warum ist es nötig, dass Einzelne sich treffen und über finanzielle Stabilität und Gerechtigkeit debattieren? Es gibt doch schon globale Institutionen wie die UN. Die Debatte ist wichtig, viele Menschen sollten darüber reden. Man sollte alle Stimmen anhören.“ Der 20-jährige Hussein warf den G 20-Politikern eine „unverschämte Doppelmoral“ vor. „Die setzen sich hin und tun so, als wollten sie Probleme lösen. Die sollen uns nicht verkaufen“, sagte er mit Blick auf deutsche Waffenexporte. 

Nach den Statements ging es ins „World Café“, wo die jungen Leute an acht Tischen einzelne Fragen diskutierten. Jugendliche, die über den G 20-Gipfel reden, das interessierte auch die Filmemacher Hind Meddeb und Fuad Gritli, die spontan vorbeikamen. Sie waren an diesem Tag in der Hansestadt, um ihren Film über Jugendliche in Nordafrika zu zeigen. „Sie leben ganz anders als in den westlichen Filmen oft gezeigt wird“, so Meddeb in ihrer kurzen englischen Ansprache. „Sie kämpfen wie ihr für mehr Demokratie und Freiheit.“

Text u. Foto: Karin Istel