22.02.2017

Dialog mit Ditib-Moscheegemeinden

Gespräche werden schwieriger

Bespitzelung, geheimdienstliche Aufträge, Druck auf Gläubige und ihre Familien: Was der
Türkisch-islamischen Union der Anstalt für Religion in Deutschland, kurz Ditib, derzeit vorge-
worfen wird, sind keine Kavaliersdelikte. Wie reagiert die katholische Kirche darauf?

Besucher während einer Führung in der Yavuz-Sultan-Selim-Moschee in Mannheim. Foto: picture alliance

Der türkisch-islamische Dachverband Ditib vertritt mit etwa 900 Moscheegemeinden rund 70 Prozent der in Deutschland lebenden Muslime. Organisatorisch ist Ditib eng mit der staatlich-türkischen Religionsbehörde Diyanet verbunden. Von ihr werden die Imame ausgewählt, bezahlt und nach Deutschland geschickt.

Das Problem: Die Diyanet soll gefordert haben, Gemeindemitglieder zu bespitzeln und Anhänger von Fetullah Gülen, dessen Bewegung in der Türkei als Terrororganisation gilt, nach Ankara zu melden. Der Ditib-Sprecher Bekir Alboga bezeichnete die Spitzelberichte als „Panne“. Imame hätten die Anweisungen „fehlinterpretiert“, einige seien ihr „fälschlicherweise“ gefolgt. 

Wie reagiert die katholische Kirche? Immerhin ist Ditib für den Dialog zwischen den Religionen ein wichtiger Ansprechpartner. Die Islamwissenschaftlerin Rotraud Wielandt, die Beraterin in der Unterkommission für den Interreligiösen Dialog der deutschen Bischofskonferenz ist, spricht sich generell für eine Weiterführung der Gespräche aus.

Allerdings gibt es auf der Webseite der Diyanet ein Gutachten über die Gülenbewegung. Darin wirft man ihr vor, aufgrund des Dialogs mit der katholischen Kirche, eine Gruppe zu sein, die mit den Feinden des Islam paktiere. Die katholische Kirche also ein Feind des Islam? Die Ditib hat das Schreiben nicht veröffentlicht, sich aber auch nicht davon distanziert.

In Gesprächen sollte man nach Auffassung von Wielandt der Ditib nahelegen, dass sie sich von der Religionsbehörde abnabeln muss, wenn sie in Deutschland als eigenständige Religionsgemeinschaft ernst genommen werden will. „Jetzt ist der Punkt erreicht, wo innerhalb der Organisation eine Entscheidung fallen muss.“ Den Weg zu einem von der Türkei unabhängigen Verein möchte sie unterstützen.

 

Unterschiedliche Erfahrungen auf Gemeindeebene

Und wie sieht es auf der Gemeindeebene aus? „Grundsätzlich ist die Zusammenarbeit mit Ditib-Gemeinden gut“, sagt Katrin Großmann, Beauftragte für den interreligiösen Dialog im Bistum Osnabrück. In den Gemeinden gäbe es ausgebildete Theologen, in einigen auch Frauenbeauftragte und Fortbildungen für Ehrenamtliche. „Da ist Ditib im Vergleich zu anderen Moscheegemeinden gut aufgestellt.“ Dennoch beobachte man die Entwicklung kritisch.

Pater Richard Nennstiel, der Islambeauftragte des Erzbistums Hamburg, ist skeptischer. „Früher war Ditib ein zuverlässiger Partner“, sagt er. Mittlerweile hat er den Eindruck, dass in den Moscheen vor allem das türkische Nationalgefühl gestärkt werden soll. Die Gespräche will er nicht abbrechen, eine enge Zusammenarbeit aber, bei der Ditib eine Bühne geboten wird, lehnt er ab. „Das halte ich für blauäugig und wenig hilfreich.“

Wenn sich langfristig nichts an der Struktur der Ditib verändert, sind einige Islambeauftragte skeptisch, ob der Dialog aufrechterhalten werden kann.

Von Kerstin Ostendorf