25.01.2017

Katholisches Trauerzentrum und Kolumbarium St. Thomas Morus stellt sich der Öffentlichkeit vor

In Gemeinschaft mit den Toten

Trauerzentrum, Kolumbarium und Gemeindekirche: St. Thomas Morus in Stellingen überzeugt durch ein einmaliges Konzept. Davon konnten sich jetzt auch die Besucher einer öffentlichen Vorstellung überzeugen.

Ruth und Erwin Bruhn haben sich diesen Urnenblock als Ruhestätte nach ihrem Tod ausgesucht. Foto: Monika Sendker

Ruth und Erwin Bruhn haben keine Berührungsängste, wenn sie vor dem rechten hinteren Urnenblock in der Kirche St. Thomas Morus stehen: Dort möchte das Ehepaar einst selbst die letzte Ruhe finden. Der Platz ist gut ausgesucht, denn vor dem Umbau der Kirche standen dort noch die Bankreihen, in denen sich die beiden im Gottesdienst immer setzten und beteten. „Unsere Eltern sind alle auf Ohlsdorf be-
erdigt“, erzählt Ruth Bruhn (83). Sie hat sich jedoch mit ihrem Mann Erwin (88) anders entschieden: „Wir gehören schon so lange in diese Gemeinde, und auch unsere Kinder kommen lieber hierher, wenn sie in die Kirche gehen und eine Kerze anzünden wollen. So hat sich das für uns wunderbar angeboten.“ 

Die Gemeinschaft von Lebenden und Toten in einer Kirche, die weiterhin von der Gemeinde genutzt wird, das macht St. Thomas Morus deutschlandweit einzigartig. „Das ist doch unser urchristlicher Glaube, dass unsere Toten mitten unter uns leben“, betonte Pfarrer Ulrich Krause zur öffentlichen Vorstellung. Erzbischof Stefan Heße hatte dem Katholischen Trauerzentrum und Kolumbarium St. Thomas Morus bereits im vergangenen Oktober seinen Segen gegeben. In der vergangenen Woche konnten nun Politiker, Vertreter sozialer Einrichtungen, Anwohner, Gemeindemitglieder und Interessierte selbst die Urnenblöcke in der Kirche und im Innenhof, der „Paradiesgarten“ genannt wird, sowie das anliegende Trauerzentrum, das aus den Gemeinderäumen entstand, in Augenschein nehmen. 

Bis auf den letzten Platz gefüllt war das Trauercafé, als Katharina Fegebank, Zweite Bürgermeisterin der Freien und Hansestadt Hamburg, die Glückwünsche des Senates überbrachte: „Es ist etwas ganz Besonderes, was hier entstanden ist und nach und nach mit Leben erfüllt wird.“ Sehr schlicht und warm, zugleich modern und zeitgemäß findet die Grünen-Politikerin das Trauerzentrum, das Architektin Michèle Franke aus den ehemaligen Gemeinderäumen gebaut hat. Dass in St. Thomas Morus die Toten mit den Lebenden zusammengeführt würden, finde sie einen sehr tröstlichen Gedanken: „Ich hoffe, dass diese Botschaft in die Stadt getragen wird und viele Menschen hierherkommen, die traurig und einsam sind.“

Generalvikar Ansgar Thim erinnerte sich, wie er vor zehn Jahren als Pfarrer in St. Ansgar Niendorf die zündende Idee hatte, als er einen Radiobeitrag über ein Trauerhaus in Hannover hörte. „Mich hat es damals immer sehr belastet, dass ich als Pfarrer nach einer Beerdigung zu wenig Zeit hatte, um mich um die Trauernden zu kümmern.“ Auch für Menschen, die nicht an das Ewige Leben glauben, solle das Trauerzentrum ein Ort des Trostes werden, so Thim. 

„Orte wie diese tun wohl und helfen zu trösten“, betonte Propst Thomas Drope von evangelischen Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein. In der heutigen Zeit sei das Thema Tod mit einer großen Sprachlosigkeit verbunden, Trauernde würden eine immer größere Isolation erfahren: „Dagegen setzt das Trauerzentrum ein deutliches Zeichen gegen das Tabu.“ 

„Trauernden Zeit schenken, Toten Raum geben“ lautet dabei das Motto. „Hier herrscht nicht nur Grabesruhe, hier feiern Lebende und Tote zusammen um den Altar“, sagte Dr. Thomas Kroll, Vorsitzender des Stiftungsrates. Zugleich wolle sich die Gemeinde für alle öffnen, die kommen und spirituelle Impulse suchten. Dabei verstehe sich das Trauerzentrum als Drehscheibe: „Wir wollen uns mit allen vernetzen, die sich mit dem Thema beschäftigen.“ 

Das Miteinander von Toten und Lebenden wird schließlich auch in der Architektur deutlich: So hat Architekt Andreas Rowold die Urnenwürfel nicht abseits, sondern mitten in der Kirche angeordnet. Die Wiedererkennbarkeit der Kirche für die Gemeinde war ihm dabei auch ein Leitfaden bei seiner Arbeit. „Das Erzbistum und die Gemeinde haben hier einen Trend gesetzt“, ist er sicher.

Diakon Stephan Klinkhamels unterstrich als Leiter des Trauer-zentrums zum Abschluss, dass die Einrichtung dem Leben dienen wolle und nun auch dank vieler Ehrenamtlicher, die sich dort engagieren, mit Leben erfüllt werde. 

Text und Foto: Monika Sendker