16.08.2017

Pallottinerpaters Franz Reinisch wurde von den Nazis hingerichtet, weil er sich weigerte den Fahneneid auf Adolf Hitler abzulegen

Gedenken an Pater Reinisch

Die Schönstatt-Bewegung im Erzbistum Hamburg lädt zum Gedenken an den 75. Todestag des Pallottiner Paters Franz Reinisch nach Kiel ein. Der Priester gilt als „Märtyrer des Gewissens“. 

Pallottinerpater Franz Reinisch
Pater Franz Reinisch.  
Foto: Franz Reinisch Forum Vallendar

Die rund 50 Mitglieder und Freunde der Schönstatt-Bewegung im Erzbistum Hamburg begehen an diesem Montag, 21. August in Kiel den 75. Todestag des Pallottinerpaters Franz Reinisch. Der 1903 geborene Österreicher war am 21. August 1942 im Zuchthaus Brandenburg-Görden von den Nationalsozialisten hingerichtet worden. 

Der Priester war ab 1938 in Schön­statt tätig, wo er enge Kontakte zu Pater Josef Kentenich aufbaute, dem Gründer der Schönstatt-Bewegung. Bereits 1940 wurde Reinisch von den Nazis mit einem Predigtverbot belegt. Als er im April 1942 zum Kriegsdienst einberufen wurde, weigerte er sich, den Fahneneid auf Adolf Hitler abzulegen. Möglicherweise ist er damit der einzige katholische Priester, der den Fahneneid verweigerte, wie es seitens des Franz Reinisch Forums heißt. 

„So oft ich auch mein Gewissen überprüfe, ich kann zu keinem anderen Urteil kommen. Und gegen mein Gewissen kann und will ich mit Gottes Gnade nicht handeln. Ich kann als Christ und Österreicher einem Mann wie Hitler niemals den Eid der Treue leisten“, hatte Reinisch erklärt. Einen Eid auf Hitler zu leisten hieße, „einem Verbrecher einen Eid geben“, soll er schon 1939 gesagt haben. Für Pater Reinisch, der vielen als „Märtyrer des Gewissens“ gilt, wurde 2013 der Prozess der Seligsprechung eingeleitet.

Der Pallottiner, der als junger Mann Rechtsmedizin studierte, erlebte seine Berufung in Kiel. Dort wohnte er von April bis Ende Juni 1923 im Niemansweg und nahm an Exerzitien der Studentenverbindung Rheno Guestfalia teil. Ein Gang durch das Elends- und Rotlichtviertel soll ihn in der Karwoche bewogen haben, sein Studium aufzugeben und stattdessen Priester zu werden – weshalb sich auch die Kieler Schönstatt-Gruppe Pater Reinisch besonders verbunden fühlt. „Er ist für uns ein leuchtendes Vorbild im Glauben“, wie Ferdinand Güsewell, einer der führenden Vertreter der Bewegung im Erzbistum, sagt.

Das Gedenken an Pater Reinisch wird in Kiel mit der Feier zum 20-jährigen Bestehen der dortigen Schönstatt-Gruppe verbunden. So wird am Montag in St. Nikolaus ab 17.45 Uhr ein internationaler Rosenkranz gebetet, an den sich um 18.30 Uhr eine heilige Messe mit dem Gedenken an Pater Reinisch anschließt. Die Predigt wird Diakon Ulrich Bork aus Hamburg-Billstedt halten. Um 19.15 Uhr soll es dann einen Empfang im Gemeindezentrum geben, wo Reinisch zu Ehren auch ein Gedenkbild aufgehängt werden wird. Außerdem wird ein Dokumentarfilm über ihn gezeigt. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

Die Schönstatt-Bewegung plant übrigens für den 21. Oktober einen Begegnungstag in St. Paulus in Hamburg-Billstedt.

www.franz-reinisch.org

Text: Marco Heinen