28.10.2015

Seit knapp einem Jahr nutzen Katholiken und Protestanten St. Elisabeth in Damp gemeinsam

Ganz schön offen

Seit fast einem Jahr nun wird die St. Elisabeth-Kirche in Damp ökumenisch genutzt, nachdem die evangelische Kirche vor Ort aufgegeben worden war. Zeit für eine Zwischenbilanz mit Kur- und Urlauberseelsorger Georg Hillenkamp (54) und Pastorin Brigitte Gottuk (48).

Gelebte Ökumene: Pastorin Brigitte Gottuk und Urlauberseelsorger Georg Hillenkamp.  Foto: Marco Heinen 

„Es ist, als würde man zusammenziehen. Man muss sich aneinander gewöhnen, muss sehen, wie der andere tickt“, beschreibt Georg Hillenkamp die ersten Wochen und Monate des Zusammenwachsens. Ende November 2014 war die benachbarte Kirche „Die Insel“ leer geräumt worden. Lektionar, Kelch und Patene sowie Kreuz, Antependium und ein Kerzenständer wurden in die St. Elisabeth-Kirche hinübergetragen. Dort ist die katholische Kirche nach wie vor Hausherr, doch in der Praxis geht es vor allem um gute Absprachen untereinander. „Man muss eben erst in den Plan gucken, bevor man Zusagen macht“, so Hillenkamp. 

Dass sich relativ schnell eine Normalität zwischen den beiden Seelsorgern eingespielt hat, mag auch daran liegen, dass Pastorin Gottuk seit 22 Jahren mit einem Katholiken verheiratet ist. Das ist aus ihrer Sicht auch der Grund dafür, „dass ich mich relativ selbstverständlich in der katholischen Kirche bewege“. 

Kirchenbesucher reagieren überwiegend positiv

Sowohl die katholischen als auch die evangelischen Kirchenbesucher reagierten jedenfalls „durchweg positiv“ auf die gelebte Ökumene, sind sich beide einig. So gebe es einige Katholiken, die den evangelischen Gottesdienst besuchten, genauso wie Protestanten, die zur heiligen Messe gingen. „Es bekommt eine Selbstverständlichkeit dadurch, dass es ein Stück weit vorgelebt wird“, sagt Brigitte Gottuk.

Vorleben, das hieß im ersten Jahr: acht gemeinsame Strandgottesdienste sowie einige andere ökumenische Gottesdienste vor allem um die Hochfeste herum. Aber nicht alles „ist nur ökumenisch“, erläutert die Pastorin. „Das ist auch eine Anerkennung dessen, dass manches nicht geht.“ Konkret bedeutete dies zum Beispiel rund um Ostern, dass es an Gründonnerstag einen evangelischen Gottesdienst gab, gefolgt von einem ökumenischen Kreuzweg an Karfreitag, katholischen Messen an Karsamstag und Ostersonntag sowie einem ökumenischen Emmaus-Gang am Ostermontag. Gottuk: „Wir fangen mit kleinen Schritten an.“

Sie räumt ein, dass nicht alle Gläubigen der evangelischen Gemeinde den Weg zu den katholischen Nachbarn mitgehen konnten. Ihr selbst sei es leichter gefallen, die „Insel“ nur als ein Gebäude zu sehen. „Wenn man einen Neuanfang macht, muss man manches auch gut loslassen – und das habe ich getan“, sagt sie. Dass die frühere Kirche und vor allem das sich anschließende Pastorat inzwischen als Unterkunft für Flüchtlinge genutzt werden, sieht sie positiv. „Wenn Kirche Lebensraum ist und diese Kirche bislang Lebensraum für Patienten und Urlauber war, dann ist es doch eine gute Verwendung, wenn sie jetzt Heimatlosen Heimat gibt.“

Urlauberseelsorge als Chance für die Kirche

Sowohl die katholische als auch die evangelische Gemeinde haben eine besondere Struktur. Denn in Damp gibt es jeweils nur eine kleine Kerngemeinde; die meis-ten Gläubigen sind Klinik- und Rehapatienten sowie Urlauber, vor allem aus Nordrhein-Westfalen. „Die katholische Gemeinde ist eine wechselnde Gemeinde. Wir haben Menschen, die sind im Sommer da, wir haben Menschen, die sind im Winter da“, sagt Georg Hillenkamp. 

Er sieht „eine Riesenchance“ in der Kur- und Urlauberseelsorge, die bei manchen Menschen dazu führe, ihre Beziehung zur Kirche „zu reparieren und ein bisschen zurechtzurücken“. Hillenkamp: „Wir nähern uns Menschen, die wir sonst nicht erreichen.“ Gottuk sieht das ähnlich. Eine positive Erfahrung am Urlaubsort könne dazu führen, dass Menschen vielleicht noch einmal auf ihre Heimatgemeinde zugingen oder in einer Nachbargemeinde einen Neuanfang wagten. Andere wiederum würden die enge Bindung an eine Gemeinde meiden, weil sie selbst entscheiden wollen, „wann sie sich auf den Weg machen“, wie es die Pastorin ausdrückt. „Wenn wir dann nicht da sind, sind das verpasste Chancen.“ Überdies hätten beide Konfessionen mit sinkenden Mitgliederzahlen zu rechnen. Von daher sei es sinnvoll, in ökumenischen Zentren Dinge zu versuchen und anzudenken, für die es auf den oberen Ebenen der Kirchen weniger Spielraum gebe.

Wie es auf lange Sicht in Damp weitergeht, ist allerdings noch offen. Im künftigen Pastoralen Raum gibt es neun Kirchstandorte, doch nur viereinhalb Stellen für Hauptamtliche (darunter zwei Priester). Und Pfarrer Stefan Krinke als Leiter des Prozesses hält fest: „Wie wir das ökumenische Zentrum im Pastoralen Raum einbinden können – auch personell – das kann ich im Augenblick noch nicht sagen. Ich sehe da auch das Erzbistum in der Verantwortung.“

Text u. Foto: Marco Heinen