16.08.2017

Gemeinschaft, Freude, Gesprächskultur

Futtern im Quadrat

Gemeinsam zu essen, ist immer mehr als nur eine Nahrungsaufnahme. Es ist Gemeinschaft, Freude, Gesprächskultur. Und manchmal ist es auch eine komplizierte Organisationsarbeit. Aber eine, die sich lohnt, sagt die KAB.


Foto: KAB Recke
Immer zu viert im Quadrat: kleine Gruppe in großer Gemeinschaft
Foto: KAB Recke


Ganze Wäschekörbe voller Dekoration, Geschirr und Besteck werden in die Aula des Gymnasiums im westfälischen Recke getragen. Kühltaschen voller Getränke, einige haben sogar ihren Bollerwagen vollgepackt mit Töpfen und Schüsseln. In der großen Halle suchen die Menschen ihren Tisch, die Teller klappern, die Gläser klirren, die Korken knallen, es dampft aus den vollen Töpfen. Mit vier Gästen hat es im vergangenen September angefangen, an diesem Abend im Juni treffen sich auf Einladung der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) der Pfarrgemeinde 512 Menschen zum „Quadratessen“.

Ein merkwürdiges Wort für ein spannendes Projekt: Zum ersten Essen trafen sich die vier Organisatorinnen Heike Forstmann, Mechtild Brink, Claudia Berkemeier und Renate Voß im Saal des Pfarrgemeindezentrums. Die eine brachte Dekoration, Geschirr und Besteck mit, die zweite kümmerte sich um einen Hauptgang, die dritte um das Dessert und die vierte sorgte für Getränke. Zwei Stunden saßen die Damen zusammen, aßen und unterhielten sich – an einem quadratischen Tisch. Daher der ungewöhnliche Name der Aktion.

Beim zweiten Treffen dann brachte jeder einen weiteren Gast mit. Aus einem Tisch wurden zwei und die Mitbringsel wurden neu verteilt: zwei brachten Geschirr, zwei den Hauptgang, zwei Nachtisch und zwei Getränke. Zum dritten Abend brachte wieder jeder einen neuen Gast mit, 16 Leute aßen also gemeinsam, aufgeteilt an vier Tischen zu vier Personen; beim vierten Abend waren es dann 32 und so weiter. Und an diesem Abend Ende Juni nehmen in der Schulaula 512 Menschen teil.

 

Die Organisation ist keine leichte Sache - aber zu schaffen

Das zu organisieren, ist nicht ganz einfach, gibt Voß zu. Die vier Frauen aus dem Organisationsteam mussten sich im Vorfeld „ganz schön hineinfuchsen“. Mindestens ein halbes Jahr vor dem eigentlichen Start der Quadratessen haben die Frauen mit der Planung begonnen. Die Anzahl der Abende wurde festgelegt und passende Räume und Säle in der Gemeinde gesucht. Neben dem Pfarrheim fanden die Treffen etwa auch in einem Saal des Rathauses und zuletzt in der Mensa der Schule statt.

„Außerdem müssen schon ganz am Anfang alle 512 Einladungen geschrieben werden“, erklärt Voß – damit eben auch bei der letzten Runde alle Teilnehmer den passenden Tisch finden und nicht zwei Mal Getränke, dafür aber kein Hauptgang vorhanden ist.

Wird man zum Quadratessen eingeladen, sitzt man am ersten Abend am Tisch seines Gastgebers. Zum nächsten Treffen dann bringt man selbst einen weiteren Gast für den gleichen Tisch mit. Beim dritten Essen verlässt man mit einem weiteren eigenen Gast diesen Tisch und eröffnet eine neue Mahlgemeinschaft. Am leichtesten lässt sich die Sitzordnung mit einem großen Stammbaum planen: Der Ursprungstisch wird in die Mitte gezeichnet, davon zweigen sich zu jeder weiteren Essensrunde die neuen Tische ab.

„Die Leute haben an den Abenden wirklich Spaß. Und darum geht’s uns“, sagt Renate Voß ganz begeistert. „Mit diesem großen Zuspruch haben wir nicht gerechnet.“ Gerade in einer kleinen Stadt wie Recke mit seinen 13000 Einwohnern kennen die Menschen sich – aber meistens doch nur flüchtig vom Sehen, aus der Kirche, vom Sportverein, aus der Nachbarschaft. Tisch und Mahlzeit haben vermutlich aber die wenigsten geteilt. „Natürlich laden die meisten erst einmal ihre Freunde, Familienangehörige oder Nachbarn ein“, sagt Voß. Es habe aber auch einen Teilnehmer gegeben, der einfach in ein Geschäft im Ort gegangen ist und eine ihm völlig fremde Frau eingeladen habe.

„Eine Besonderheit bei uns sind sicherlich die aufwändig dekorierten Tische. Die Gäste bringen gutes Porzellan, mehrere Gläser, Tischdecken und Kerzen mit“, sagt Voß. Die große Herausforderung des Abends ist für den Hauptgang zu sorgen. „Davor haben die meisten Angst“, sagt Voß. „Beliebt sind da Aufläufe oder kalte Speisen, wie Salate“, sagt Voß. Aber auch Fingerfood oder Suppen, die in Thermoskannen mitgebracht werden, sind ein guter Tipp, damit die Speisen möglichst lange heiß bleiben.

Nach acht Runden Quadratessen ist es in Recke im Juni zu Ende gegangen. „Wir planen jetzt mindestens eine Pause von fünf Jahren“, sagt Voß. „Die Leute sollen ja dann auch wieder Lust haben, mitzumachen.“ Als Erinnerung und als Anregung für die nächste Runde gibt die KAB ein kleines Kochbuch heraus – mit den bewährten Rezepten der Abende.

Fragen zum Quadratessen und zur Planung beantworten die Organisatorinnen gerne unter: KAB-Quadratessen@gmx.de


Von Kerstin Ostendorf