02.08.2017

Petersdom aus Papier und Pappe sucht neuen Besitzer

Fragile Baukunst

Seit Jahren baut ein Zahnarzt aus Husum Modelle aus Papier und Pappe und hat sich schon die ganz großen Bauwerke der Welt vorgenommen. Sein Petersdom ist nun fertig – und sucht einen neuen Besitzer.

Wolfgang Theobald mit seinem Modell vom Petersdom.
Wolfgang Theobald mit seinem Petersdom. | Foto: Marco Chwalek

In der Ruhe liegt die Kraft. Und Fingerspitzengefühl kann bei Zahnärzten auch nicht schaden. Deswegen hat der inzwischen 69-jährige Wolfgang Theobald aus Husum in seinen Pausen immer gerne an kleinen Dingen herumge-
bastelt und irgendwann angefangen, filigrane Bauwerke aus Bastelbögen anzufertigen, bevor er sich wieder den kunstvollen Brücken und einfachen Schlaglöchern im Mund seiner Patienten zuwandte. 

Die Brücken und Löcher sind Vergangenheit, doch die Bastelarbeiten sind noch immer Theo-balds Hobby. Günstig ist es außerdem, denn solche gedruckten Vorlagen gibt es schon für weniger als 20 Euro. Vor einem Jahr  nahm sich Theobald, der übrigens bekennender Baptist ist und noch nie in Rom war, den Petersdom vor. „Der hat mich wirklich gereizt“, sagt er. Und wer jetzt denkt, dass so ein Bastelbogen etwas für Kinder sei, täuscht sich. Zwar ist auf den DIN A4 großen Blättern alles aufgezeichnet und es gibt auch eine Anleitung dazu. Aber die eigentliche Arbeit kommt dann erst: „Ausschneiden, einritzen, knicken, kleben und Stück für Stück zusammensetzen“, beschreibt Wolfgang Theobald die nächsten Schritte. „Das ist alles volle Handarbeit.“ Und weil die Bastelbögen doch recht dünn sind, zieht er noch verstärkende Wände aus Karton ein. „Da ist viel Vorarbeit, bevor sie überhaupt etwas zu sehen bekommen“, erläutert der Zahnarzt. Für den Petersdom musste er zum Beispiel erst einmal 250 Säulen per Hand drehen und die Heiligen ausschneiden. Das war sicher nicht von Pappe!

Von der Titanic bis Schloss Neuschwanstein

Rund 30 Modelle hat Theobald in den vergangenen Jahren gebaut, darunter das Weiße Haus, das Empire State Building, das Kolosseum in Rom, das Schloss Neuschwanstein und die Titanic. „Die Titanic war vielleicht noch ein bisschen länger und wuchtiger“, erinnert er sich. Die Maße seines Petersdom-Modells gibt er mit 115 mal 55 mal 37 Zentimeter an. Daraus ist leicht ersichtlich, dass man selbst schon ein halbes Schloss bräuchte, um so viele Modelle unterzubringen. Deshalb hat der Zahnarzt auch schon mal einen Patienten mit der Dresdner Frauenkirche unterm Arm wieder nach Hause geschickt und andere Modelle gegen einen Obolus für ein Brunnenprojekt in Afrika abgegeben. 

Der Petersdom soll nun auch einen neuen Besitzer finden. Wir bei der Kirchenzeitung (in deren Hamburger Redaktion das Modell im Augenblick steht) stellen gerne den Kontakt her, wenn eine Gemeinde oder Leserinnen und Leser Interesse daran haben und sich bei uns per Telefon, E-Mail oder postalisch melden.

Wolfgang Theobald schmiedet längst andere Baupläne. Den Buckingham Palace würde er gerne mal bauen. Am liebsten aber die Elbphilharmonie, für die es aber noch keine Vorlage gibt. Die würde den Zahnarzt sehr interessieren, nicht so sehr vom Äußeren her, sondern wenn sich das Innere ausgestalten ließe. Solange er noch darauf wartet, hätten wir einen Vorschlag: Es gibt da nämlich so einen gewissen Berliner Flughafen …

Text: Marco Chwalek/Marco Heinen