14.06.2017

Zweiter Bistumstag mit geistlichem Schwerpunkt.

Für wen ist die Kirche da?

„Herr erneuere deine Kirche und fange bei mir an!“ Das ist der Leitgedanke im Erneuerungsprozess des Erzbistums Hamburg. Der zweite Bistumstag hatte einen geistlichen Schwerpunkt. 350 Gläubige fragten am vergangenen Samstag in Hamburg: Was ist eigentlich unsere Sendung? 

Erzbischof Stefan Heße eröffnet Bistumstag
 Mit einem geistlichen Impuls eröffnete Erzbischof Stefan Heße den Bistumstag.  Foto: Ralf Adloff

Als Patrik Schwarz am Samstag den Hamburger St. Marien-Dom betrat, staunte er nicht schlecht. Der Geschäftsführende Redakteur der Wochenzeitung „Die Zeit“ kam zu spät zum zweiten Bistumstag des Erzbistums Hamburg, und betrat die Kirche in einem Moment, als die etwa 350 Anwesenden gerade alle schwiegen. „Wo sonst kann man so etwas in Hamburg noch erleben?“, fragte Schwarz, als er am Nachmittag um seine Zusammenfassung gebeten wurde.

Tatsächlich war es vor allem ein geistlicher Bistumstag, den die Teilnehmer im Mariendom erlebten. Immer wieder wurde der Kanon „Herr, erneuere Deine Kirche, und fange bei mir an“ gesungen, immer wieder wurde auf die Bibelstelle aus dem Johannes-Evangelium gehört, in der Jesus Christus die Jünger anhauchte und ihnen damit den Heiligen Geist sandte. Denn im Zentrum des zweiten Bistumstags stand nicht die Frage nach Pastoralen Räumen, nach Finanzen oder Personalausstattung. Es ging vielmehr darum, wie die Kirche als ganzes missionarischer werden könnte. „Ich träume von einer Kirche, die nicht schrumpft, sondern wächst, weil ich der festen Überzeugung bin, dass eine Kirche, die nicht wächst, nicht gesund ist“, sagte Erzbischof Stefan Heße zu Beginn. Eine Kirche, die schrumpfe, bekomme Herzrhythmusstörungen und scheide schnell dahin. „Es soll um eine missionarische Kirche im Erzbistum Hamburg gehen.“

Michael Meyer vom Aachener Hilfswerk Missio erinnerte die Katholiken in der Hamburger Domkirche daran, dass die wesentliche Aufgabe der Kirche die Weitergabe des Evangeliums an andere Menschen ist. Papst Franziskus benutze dazu den Begriff der „Missionarischen Jüngerschaft“. „Man muss erkennen, dass man selber gebrandmarkt ist für diese Mission, Licht zu bringen, zu segnen, zu beleben, aufzurichten, zu heilen und zu befreien“, formuliere er es in seinem Apostolisches Schreiben „Evangelii Gaudium“.

Nun ist es nicht so, dass die Hamburger Kirche nicht wachsen würde: Im Gegenteil, im Unterschied zu den meisten anderen katholischen Diözesen kommen in Hamburg Jahr für Jahr einige hundert Menschen hinzu. Das allerdings geschieht vor allem, weil mehr Katholiken nach Norddeutschland ziehen, als hierzulande sterben oder aus der Kirche austreten.

Wie also kann sich die Kirche öffnen, in Kontakt zu anderen kommen? Kleine Videofilme zeigten einige Beispiele aus Norddeutschland, wo das schon funktioniert. Ein Kloster in Kiel etwa, das eine Paketannahmestelle eröffnet hat, um mit den Nachbarn ins Gespräch zu kommen. Oder eine katholische Kindertagesstätte in Lübeck, die die Eltern regelmäßig zu einem Frühstück einlädt. „In vielen Gemeinden herrscht aber immer noch ein binnenkirchlicher Blick vor“, sagte der Flensburger Pfarrer Stefan Krinke. „Wir müssen das Bewusstsein stärken, dass wir nicht nur um uns selbst kreisen dürfen.“ Am Samstag berieten die Katholiken deswegen über einen „pastoralen Orientierungsrahmen“ für das Erzbistum. Man wolle erst überlegen, was man als Kirche eigentlich machen wolle – und dann entscheiden, wofür und in welchem Umfang man dafür Geld einsetze, sagte Erzbischof Heße. „Und auch, wofür wir künftig weniger, oder vielleicht auch gar kein Geld mehr einsetzen.“ 

In Kleingruppen wurde darüber diskutiert – was ist für die Schulen wichtig? Was in den Pfarreien? Was in der Caritas? Am Ende erhielt Heße jede Menge Vorschläge, die nun im Erzbistum weiter beraten werden sollen. 

Anfang 2018 soll der Masterplan für das Erzbistum dann stehen. Wie Heße betonte, stünden derzeit mehrere dringende Entscheidungen im Erzbistum an. Die betreffe etwa zwei Schulprojekte in Ludwigslust und Lübeck. „Das macht mir große Sorgen, und ich weiß im Moment nicht, wie wir das hinbekommen sollen“, sagte der Erzbischof. „Ich haben nicht ‚nein‘ gesagt: Schließen Sie daraus, dass wir kräftig daran arbeiten.“ Vor den rund 350 Teilnehmern des Bistumstag betonte Heße aber auch: „Ich bin so ehrlich, dass ich sage, dass ein Nicht-Nein noch kein Ja ist.“ Derzeit könne er die Ampel für die Schulprojekte nicht auf Grün stellen, weil noch viele Fragen nicht geklärt seien.

Text: Benjamin Lassiwe