26.05.2017

Barack Obama auf dem Evangelischen Kirchentag in Berlin

"Es ist nicht immer so einfach"

"Das Spektakel" auf dem Evangelischen Kirchentag: Barack Obama sprach mit Kanzlerin Angela Merkel unter anderem über Flüchtlingspolitik.


Foto: kna
Zu Gast auf dem Evangelischen Kirchentag: EKD-Ratspräsident Heinrich Bedford-Strohm, Barack Obama, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au. Foto: kna

 

Er hatte sich offenbar lange bitten lassen und schließlich auch die Bedingungen vorgegeben: Wieder am Brandenburger Tor, wieder mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Bereits als amtierender US-Präsident hatte Barack Obama hier 2013 mit Merkel gesprochen. Diesmal kam er als Staatsmann a. D.. Für seinen ersten Auslandsauftritt als "Pensionär" hatte er sich am Donnerstag den Evangelischen Kirchentag ausgesucht, der die Begegnung als einen Höhepunkt der Großveranstaltung verbuchen kann.

Er wolle die junge Führungskräfte mit seiner "Obama-Stiftung" ermutigen, die Verantwortung und Ämter übernimmt. So begann Obama. "This event is a great place to start" ("Dieses Ereignis ist ein großartige Gelegenheit, um damit anzufangen"), meinte er. Es war sein alter Slogan "Yes, we can", der immer wieder in seinen Äußerungen mitschwang. Und sein fester Glaube an Gott, wenn es auch immer wieder Situation gebe, in denen er zweifele, wie er bekannte.

Obama, der in Hawaii und Indonesien in einem nach eigenen Bekunden "nicht sehr religiösen Haushalt" aufwuchs, trat 1985 der protestantischen United Church of Christ bei, die sich für soziale Gerechtigkeit für Afroamerikaner einsetzt. Seinen ersten bezahlten Job verschaffte ihm allerdings die katholische Kirche. Ebenfalls Mitte der 80er Jahre war er in Chicago als Sozialarbeiter tätig. Er bewunderte die Befreiungstheologie und dann später Papst Franziskus.

 

Demokratie braucht Kompromisse

So wichtig ihm sein Glaube aber auch sei, so sehr lehne er religiöse Rechthaberei in gesellschaftlichen Debatten ab. Demokratie lebe von Kompromissen, der Glaube müsse manchmal kompromisslos sein, so Obama. Eine religiöse Gesinnung könne helfen, Wahrheiten auf den Prüfstand zu stellen und etwa gegen gesellschaftliches Unrecht anzugehen, führte Obama aus. Der erste farbige Präsident in der Geschichte der USA verwies dabei auf die von Christen getragene Bewegung zur Abschaffung der Sklaverei. Gefährlich werde es jedoch, wenn Menschen der Auffassung seien, Gott würde nur durch sie allein sprechen.

Merkel - ebenfalls Protestantin - gestand, ihr gebe der Glaube mit Blick auf ihr Amt eine gewisse Demut, an Dinge heranzugehen. Auch sie erteilte Fundamentalismus und Fanatismus eine Absage. Religion und Glaube dürften sich niemals so erheben, dass sich daraus "unterschiedliche Wertigkeiten" für den einzelnen Menschen ergäben, warnte sie.

Gefragt wurden Obama und Merkel zunächst vom Ratspräsidenten der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, und Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au. Ein Hauptthema: der Umgang mit Flüchtlingen. Merkel verteidigte ihre Flüchtlingspolitik und verwies auf die Kriterien, die zusicherten, dass niemand abgeschoben werde, dem Gefahr an Leib und Leben drohe. Obama sprang ihr bei, Deutschland habe Herausragendes geleistet. Es sei aber genauso wichtig, die Menschen in Krisengebieten und Entwicklungsländern dazu zu befähigen sich selbst zu helfen.

In der zweiten Runde kam die von Obama so oft zitierte "young generation" an die Reihe. Vier junge Menschen - Deutsche und US-Amerikaner - wollten unter anderem wissen, warum Obama die Drohnentechnik so vorangetrieben habe, wenn durch sie doch auch so viele Zivilisten stürben. Der 55-Jährige wurde hier sehr nachdenklich. "It's not always easy" ("Es ist nicht immer so einfach"), meinte er. Ihm sei es darauf angekommen, eine legale Struktur für die Verwendung dieser Technik zu schaffen. Und Drohnen schützten, unter anderem vor Leuten, die auch auf streng geschützten Veranstaltungen wie dem Kirchentag in der Lage seien, eine Bombe zu zünden.

Obama wäre nicht Obama, wenn zum Schluss nicht noch ein lockerer Spruch käme. Gefragt nach seiner aktuellen Beschäftigung sagte er, er sei nun erst mal Ehemann und Hausmann. "Das sei anstrengend genug."

Die rund 70.000 Zuschauer, die teilweise mehrere Stunden vorher ausgeharrt hatten, gefiel "das Spektakel". So betonte etwa Gerd Bremmer, er habe den Präsidenten als "sehr locker und auch ehrlich" empfunden. Bei Jana Meier und Sarah Tippler aus Dortmund, beide um die 20, kam der hohe Gast ebenfalls "total sympathisch" rüber. Sie freuten sich vor allem über Obamas Appell an die Jugend, sich für eine bessere Welt zu engagieren.

kna