08.11.2017

Parchimer Gemeinde erinnert an den 1944 von den Nazis ermordeten österreichischen Priester

Erinnerung an den Märtyrer Carl Lampert

Die Parchimer Katholiken feiern in einem Gottesdienst am 13. November das Gedächtnis des seligen Carl Lampert. Der österreichische Priester wurde 1943 in Parchim festgenommen und am 13. November 1944 von den Nazis ermordet

Märtyrer Carl Lampert als Provikar in Innsbruck
Der Märtyrer Carl Lampert als Provikar in Innsbruck. 
Foto: Archiv

„Wir wollen in Parchim in diesem Jahr, aber künftig auch in jedem Jahr, an den Märtyrer Carl Lampert erinnern“, sagt Pfarrer Orpheé Honorat Agbahey. „Es geht uns dabei um das Gedächtnis. Wir wollen Carl Lampert in unser Gebet hineinnehmen. Sein Schicksal soll aber auch eine Mahnung zur Freiheit und gegen diktatorische Systeme sein.“ Die Feier beginnt am Dienstag, 13. November um 18 Uhr in der St. Josef-Kirche. Dazu wird auch Dekan Stefan Krinke aus Schwerin kommen. 

Die Verbindung zwischen Carl Lampert und Parchim ist eher zufällig. Carl Lampert gehörte zu den österreichischen Priestern, die nach einer KZ-Inhaftierung im Nordosten in der Verbannung lebten. Vor allem in Österreich verfolgten die Nazis eine Einschüchterungstaktik gegenüber der Kirche: sie ließen aus Angst vor Volksaufständen die Bischöfe unbehelligt, vergriffen sich stattdessen an Kirchenmännern der zweiten Reihe. Carl Lampert war seit 1939 Provikar, Stellvertreter seines Bischofs in Innsbruck.

Ein österreichischer Priester im Exil

Carl Lampert wurde mehrmals von den Nazis verhaftet. Einmal, nachdem der Provikar in der Kirchenzeitung eine Todesanzeige für einen im KZ ermordeten Priester geschrieben und den Todesort genannt hatte: Buchenwald. Danach wurde Lampert nach Dachau, später nach Sachsenhausen deportiert. Nach einem Jahr KZ schickten ihn die NS-Täter in die Verbannung. Er durfte den „Reichsgau Tirol Vorarlberg“ nicht betreten und kam nach Stettin. In Stettin und Swinemünde war der Priester auch als Seelsorger tätig. 

Ein Gestapo-Spitzel versuchte vergeblich, den Geistlichen zu verbotenen Äußerungen und Handlungen zu verleiten. Trotz fehlender Beweise setzte das Protokoll, das der Spitzel über die Kontakte schrieb, eine Verhaftungswelle in Gang. 40 Priester und Ordensleute wurden gefangen genommen. Carl Lampert wurde am 4. Februar 1943 in Parchim festgenommen. Er war dort zu Besuch bei einem ebenfalls verbannten Mitbruder. 

Lampert wurde wochenlang verhört und gefoltert. Am 8. September 1944 wurde er zum Tode verurteilt und am 13. November 1944 um 16 Uhr wurde er durch das Fallbeil in Halle hingerichtet. Die Seligsprechung erfolgte 2011 in Dornbirn, wo der Märtyrer als Kaplan gewirkt hatte.

Text: Andreas Hüser