24.05.2017

Der Tag der Flüchtlingsarbeit rund um den St. Marien-Dom gab Gelegenheit dazu.

Einfach miteinander reden

Am Tag der Flüchtlingsarbeit kamen 800 Menschen zusammen, um miteinander zu Reden, Essen, Diskutieren, Singen und Feiern.

Menschen beim Flüchtlingstag im gut gefüllten Hamburger Mariendom
Auftakt zu einem Tag der Begegnung: Gottesdienst im Dom  Foto: Kathrin Erbe

Schon beim Auftaktgottesdienst im Dom zeigte sich: Es waren viel mehr Menschen da als erwartet. Zum Beispiel die Grevesmühlener. 50 an der Zahl füllten den großen Bus, der die Teilnehmer der preisgekrönten Initiative „Bleibmensch“ nach Hamburg brachte. Mit 20 Leuten waren die Schweriner gekommen, die gemeinsam „spielend deutsch lernen“, so heißt das Projekt der Caritas. Hiltrud Thye aus Flensburg hatte fast ihren ganzen Sprachkurs mitgebracht, Iraker, Jesiden und Eritreer. 

Der Flüchtlingstag war ein Tag des Dankes für alle Engagierten. Aber die Besucher konnten auch unbekannte Seiten des Themas kennenlernen. Etwa die eindrucksvollen Gesänge der Eri-treer – Katholiken einer mit Rom unierten Kirche, die in Hamburg mittlerweile eine eigene Gemeinde bilden. In der Jurte der Pfadfinder konnte man neben den Rendsburger „Scouts“ Andreas Marx und Ulrike Imbusch die Pfadfinderin Janin Bassal kennenlernen.

Sie ist dabei, neue Gruppen im „Bund moslemischer Pfadfinderinnen und Pfadfinder Deutschlands“ zu gründen. „Wir unterstützen das“, sagt Andreas Marx. „Wer Pfadfinder ist, wird sich nicht radikalisieren.“ Wer hätte gedacht, dass schon in den 50-er Jahren Deutsche beim Aufbau von Pfadfinderschaften in Afghanistan geholfen haben? 

 

Marionettenbauer Peter Beyer
Peter Beyer bastelte mit den Kindern Marionetten. Foto: Karhrin Erbe

Essen und singen wie in Damaskus

Neben dem Zelt bastelten Kinder mit dem Marionettenbauer Peter Beyer lustig baumelnde Puppen. Ganz exotisch wirkten die Herren im dunklen Anzug mit Schärpe und Fes, die in Schleswig-Holstein die Tradition alter Musik aus Damaskus pflegen. Aus Syrien kam auch die Verpflegung: 750 Portionen Reis mit Hähnchen, Nüssen und Yoghurtsauce. 

Mit dem Schlusssegen verteilte Erzbischof Stefan Segensbändchen an alle, die gekommen waren. Der Segen Gottes verbindet die verschiedenen Kinder der versammelten Menschenfamilie, gleich welcher Religion sie angehören. Für die Christen war der Tag ein Ereignis so ähnlich, wie es die Bibel in der Emmausgeschichte erzählt. Dort treffen Fremde aufeinander. „Wie wird die Fremdheit überbrückt?“, fragte der Erzbischof in der Predigt am Samstagmorgen. „Ganz einfach: Sie reden miteinander, sie gehen nicht schweigend nebeneinander her.“ Ein Tag wie ein Emmausgang sollte der Flüchtlingstag sein. Und Ähnliches geht überall da, wo die 6000 Hauptamtlichen und 100 000 Ehrenamtlichen in der Flüchtlingsarbeit in Deutschland tätig sind. Erzbischof Heße: „Wo Sie sind, ist Emmaus.“ 

Text: Andreas Hüser