13.12.2017

Festakademie zum 100. Geburtstag von Bischof Heinrich Theissing

Eine wegweisende Persönlicheit

Über 150 Menschen kamen zur großen Festakademie in der Schweriner Propsteikirche St. Anna aus Anlass des 100. Geburtstags des früheren Mecklenburger Bischofs Heinrich Theissing.

Erzbischof Heße, Justizministerin Hoffmeister, Bischof Ipolt, Weihbischof Heinrich und die Referenten Prof. Dr. Jörg Seiler u. Dr. Georg Diederich bei der Festakademie für Heinrich Theissing
(v. li.) Erzbischof Heße, Justizministerin Hoffmeister, Bischof Ipolt, Weihbischof Heinrich und die Referenten Prof. Dr. Jörg Seiler
und Dr. Georg Diederich. Foto: Marco Heinen

Schneetreiben auf der Autobahn und eisige Temperaturen: Wer von außerhalb zur Festakademie für Bischof Heinrich Theissing anreiste, schien sich am frühen Samstagmorgen um seine Gesundheit sorgen zu müssen. Doch am späten Vormittag, als sich unter anderem Hamburgs Weihbischof und früherer Schweriner Propst Horst Eberlein sowie der emeritierte Weihbischof Norbert Werbs, Bischof Wolfgang Ipolt (Görlitz) und Weihbischof Matthias Heinrich (Berlin) sowie zwei Nichten und ein Neffe Bischof Theissings zu einer Statio mit Propst Stefan Krinke auf dem Schweriner Waldfriedhof einfanden, strahlte der Himmel in schönstem Blau. Es war ein würdiger Auftakt zur großen Festakademie, die an diesem Tag in der Propsteikirche St. Anna und im Bernhard-Schräder-Haus stattfand (benannt nach Theissings Vorgänger im Amt, der übrigens am 10. Dezember 1971 in Osnabrück verstorben war).

Heinrich Theissing wäre am 11. Dezember 100 Jahre alt geworden. Der Bischof leitete von 1970 bis 1988 die Geschicke der katholischen Kirche in Mecklenburg. In seine Amtszeit fiel der Bau von 18 Kirchen, darunter auch die Erweiterung der Schweriner Propsteikirche. Er machte sich darüber hinaus um die Ökumene verdient und setzte sich mit Nachdruck für die 1988 erfolgte Seligsprechung des Naturforschers und Bischofs Niels Stensen ein. Papst Paul VI. hatte Heinrich Theissing im Februar 1970 als Adjutorbischof dem damals amtierenden Bischöflichen Kommissar für Mecklenburg, Weihbischof Dr. Bernhard Schräder, zur Seite gestellt, der aus gesundheitlichen Gründen noch im selben Jahr sein Amt niederlegte. 1973 wurde Bischof Theissing zum Apostolischen Administrator mit den Rechten eines residierenden Bischofs ernannt. Theissing starb am 11. November 1988, ein Jahr nach seiner Emeritierung und nur wenige Wochen nach der Seligsprechung Niels Stensens, die er in Rom
noch hatte miterleben dürfen.

Mecklenburg-Vorpommerns Justiz­ministerin Katy Hoffmeister (CDU) würdigte Heinrich Theissing in einem Grußwort als eine der „wegweisenden Persönlichkeiten der katholischen Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg”. Ihm sei es gelungen, „in einer atheistischen Welt den Menschen den Glauben an seinen Gott zu erhalten”, sagte die Ministerin vor über 150 Gästen in St. Anna. Darunter waren die beiden Domkapitulare Msgr. Dr. Hermann Wieh und Dr. Karl Wöste (emeritiert) und der Kirchenrechtler Stefan Schweer, die das Bistum Osnabrück vertraten, sowie Generalvikar Ansgar Thim, der als Letzter von Bischof Theissing Ende Juni 1987 zum Priester geweiht worden war.

Die Festvorträge hielten am Nachmittag Prof. Dr. Jörg Seiler von der Universität Erfurt und Dr. Georg Diederich (Schwerin). Am Abend kam im Gottesdienst in der vollbesetzten Propsteikirche mit dem emeritierten Erfurter Bischof Joachim Wanke noch ein Weggefährte Theissings zu Wort. Er sei dankbar, ihn durch die Arbeit in der damaligen Berliner Bischofskonferenz persönlich näher kennengelernt zu haben, sagte der Bischof, dessen 20-minütige Predigt von vielen Anwesenden mit Applaus bedacht wurde (siehe Seite 12). Erzbischof Stefan Heße trug im Gottesdienst den Bischofsstab Theissings, und auch der Kelch für das Abendmahl war Theissings Messkelch, den er zu seiner Bischofsweihe
am 7. Mai 1963 von seiner Glogauer Gemeinde geschenkt bekommen hatte. 

Das Thomas-Morus-Bildungswerk (TMB) hat eine Dokumentation mit Predigten Bischof Theissings herausgegeben, die zum Preis von 6 Euro über das TMB und den Buchhandel bezogen werden kann (ISBN 978-3-9810202-5-0).

Text u. Fotos: Marco Heinen