15.06.2016

Er war ein Mann des kirchlichen Aufbruchs: Claus Kühn ist im Alter von 91 Jahren gestorben

Eine Stimme für die Laien

„Du hast uns gezeigt, was in der Kirche ein Laie ist.“ Das sagte Weihbischof Hans-Jochen Jaschke bei der Feier des 90. Geburtstags von Claus Kühn. Natürlich wusste man schon vor Claus Kühn, was ein Laie ist. Aktive Laien hat es auch außer ihm und neben ihm gegeben. Aber wenige haben den Laien in der katholischen Kirche Deutschlands in ähnlicher Weise eine Stimme gegeben.

 

Claus Kühn während der Würzburger Synode 1975.   Archivfoto: kna

 In der nachkonziliaren Aufbruchszeit gehörte er zur Spitze einer Bewegung, die Ernst machen wollte mit dem neuen Kirchenbild des Zweiten Vatikanischen Konzils. Das ganze Volk Gottes sollte gemeinsam ein „Zeichen des Heils“ sein. Aber was hieß das konkret? Das galt es in den kommenden Jahrzehnten zu klären. Gremien, in denen Laien mitreden durften, entstanden auf allen Ebenen, vom Dorfpfarrgemeinderat bis zur Bundessynode. Und bei deren Besetzung fiel fast immer der Name des Hamburger Journalisten Kühn. 

Dass er ein Mann aus der Diaspora war, eher vom Rand des katholischen Deutschlands kam und keine parteipolitische Hausmacht hinter sich hatte, hat ihn nie geschert. Er hatte das journalis-tische Handwerk ab 1950 von der Pike auf gelernt, bekleidete leitende Positionen im NDR-Fernsehen und war später Geschäftsführer des „Studio Hamburg“, eines führenden privaten Fernsehproduzenten. Er war gewohnt, nicht abzuwarten, bis andere tätig wurden, er ging vorneweg. 

Die Liste der Gremien, in denen Claus Kühn mitgearbeitet hat, lässt sich kaum aufzählen. Er war Vorsitzender des Diözesanrats Osnabrück, Berater der Bischofskonferenz, Mitglied des Zentralkomittees der deutschen Katholiken und dort Vorsitzender der publizistischen Kommission, Mitglied der Würzburger Synode und in deren Vorbereitungsteam. Dazu kamen Dienste auf Gemeindeebene
und in Hamburg. 

Und dann gab es Nebenschauplätze. Claus Kühn entwarf Pläne für ein künftiges Erzbistum Hamburg, als ein solches Bistum den meisten völlig unrealistisch schien. 

„Kardinal Kühn“, so hieß sein Spitzname in Hamburg. Tatsächlich stand er an vielen Stellen im Vordergrund. Was nur wenige wissen: Es gab auch viele Menschen, die ihn im persönlichen Gespräch um Hilfe baten. Viele Projekte und Initiativen wären ohne seine Kenntnisse und Kontakte gar nicht auf den Weg gekommen. 

Wie Kühn das alles geschafft hat, war vielen Mitstreitern ein Rätsel. Es ging vielleicht, weil er mit ganzem Herzen dabei war; und weil für ihn ein Begriff des Zweiten Vatikanischen Konzils ganz wichtig war: die „participatio actuosa“, „Tätige Teilnahme“ aller Getauften. 

In späteren Jahren, als Claus Kühn nicht mehr in in Gremien saß, hat er sich immer wieder zu Wort gemeldet, auch in dieser Zeitung. Seine Meinung, immer kritisch, fundiert und eindeutig, zählte etwas. Eine Kirche, die im gesellschaftlichen Diskurs oben bleiben will,  braucht Menschen wie Claus Kühn. Wir sind dankbar für seine Stimme. 

Text: Andreas Hüser

Das Requiem ist am 24. Juni um 12 Uhr in St. Bernard Poppenbüttel, anschließend die Beisetzung auf dem Ohlsdorfer Friedhof.