03.02.2016

Von der Skepsis gegenüber katholischen Schulen ist nichts geblieben: 10 Jahre Bernostiftung

Eine große Aufbauleistung

Für die 1800 Schüler der katholischen Schulen in Mecklenburg und Schleswig-Holstein war am vergangenen Freitag ein Festtag. Ihr Schulträger, die Bernostiftung, feierte das zehnjährige Bestehen. 

Festredner Manfred Lütz sprach vor 200 Gästen der Bernostiftung im „Goldenen Saal“. Foto: Rainer Cordes 

Das hieß: kein Schulunterricht, sondern Workshop, Theater und Lesungen. Ihre Schulleiter feierten am Nachmittag mit einem Festakt im „Goldenen Saal“ des Justizministeriums in Schwerin. 

2006 wurde die Stiftung als Schulträger für die katholischen Schulen in Mecklenburg gegründet. Mit der Niels-Stensen-Schule in Schwerin und der Don-Bosco-Schule in Rostock waren zwei traditionsreiche Schulen nach der Wende wieder „auferstanden“. 

2007 kam die Edith-Stein-Schule in Ludwigslust dazu, 2010 die Johannes-Prassek-Schule in Lübeck. 

Die Wiedergründung der ersten katholischen Schule, der Niels-Stensen-Schule 1994, musste noch gegen politischen Widerstand erkämpft werden. In Mecklenburg-Vorpommern gab es seinerzeit nur zwei freie Grundschulen (beides Waldorf-Schulen). 

Die Unkenrufe sind verstummt. Heute genießen die katholischen Schulen nicht nur bei Katholiken einen guten Ruf, wie Justizministerin Uta-Maria Kuder in einem Grußwort bestätigte. „Die katholischen Schulen“, so die Ministerin, „haben sich in unserer Schullandschaft als eine Alternative etabliert. Denn dort, wo das christliche Menschenbild Basis der Erziehungsarbeit ist, werden Werte der Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft vermittelt, die oftmals im Alltag heute untergehen.“ 

Für das Leben lernen, das können in den katholischen Schulen nicht nur die Schüler. Stiftungsdirektor Thomas Weßler wies darauf hin, dass die Bernostiftung in einem eigenen Studienseminar ihre Referendare selbst ausbildet – auch darin spielt sie eine Vorreiterrolle, denn anderswo ist die Lehrerausbildung Sache der Länder. 

Erzbischof Dr. Stefan Heße dankte den Mitarbeitern der Stiftung für das Engagement. Und er sprach über das wachsende Gewicht, das die Schulen im Zukunftsmodell der Pastoralen Räume bekommen. „Dazu gehört die Vernetzung der verschiedensten Kirchorte. Das sind nicht nur unsere Kirchtürme oder Gotteshäuser. Das sind auch unsere Schulen. Und sie müssen weiter entfaltet und in das Netzwerk aller Orte kirchlichen Lebens eingebunden werden“, sagte der Erzbischof.

In der Schule könne „Kirche mit jungen Menschen in Kontakt kommen, so wie es an anderen Orten nicht mehr der Fall ist“. Deshalb investiere das Erzbistum viel Geld und Personal in die Schulen. „Das Erzbistum ist gefragt, in einer riesigen Fläche mit wenig Katholiken und bei begrenzten finanziellen und personellen Ressourcen das Angebot zu sichern.“ Dazu sei es nötig, die bestehenden Strukturen zu überprüfen. „In den Strukturen wird sich einiges ändern müssen. Das geschieht überall. Es wäre verwunderlich, wenn es in der Kirche nicht so wäre“, sagte der Erzbischof. „Wir müssen dankbar sein für die zehn Jahre, die hinter uns liegen, aber auch einen offenen Blick haben für die Zukunft, die unsere Schulen vor sich haben.“ 

Für die Zukunft der Edith-Stein-Schule demonstrierten Ludwigsluster vor dem Festakt.  Foto: Rainer Cordes

Die Zukunft und die vom Bistum beabsichtigten Strukturveränderungen waren in der Feierstunde nur Thema im Hintergrund. Der Vorsitzende des Stifterrats der Bernostiftung, Hubert Maus, nutzte sein Abschlusswort jedoch für einen Appell. „Ich hoffe und bitte um Ihre Unterstützung für den Neubau der Schule in Ludwigslust. Diese Schule hat einen exzellenten Ruf. Sie ist mit der Gemeinde fest verankert.“ Am Eingang des Saales hatten sich Schulleiterin Marion Löning und Ludwigsluster Katholiken in die Kälte gestellt. Mit einem Transparent warben sie für die Zukunft der Schule, die derzeit in einem renovierungsbedürftigen alten DDR-Schulbau untergebracht ist. www.bernostiftung.de

Text: Andreas Hüser