25.01.2017

Pastor Andreas Hasse erklärt, warum der Blasiussegen kein Allheilmittel ist, aber trotzdem wirkt

Ein Segen ist keine Versicherung

Hilft der Blasiussegen, der am 3. Februar gespendet wird, gegen Halsschmerzen? Schützt er gar vor Ersticken durch Fischgräten? Nicht nur an der Küste sollte man so etwas wissen. Pastor Andreas Hasse aus Neustadt in Holstein gibt Antworten.

Pastor Andreas Hasse aus Neustadt mit den bei uns üblichen Kerzen für den Blasiussegen.  Foto: Marco Heinen

Wenn es um den Blasisussegen geht, erzählt Pastor Andreas Hasse gerne die Geschichte von seinem Vater: „Der hat den Blasiussegen empfangen und war am nächsten Tag stockheiser“, sagt er. Man könnte also meinen, der Segen habe versagt. „Aber mein Vater, der ein starker Raucher war, hat aufgrund dieser Heiserkeit das Rauchen aufgegeben“, berichtet Hasse. Der Blasiussegen erwies sich also tatsächlich als Segen für die Gesundheit des Vaters, wenn auch ganz anders als gedacht.

Namensgeber des Segens ist Bischof Blasius von Sebaste. Der einst im Nordosten der Türkei lebende Arzt wurde zum Märtyrer als er im Zuge der Christenverfolgung vermutlich 316 hingerichtet wurde. Bekannt wurde er jedoch durch eine Begebenheit, die sich zuvor in römischer Gefangenschaft zugetragen haben soll. Es heißt, Blasius habe im Kerker einen mitgefangenen Knaben vor dem Erstickungstod durch eine Gräte bewahrt. Überdies habe eine arme Frau durch ihn ein geraubtes Schwein aus den Fängen eines Wolfes zurückerhalten, wie im Lexikon für Theologie und Kirche nachzulesen ist. Die Frau habe zum Dank Fleisch, Brot und eine Kerze gebracht. Der Legende nach hat Blasius daraufhin mit der alljährlichen Erneuerung des Kerzenopfers einen Segen verbunden – den Blasiussegen, der spätestens ab dem 9. Jahrhundert im christlichen Abendland bekannt war und sich über die Jahrhunderte zum wahren Alleskönner entwickelte. Wann immer Halsleiden, Blutungen, Blasenkrankheiten, eiternde Geschwüre, Koliken, Pest oder Zahnweh die Menschen plagten, riefen sie den heiligen Blasius an, der sicher nicht umsonst zu den Vierzehn Nothelfern gehört.

Heute sind bei Krankheiten eher Ärzte und Medikamente die erste Wahl und nicht die Nothelfer. Aber schaden kann es gewiss nicht, um den Blasiussegen zu bitten. Während ein Priester oder Diakon die Segensformel spricht, hält er zwei gekreuzte brennende Kerzen vor den Gläubigen. In Osteuropa sind sogar spezielle Kerzen verbreitet, die am nicht brennenden Ende umeinander gewunden sind und an eine Stimmgabel erinnern (wie auf dem kleinen Foto oben auf der Titelseite unserer Zeitung). Ihr Vorteil liegt darin, dass sie weniger stark tropfen, sagt Pastor Hasse. 

Und der Segensspruch selbst? Wenn am 3. Februar oder am Ende der folgenden Sonntagsgottesdienste der Blasiussegen gespendet wird, gibt es mehrere Varianten des Wortlauts. „Der Herr schenke dir Gesundheit und Heil. Auf die Fürsprache des heiligen Blasius segne dich der allmächtige Vater, der Sohn und der heilige Geist“, so lautet der Segen, wie Pastor Hasse ihn spricht. Doch es gibt auch diese Variante: „Auf die Fürsprache des heiligen Blasius bewahre dich der Herr vor Halskrankheit und allem Bösen.“ Diese Formel ist aus Sicht des Theologen aber zu eng gefasst. „Der Begriff Heil ist umfassender“, findet Hasse. Er ist sich sicher, dass nur wenige Menschen im Alltag einen Schutz speziell vor Halskrankheiten erwarten. „Es ist vielmehr eine Bitte, in dem tiefen Vertrauen, dass Gott es gut mit mir meint.“

Der besondere Reiz des Segens liegt seiner Meinung nach darin, dass er persönlich jedem Einzelnen gespendet wird. „Das ist etwas Besonderes, das macht den Zauber aus“, glaubt der Pastor . Jedenfalls verlasse in der Regel niemand die Kirche, bevor er oder sie sich nicht den persönlichen Blasiussegen abgeholt habe. Das gelte im Übrigen auch für evangelische Gäste.

Doch zurück zu Hasses Vater, der Heiserkeit und dem Rauchen: „Mein Vater wusste ja, dass er aufhören muss. Aber manchmal braucht man vom lieben Gott eben einen kleinen geistlichen Fußtritt.“

Text u. Foto: Marco Heinen