02.08.2017

Kolping schafft neue Chancen für Auszubildende auf dem Wohnungsmarkt

Ein modernes Gesellenhaus

Auf dem Markt für Mietwohnungen haben Auszubildende heute fast keine Chance. „Kolping Jugendwohnen“ hat deshalb in Hamburg eine Herberge eröffnet. So hat auch der Gesellenvater Adolf Kolping einmal angefangen. 

Anette Bolz und Sabine Vielhaben vor dem neuen Kolping Jugendwohnhaus

Anette Bolz (links) und Sabine Vielhaben begleiten Lehrlinge im „Kolping
Jugendwohnen“ in Hamburg St. Georg.  Foto: Andreas Hüser

 

Im August 1852 kaufte Adolf Kolping in Köln ein Haus. Es sollte ein Wohnheim, aber auch Bildungs- und Freizeitstätte für fahrende Gesellen sein, denen eine wirtschaftliche und geistige Verelendung drohte. Genau 165 Jahre später haben Kolpings Nachfolger im Hamburger Stadtteil St.Georg eine Wohnanlage für Auszubildende eröffnet. Die soziale Lage ist anders geworden, aber Wohnungnot gibt es auch heute noch. „Mit dem Kolping-Jugendwohnen kehren wir zu den Wurzeln zurück“, sagt Kolping-Diözesanvorsitzender Martin Saß. Lange schon habe sich der Verband um ein solches Projekt in Hamburg bemüht. 

Am 1. August sind die ersten Bewohner der 49 Appartements eingezogen. Ein weiteres, noch größeres Wohnhaus mit 150 Plätzen ist in der Kieler Straße geplant. „Kolping Jugendwohnen“ in Hamburg ist nicht die einzige moderne „Gesellenherberge“. In Frankfurt, Köln, Trier, Karlsruhe, Wuppertal und Ulm gibt es ähnliche Kolpinghäuser mit ähnlichem Konzept. 

In St. Georg, wenige Meter vom St. Marien-Dom entfernt, ist die Wohnanlage Teil eines großen Gebäudekomplexes, des „Integrations- und Familienzentrums, in dem sich auch der Jugendtreff „Schorsch“ befindet. Die Kolping-Appartements bieten zuerst einmal bezahlbaren Wohnraum für Auszubildende. Kein Wunder, dass die 49 Plätze schon während der Bauarbeiten „weggingen wie warme Semmeln“. Die Bewerber mussten einen Ausbildungsplatz haben, in Hamburg wohnen und einen Förderungsanspruch nach dem Bundessozialgesetz nachweisen. „Das Haus ist eine Hilfe für sozial Benachteiligte. Aber soziale Benachteiligung ergibt sich allein schon aus der Wohnsituation in den Großstädten“, sagt Martina Sturm-May, Geschäftsführerin von „Kolping Jugendwohnen“. Durchschnittlich verdienen Lehrlinge im ersten Jahr 715 Euro. Um die wenigen freien Wohnungen drängeln sich oft Massen von Bewerbern. „Auszubildende stehen da ganz unten auf der Liste.“ 

Die gut 22 Quadratmeter gro-ßen Zimmer haben ein kleines Bad, Kammer und Küchenzeile mit Kochplatten. Wer beim Kochen Größeres vorhat, kann die Küche im geräumigen Gemeinschaftsbereich nutzen. Denn außer der Wohnung verfolgt „Kolping Wohnen“ noch ein zweites Ziel. „Die Jugendlichen sollen auf keinen Fall in ihren Appartements vereinsamen“, sagt Martina Sturm-May. Dafür sorgt eine pädagogische Begleitung.

Die Jugendlichen sollen nicht vereinsamen

Mit Sabine Vielhaben und Anette Bolz gibt es zwei Pädagoginnen, die immer ansprechbar sind. „Wir sind keine Betreuer“, sagt Sabine Vielhaben, „denn unsere Bewohner sind ja erwachsene Menschen. Aber wir helfen bei Problemen bei der Ausbildung oder bei persönlichen Sorgen. Wir wollen kleine Bildungsangebote machen und auch in der Freizeit etwas unternehmen.“ Geplant ist etwa ein Training: Wie bewege ich mich in St. Georg? Obwohl das einstige Problemviertel immer schicker wird. Nach Sonnenuntergang gibt es dort immer noch Drogen, Prostitution und umherschweifende Betrunkene. „Und wenn die Ausbildung beendet ist, werden wir auch bei der Wohnungssuche helfen“, sagt Anette Bolz. „Sie dürfen ja nicht auf der Straße stehen.“

Gern würde auch die Kolping-Jugend in dieses Programm einsteigen. „Von Jugend zu Jugend gibt es da bestimmt Möglichkeiten, den Kolpinggedanken in dieses Haus hineinzutragen“, sagt Martin Saß. 

Eine feierliche Einweihung des Hauses soll es dann geben, wenn alle „Mieter“ eingezogen sind. Am 19. September wird Erzbischof Stefan Heße die Herberge segnen. 

Text u. Foto: Andreas Hüser