14.12.2015

Klimakonferenz in Paris

"Ein Meilenstein der Klimapolitik"

Die Weltgemeinschaft hat sich in Paris auf einen neuen Klimaschutzvertrag geeinigt. Im Interview ordnet Stefan Tuschen die Ergebnisse des UN-Klimagipfels ein. Er arbeitet in der Abteilung Politik und globale Zukunftsfragen des kirchlichen Werks für Entwicklungszusammenarbeit Misereor und hat das Treffen in der französischen Hauptstadt begleitet. 

Am Wochenende einigten sich fast 200 Staaten auf einen Klimavertrag. Foto: kna-bild

Herr Tuschen, wie bewerten Sie die Vereinbarung? 
Es ist ein Meilenstein in der internationalen Klimapolitik. Für die am meisten vom Klimawandel betroffenen Gemeinschaften wird das Ergebnis von Paris allerdings nicht befriedigend sein. Denn Vertrag fällt stellenweise hinter unsere Erwartungen zurück. 

 

In welchen Punkten? 
Etwa beim Thema Achtung und Schutz der Menschenrechte bei allen klimabedingten Maßnahmen oder beim Thema Ernährungssicherung und Landnutzung. Alles Themen, die für viele unserer Partnerorganisationen von großer Bedeutung sind. Daher ist entscheidend, welche Maßnahmen die Staaten nun unmittelbar ergreifen - zumal das neue Abkommen ja erst 2020 in Kraft treten wird. Daran wird sich zeigen, ob es wirklich so etwas wie eine Aufbruchstimmung in der Klimapolitik gibt, wie hier in Paris oft zu hören war.  

 

Im Vorfeld wurde lange um das Zwei-Grad-Ziel gerungen - es wird nun von allen Staaten mitgetragen; sogar die 1,5-Grad-Marke findet sich in dem Vertragstext. Ein Sieg für den Klimaschutz?  
Seit dem Klimagipfel von Cancun 2010 erkennen die Staaten an, dass eine globale Erwärmung mit mehr als zwei Grad unkontrollierbare Folgen nach sich ziehen würde. Viele Menschen würden ihre Lebensgrundlage verlieren. Im jetzigen Vertrag heißt es, dass eine Begrenzung des Temperaturanstiegs auf 1,5 Grad "die Risiken und Auswirkungen des Klimawandels signifikant reduzieren würde". Für die besonders vom Klimawandel betroffenen Staaten ist das ein diplomatischer Erfolg. Gleiches gilt für den separaten Artikel zu klimabedingten Schäden und Verlusten. 

 

Stefan Tuschen
Foto: kna-bild

Was muss nun der Diplomatie folgen? 
Der Erfolg muss sich auch in der Unterstützung bei der Anpassung an Klimawandelfolgen und beim Umgang mit gegenwärtigen und künftigen Schäden und Verlusten niederschlagen. Hier müssen besonders die Industrieländer ihrer historischen Verantwortung nachkommen. Auch bei der Senkung von Emissionen müssen sie eine Vorreiterrolle einnehmen. Das Abkommen macht aber auch deutlich, dass alle Staaten zum Klimaschutz beizutragen haben.  

 

Wer überprüft die angestrebten Fortschritte im Kampf gegen den Klimawandel? 
Für einige Umsetzungsaspekte, wie zum Beispiel die Gestaltung der Klimaschutzpläne, werden wohl neue Arbeitsgruppen beauftragt, die regelmäßig Bericht erstatten. 2018 sollen erstmals die in diesem Jahr vorgelegten Pläne überprüft werden. In der neuen Verpflichtungsperiode soll es dann ab 2023 eine erste Überprüfung geben, danach regelmäßig alle fünf Jahre. Positiv ist, dass alle diese Planungen immer vor dem Hintergrund der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse erfolgen sollen und in Bezug auf das Ziel, die globale Erwärmung unter 2 beziehungsweise 1,5 Grad zu halten. Die Pläne sollen ferner jeweils ambitionierter sein als vorher. Auch dies ist ein Kriterium, das für den Erfolg des neuen Abkommens entscheidend sein wird.  

 

Wer trägt die Hauptverantwortung bei der Umsetzung? 
Hier sind die Staaten am Zug! Aber auch andere gesellschaftliche Akteure müssen dazu beitragen, dass der Klimawandel wirksam begrenzt wird. Dies wird auch im Ergebnis von Paris ausdrücklich benannt. Eine zentrale Rolle für die Zivilgesellschaft wird weiterhin sein, Fortschritte bei Klimaschutz, Anpassung und Finanzierung einzufordern und kritisch zu begleiten. 

kna