16.05.2017

Die Hochzeitskerze

Ein Licht fürs ganze Leben

Eine eigene Hochzeitskerze gehört für viele Brautpaare dazu. Sie ist eine bleibende Erinnerung, die viele regelmäßig am Hochzeitstag entzünden. Einen echten Platz in der Feier der Trauung hat die Kerze aber nicht. Was Gestaltungsspielraum lässt.


Foto: panthermedia
Die Hochzeitskerze aus dem Traugottesdienst jedes
Jahr am Hochzeitstag zu entzünden, ist ein schöner
Brauch. Foto: panthermedia

Wer heutzutage seine Hochzeit vorbereitet, ist dazu höchstwahrscheinlich vor allem im Internet unterwegs. Dort wimmelt es von Portalen mit den besten Tipps und Bräuchen für den „schönsten Tag des Lebens“. Überall findet man auch Hinweise auf die „Hochzeitskerze“, die offenbar wichtiger Bestandteil jeder Brautmesse ist. So heißt es etwa: „Symbole und symbolische Handlungen haben in der katholischen Kirche ein besonderes Gewicht. So kann man in der katholischen Kirche auf den Trauspruch verzichten, nicht aber auf die Traukerze.“ Ein Irrtum, wie Pfarrer Guido Pasenow aus Eichenzell im Bistum Fulda betont.

„Meist sind die Brautleute überrascht, wenn ich ihnen sage, dass der katholische Trauritus die Hochzeitskerze überhaupt nicht kennt“, erzählt er. Das bedeutet aber nicht, dass er ihnen dieses Symbol ausreden oder es schlechtmachen will. Im Gegenteil. „Gerade dass das liturgisch überhaupt nicht geregelt ist, ist eigentlich super. Das eröffnet einen großen Gestaltungsspielraum.“ Überhaupt findet der Pfarrer es gut, „dass die festen Bestandteile der Liturgie mit Blick auf die Feiernden ergänzt werden“. Das sei im Idealfall „ein anregendes Spannungsfeld aus Norm und Individualität“ und gerade für eine Hochzeitspredigt „manchmal geradezu Gold“.

Für eine „vergebene Chance“ hält er es deshalb, wenn „bei gefühlt jeder zweiten Trauung“ etwa der im Internet kusierende Text „Die Hochzeitskerze spricht“ von einem Familienmitglied vorgetragen wird. „Bei der Hochzeitskerze haben wir die Chance, individuell zu sein, aber dann kommt doch nur der ewig gleiche Text“, sagt Pasenow. Wenn er deshalb mitunter seine Skepsis gegenüber Internetfunden äußert, will er „die Gestaltungsmöglichkeiten nicht einschränken, sondern ein Spektrum eröffnen, persönlicher zu werden“, sagt er. Auch wenn Brautpaare oder Angehörige das manchmal falsch verstehen.

 

Mehr Platz als sonst für eigene Ideen

Zudem sieht der Pfarrer die Möglichkeit, durch gute Texte oder Lieder die Hochzeitskerze nicht nur als nettes Erinnerungsstück, sondern auch als religiöses Symbol erfahrbar zu machen; schließlich sei das Licht, die Kerze, eines der ältesten und sprechendsten christlichen Symbole überhaupt. Wie das gehen kann? „Ich will keine liturgische Gouvernante sein“, wehrt er ab. Aber ein paar praktische Vorschläge hat er schon.

1. Wie kommt die Kerze in die Kirche?
„Da ist vieles denkbar“, sagt Pasenow. So könne die Kerze beim Einzug mitgetragen werden, etwa von begleitenden (Blumen-)Kindern, Brauteltern oder Trauzeugen. „Das geht aber nur, wenn die Kerze eine entsprechende Größe und Dicke hat, sonst wirkt das merkwürdig.“ Kleinere Kerzen sollten besser auf dem Altar bereitstehen; möglich ist auch, dass die Kerze auf einem Ständer in der Nähe des Brautpaares steht.


2. Wann wird die Kerze entzündet, wie und von wem?
„Manches spricht für ein Entzünden vor dem Ehekonsens“, sagt Guido Pasenow. „Das vielleicht sogar gemeinsam an der Osterkerze entzündete Licht zeugt vom Vertrauen auf Gott in diesem entscheidenden Lebensmoment.“ Aber denkbar ist auch, sie nach der Trauung zu entzünden. „Das kündet dann davon, dass mit Gottes Beistand etwas Neues begonnen hat – mit Ausstrahlungskraft für andere.“ 

Oder man entzündet die Hochzeitskerze zu den Fürbitten und bezieht sie in das Gebet ein, etwa so: „Leuchte N. und N. in guten und schweren Stunden – Sei du ihr Licht.“ Oder man verbindet das Entzünden mit der Predigt, wenn etwa ein entsprechendes Evangelium gewählt wird. „Möglichkeiten gibt es viele“, sagt Pasenow. „Da muss ich mir Gedanken machen, was zu dem konkreten Paar passt.“


3. Wird die Hochzeitskerze eigens gesegnet?
Bei der Trauung werden die Ringe und das Brautpaar gesegnet – und die Hochzeitskerze auch noch? „Da muss man sicher aufpassen, dass es nicht zu einer Reihung von Segnungen kommt“, sagt Guido Pasenow. Ausschließen würde er es aber nicht. „Besonders, wenn die Kerze mitgetragen wird, könnte man sie direkt zu Beginn nach dem Einzug segnen“, schlägt er vor. Vielleicht verbunden mit Liedrufen aus dem Gotteslob, die Gott oder Christus als „Licht der Welt“ thematisieren.

Für einen Segen spricht, dass die Kerze die Eheleute noch lange begleiten und zeigen soll, dass Gottes Segen auf ihnen und ihrer Familie liegt. „Ich habe schon erlebt, dass beim Gottesdienst zur Silberhochzeit die Kerze wieder mitgebracht wird. Das ist doch ein schönes Zeichen.“


Weitere Vorschläge zu Gebeten und Liedern: Guido Pasenow: Die Hochzeitskerze spricht. Ein neuer deutscher „Eigenritus“? In: Gottesdienst 4/2017, 32-33.

Von Susanne Haverkamp