05.08.2015

Für katholische Urlauber an der Ostsee ist St. Stephanus in Dahme eine wichtige Anlaufstation

Ein Leuchtturm an der Ostsee

Wer jetzt in den Ferien die Bäder an Nord- und Ostsee besucht, trifft nicht nur am Strand auf zahllose Urlauber, sondern auch in den Kirchen – wie zum Beispiel in St. Stephanus in Dahme.

Pastoralreferent Helmut Michels schätzt die Kirche St. Stephanus. Eine Reliquie und eine Statue des Heiligen sind im Hintergrund zu erkennen. 

„Alle 14 Tage bis drei Wochen gibt es hier eine neue Gemeinde“, erzählt der Kur- und Urlauberseelsorger, Pastoralreferent Helmut Michels, schmunzelnd. Im Winter, wenn die rund 220 einheimischen Katholiken mehr oder minder unter sich sind, kommen 15 bis 25 in die Kirche und begnügen sich dann mit einem kleinen leicht heizbaren Vorraum, in dem ein alter geschnitzter Altar steht. Aber im Sommer, wenn es draußen so heiß ist wie derzeit, dann ist richtig was los in der Gemeinde. Nicht nur die Urlaubspriester geben sich dann alle paar Wochen die Türklinke in die Hand, sondern auch die katholischen Gäste des Ostseebads. Ihnen allen ist eines gemeinsam: ob Urlaub oder nicht, auf die Feier des Gottesdienstes wollen sie auf gar keinen Fall verzichten. Gut 120 Gläubige kommen dann durchschnittlich in den rund 400 Menschen fassenden „Leuchtturm Christi an der Ostsee“, wie über dem Eingangsportal geschrieben steht.

Viele Kirchgänger machen seit Jahren Urlaub in Dahme

Urlauber aus Essen und anderen Städten des Ruhrgebiets waren es, die Ende 1927 einen Kirchbauverein in Dahme gründeten und zunächst eine kleine Kapelle bauten. Der Verein wurde Anfang der 1940er Jahre aufgelöst, doch die Kapelle blieb, bis sie Ende der 1960er Jahre abgerissen  und wegen der großen Nachfrage an gleicher Stelle durch die große St. Stephanus-Kirche ersetzt wurde. Hier werden nicht nur Gottesdienste gefeiert, sondern häufig finden hier auch Konzerte statt, mit renommierten Sänger-Ensembles oder Solisten. 

Doch viel wichtiger ist, dass die Urlauber in St. Stephanus die Seele baumeln lassen können. „Ich denk mir zwar manchmal, ich könnte auch mal eine Pause von der Kirche machen“, erzählt zum Beispiel Sascha Fuchs, der aus der Kölner Gegend stammt, „aber irgendwie gehört es dazu“, meint er. Immerhin kommt er seit über 40 Jahren an die Ostsee, schon als Bub mit den Eltern. Die Mitglieder der Familie Fuchs sind nicht die einzigen, die der Gemeinde die Treue halten. Da ist zum Beispiel noch Familie Kassner aus Bielefeld, die seit 22 Jahren regelmäßig ein- bis zweimal pro Jahr nach Dahme kommt. „Es wäre eine Katastrophe, wenn die Kirche nicht da wäre. Es ist für uns ein Ruhepol, jeden Sonntag hier zur Kirche zu kommen“, sagt Beate Kassner und ihre Tochter Karolin nickt zustimmend.

Es gebe eine ganze Reihe von Gästen, die sich während ihres Urlaubs in der Gemeinde einbrächten, so Michels. Vom Kirchencafé bis zur Vorbereitung von kleineren Veranstaltungen: zwei Wochen vorher oder ganz spontan am Urlaubsort melden sich Feriengäste, um für einige Zeit Verantwortung zu übernehmen. Eine solche zeitlich begrenzte und genau definierte Aufgabe, „vielleicht ist das das Zukunftsmodell für die normale Gemeindearbeit“, meint der Pastoralreferent.

Er erzählt auch von einer stark variierenden Zahl bei den Messdienern. Manche kämen spontan vorbei, andere meldeten sich einige Tag vorher an, weshalb der Gottesdienst stets möglichst schlicht gestaltet werde: denn wo nichts kompliziert ist, da kann auch nichts schief gehen. Michels: „Hier kann man nichts falsch machen, hier kann man es nur schöner machen, sage ich dann immer.“

Rein äußerlich soll in St. Stephanus noch einiges schöner werden, weshalb die Gemeinde Ende 2013 einen Förderverein gegründet hat, um Geld für einige notwendige Verschönerungsmaßnahmen und die Tourismusseelsorge zu sammeln. Rund 50 Mitglieder zählt der Verein bereits und es ist  schon einiges Geld in der Kasse, so dass demnächst mit der Sanierung der Kirchenfenster begonnen werden kann. Feuchtigkeit gefährdet derzeit die Bleiverglasung, weshalb die Rahmen erneuert und die Schutzgläser ausgetauscht werden sollen.

Im Sommer besonders gut besucht

Der Kölner Sascha Fuchs findet zwar, dass die katholische Kirche es schaffen sollte, auch in der Diaspora das Angebot für Gottesdienste aufrecht zu erhalten, doch er hat Verständnis dafür, wenn nach dem Sonntagsgottesdienst für den Förderverein geworben wird. Auch Pfarrer Bernd Wichert aus Eutin, als Pfarradministrator zusätzlich für die Pfarrei Neustadt mit Grömitz und Dahme zuständig und zugleich Leiter des künftigen Pastoralen Raums Ostsee-Holstein, unterstützt den Verein und sein Engagement für den Unterhalt und Erhalt der Kirche. „Ich empfinde diese Kirche als sehr wichtig. Sie ist nicht nur die Größte in unserem künftigen Pastoralen Raum, sondern wichtig für den Tourismus. Immerhin verzeichnet sie im Sommer die meisten Gottesdienstbesucher“, so Wichert.

Infos zum Förderverein unter www.fv-st-stephanus-dahme.de
Kontakt zum Förderverein auch über Helmut Michels, Telefon 04364 / 240 02 57

Text und Foto: Marco Heinen