01.11.2017

Freiburger Jesuit am Kleinen Michel

Ein ganz normaler Pfarrer

Seit dem 1. Juli ist Pater Philipp Görtz (45) Pfarrer der Gemeinde St. Ansgar/Kleiner Michel. Dort will er sich zunächst auf die reine Seelsorge konzentrieren: „Es geht in der Gemeinde erst mal alles so weiter wie bisher.“

Pfarrer Philipp Görtz am Kleinen Michel
Mit Blick auf den Michel: Philipp Görtz vor dem Kleinen Michel.  Foto: Sendker

Mit der Hamburger Schuhkette gleichen Namens sei er nicht verwandt, stellt der Jesuitenpater gleich zu Beginn klar. Pater Görtz wurde 1972 in Freiburg geboren, seine Familie väterlicherseits stammt aus dem Rheinland, über die Mutter hat er Beziehungen bis nach Flensburg hinauf. Sein Ur-Ur-Großvater war ein Kapitän zur See, der sein Schiff verkaufte, um zu heiraten, plaudert Pater Görtz fröhlich aus der Familiengeschichte. Dieser Vorfahre habe eine Ziegelei in Varel in Ostfriesland aufgebaut, die später die berühmten Backsteine für das Chilehaus in Hamburg geliefert habe. Und so ist der Jesuit mit der Hansestadt in gewisser Weise auch verbunden.

Philipp Görtz wurde nach seinem Theologiestudium 1999 vom späteren Kardinal Walter Kasper zum Diakon der Diözese Rottenburg-Stuttgart und im Jahr drauf zum Priester geweiht. Zwei Jahre später trat er in den Jesuitenorden ein. Zwei Gründe seien ausschlaggebend gewesen, sagt er. Einerseits habe ihn stets die Frage der Armut beschäftigt, vor allem, nachdem er in Peru zum ersten Mal in seinem Leben existentielle Armut erlebt habe. „Wenn Jesus arm gelebt hat, wie kann ich das leben?“, fragte er sich. 

Und dann habe ihn die Gemeinschaft angezogen. Eine Gemeinschaft, wie er sie auch beim Pilgern immer wieder erfährt. Seit 1995 war er als angehender Priester auf dem Jakobsweg unterwegs, von Tübingen nach Santiago de Compostela in verschiedenen Etappen. Mit den ehemaligen Seminaristen, seinen „Jakobsbrüdern“, pilgert er im Sommer hin und wieder noch. Was ihn daran fasziniere? „Ganz langsam, bewusst und einfach unterwegs zu sein, mit den Zeichen am Weg und dem Ziel vor Augen. Vom Schritt, dem Atem, dem Herzschlag und dem Gebet getragen zu sein. Zeit zu haben und auf die Gemeinschaft der Mitpilger zurückgeworfen zu sein“, lautet die Antwort. Er freue sich, mit Pilgerpastor Bernd Lohse in Hamburg etwas zu unternehmen. 

Er ist in seinem Leben schon gut herumgekommen. Nach seiner Promotion in Pastoralpsychologie in St. Georgen war Philipp Görtz von 2008 bis 2013 Kollegseelsorger am Aloisiuskolleg in Bonn-Bad Godesberg, nach einem Weiterbildungsseminar in Lateinamerika dann 2014 / 2015 Internatsleiter am Kolleg St. Blasien. Bevor er nach Hamburg wechselte, war er Jugendkaplan in einer Wiener Pfarrei. 

Die neue Orgel wird Ende 2018 in Betrieb gehen

Er wolle nun zunächst ganz normaler Pfarrer sein, betont er: „Es geht in der Gemeinde erst mal alles so weiter wie bisher.“ Dass die neue Orgel für den Kleinen Michel Ende 2018 fertig sein soll, sei ein großartiges Erlebnis, das er gerne begleite. Und mit der Ökumene, die in Hamburg groß geschrieben werde, habe er gar keine Probleme, so Görtz, im Gegenteil: Er sei im evangelisch geprägten Norden von Stuttgart aufgewachsen, seine Mutter sei evangelisch. „Ökumene hab ich quasi mit der Muttermilch aufgenommen.“ Mit dem Großen Michel hat der neue Pfarrer am Kleinen Michel in diesem Jahr erstmals den Michaelistag gemeinsam gefeiert.

An der Elbe sei er gut angekommen, sagt der Neu-Hamburger; auch in der Jesuitengemeinschaft und in der Gemeinde. „Neben Berlin ist Hamburg doch die einzige Weltstadt Deutschlands. Allein der Hafen! Hier zu sein, das ist unglaublich – in einer Gemeinde, in der Menschen aus Togo, der Elfenbeinküste und den Philippinen, Südamerikaner und Franzosen gleichermaßen beheimatet sind!“ Immerhin hat er an seinem neuen Wohnort schon einige Male Besuch bekommen: „So habe ich die Stadt inzwischen ganz gut kennengelernt.“

Text u. Foto: Monika Sendker