20.02.2013

Die letzten Tage des Pontifikats von Benedikt XVI. haben begonnen

Ein demütiger Diener

 

Unaufgeregt und pflichtbewusst führt Papst Benedikt XVI. sein Pontifikat zu Ende. Einen großen Abschied wird es nicht geben. 

dpa
Bei seiner letzten großen Liturgie als Kirchenoberhaupt
senkt Papst Benedikt XVI. sein Haupt,
um das Aschekreuz zu bekommen. Foto: dpa 

Am kommenden Donnerstag, dem 28. Februar, wird Papst Benedikt XVI. um 17 Uhr in den Hubschrauber steigen und in seine Sommerresidenz Castel Gandolfo fliegen. Drei Stunden später ist sein Pontifikat zu Ende. Diese Daten sprechen Bände – in ihrer Nüchternheit. Um 20 Uhr, dem Zeitpunkt, an dem der Papst sein Amt abgibt, endet nun mal üblicherweise der Arbeitstag des 85-Jährigen. 

Papst Benedikt XVI. macht kein Aufheben um seine Person. Treffend hat er sich selbst als „einfachen und bescheidenen Arbeiter im Weinberg des Herrn“ bezeichnet. In persönlichen Begegnungen wirkt er fast schüchtern. 

"Kehren wir zurück zum Gebet"

Sein Rücktritt fügt sich in dieses Bild ein, ebenso der Umgang mit den letzten Tagen im Amt: Als am Ende der Aschermittwochsmesse donnernder Beifall ausbricht, beschwichtigt der Papst nach kurzer Zeit die Menschen und sagt: „Kehren wir zurück zum Gebet.“

Benedikt XVI. geht es nicht um sich. „Diener der Diener Gottes“ lautet einer der acht Titel, die er noch bis Donnerstag trägt. Er versteht das Papstamt als Dienst – an der Kirche, aber vor allem an dem, dessen Stellvertreter er ist. „Vikar Jesu Christi“, Stellvertreter Christi, lautet ein weiterer päpstlicher Titel. Mit seinem Rücktritt hat Benedikt XVI. aber die Person des Amtsträgers relativiert. 

Das Amt „lebt von den Personen, die es ausfüllen“, aber es „ist größer als die Person“, schreibt der Theologe Thomas Söding. „Das Papsttum ist auch nur ein Amt. Es ist nicht die Krönung einer Karriere, nicht die Sakralisierung einer Biografie, nicht die Verkörperung Jesu Christi.“ Sondern ein bischöflicher Dienst, ein „kleiner, aber zentraler Beitrag für die Wahrheit des Evangeliums“, so Söding.

Pflichtbewusst bis zum letzten Arbeitstag

Und weil die eigene Person letztlich nicht entscheidend ist, nimmt Benedikt XVI. in aller Bescheidenheit Abschied. Zunächst versieht er seinen Dienst wie üblich weiter: Vergangene Woche ernannte er einen neuen Chef der Vatikanbank, empfing die Staatschefs Rumäniens und Guatemalas. In dieser Woche hat er sich wie üblich zu den Fastenexerzitien der Kurie zurückgezogen. Ebenfalls wie üblich dann das öffentliche Angelusgebet an diesem Sonntag um 12 Uhr. Der letzte öffentliche Auftritt dann die Generalaudienz am kommenden Mittwoch. Sie dürfte wohl deutlich mehr Menschen anziehen als sonst. Sicher werden auch viele kirchliche Würdenträger anreisen – wie etwa Erzbischof Robert Zollitsch, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. 

Eine Abschiedszeremonie werde es nicht geben, wohl aber eine Rede zum Abschied, hatte Vatikansprecher Lombardi vergangene Woche angekündigt. Eine Möglichkeit wäre die Generalaudienz. Eine andere ein letztes Treffen mit dem Kardinalskollegium am Donnerstag. Danach steigt Benedikt XVI. in den Hubschrauber. Drei Stunden später ist er nicht mehr Papst. 

Von Ulrich Waschki