12.04.2017

Die Nordische Bischofskonferenz tagt in Hamburg

Die Kirche im Norden wächst

Die Nordische Bischofskonferenz tagte anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Ansgar-Werkes vom 3. bis zum 7. April in Hamburg. Auf der Tagesordnung: Zuwanderung durch Flüchtlinge und wachsender Populismus.

Mit wehenden Gewändern: Die teilnehmenden Bischöfe der Nordischen Bischofskonferenz beim Einzug in den St. Marien-Dom.  Foto: Kathrin Erbe

 

Einige Pfarreien sind flächenmäßig so groß wie Belgien. Der Anteil der Katholiken liegt in den Ländern Nordeuropas unter fünf Prozent. Für die dortigen katholischen Bischöfe kein Grund zur Verzweiflung. Im Gegenteil: „Die Kirche im Norden wächst“, sagt der Vorsitzende der Nordischen Bischofskonferenz und Bischof von Kopenhagen, Czeslaw Kozon. Wie sie mit den steigenden Zahlen umgehen, war eines der Themen der Bischöfe aus Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland und Island in Hamburg. „Wir müssen an vielen Orten neue Kirchen schaffen“, sagt Kozon.

Das Wachstum ist vor allem den Einwanderern zu verdanken, die insbesondere aus dem katholischen Polen, aus Litauen, von den Philippinen und aus Vietnam kommen. Die Zahl der Katholiken stieg von rund 270 000 im Jahr 2011 auf aktuell rund 340 000.

Die Zahl der Priesterberufungen in den nordischen Ländern bleibt zwar konstant, reicht aber nicht, um die neu Zugewanderten zu versorgen. Gotteshäuser würden teilweise von evangelischen Kirchen übernommen, teilweise neu gebaut. In der Kathedrale von Oslo würden bis zu zehn Messen am Tag gefeiert, alle seien gut besucht, berichtet die Generalsekretärin der Bischofskonferenz, Schwester Anna Mirijam Kaschner.

Kopfzerbrechen bereitet allenfalls das am südlichsten gelegene Dänemark, wo es traditionell dichte katholische Strukturen gab und wo die Zahl der Gläubigen – ähnlich wie auf dem europäischen Kontinent – abnimmt. Vier Kirchen mussten in den vergangenen Jahren geschlossen werden.

Auf ähnliche Entwicklungen in Deutschland blickt Kozon mit Sorge. Die Umstrukturierungen seien teilweise „zu radikal“. Es würden Gemeinden geschaffen mit einer Größe, wie man sie nicht einmal in Skandinavien kenne. Einen Alternativ-Vorschlag für die deutschen Bischöfe hat er jedoch nicht parat.

Einige deutschen Kollegen bekunden unterdessen in einem Gottesdienst im Hamburger St. Marien-Dom ihre Verbundenheit mit den nordischen Ländern. Sie blicken auf 50 Jahre Ansgar-Werk der Diözesen Hamburg und Osnabrück zurück, eine Einrichtung, die die Katholiken in Nordeuropa finanziell unterstützt. Als „Salz des Nordens“ bezeichnet der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode das Werk und sieht in der Diaspora-Kirche auch ein Vorbild für die eigene Herde: „Lernen wir von den Christen des Nordens, wie notwendig für uns alle das Zeugnis und die Verantwortung jeder und jedes Einzelnen sind.“

Hier wie dort sehen sich die Katholiken vor ähnlichen Herausforderungen: Bischof Kozon spricht von einer jungen Generation, die sich zunehmend von der Kirche entfremde, von Zuwanderung durch Flüchtlinge und wachsendem Populismus. Von den Christen in Skandinavien wünscht er sich, auch angesichts der wachsenden Zahl von Muslimen, dass sie mehr Profil zeigen: „Es würde unseren Ländern sehr viel mehr Rückhalt geben, wenn das
Christentum lebendiger wäre.“ Insgesamt hat er keine Bedenken, dass Skandinavien die vielen Flüchtlinge aufnehmen könne.

Text: Michael Althaus/kna