08.05.2017

Projekt "Valerie und der Priester" endet

Die Feministin in der Kirchenwelt

Ein voller Erfolg - so die Bilanz der Verantwortlichen des Projekts "Valerie und der Priester". In den nächsten Wochen endet der Internetblog.


Foto: Valerie und der Priester/Can Erdal
Sie folgte ihm ein Jahr auf Schritt und Tritt: Valerie Schönian im Büro von Franziskus von Boeselager.
Foto: Valerie und der Priester/Can Erdal

 

Das Projekt soll auch Kirchenfernen den Priesterberuf verständlich machen: Am 20. Mai vor einem Jahr hat die katholische Kirche das Internet-Projekt "Valerie und der Priester" gestartet. Ein Jahr lang hat eine junge Journalistin einen Geistlichen bei der Arbeit begleitet und die gemeinsamen Erlebnisse und Gespräche in einem Blog veröffentlicht.

Nun, zwölf Monate später, sind die Verantwortlichen begeistert. Das Ergebnis habe die Hoffnungen übertroffen, sagt der Leiter des Freiburger Zentrums für Berufungspastoral, Michael Maas. "Es hat nicht nur von den Zahlen her viele und gerade jugendliche Leserinnen und Leser erreicht. Es hat auch in eine inhaltliche Tiefe geführt." Der Blog sei für Kirchennahe und -ferne gleichermaßen interessant. "Auch das ist eine Tatsache, mit der wir so nicht gerechnet hätten", bilanziert Maas.

Das Freiburger Zentrum hatte sich das Projekt ausgedacht. Die junge Journalistin wurde von einer Agentur aus Köln ausgewählt, den Priester stellte ihr die Kirche zur Seite. Und so kamen die beiden Protagonisten zusammen: Valerie Schönian (26), die nach eigenen Worten ausgewählt wurde, weil "eine linke und feministische Journalistin" gesucht wurde, und Franziskus von Boeselager (39), derzeit Kaplan in Münster, der von sich sagt, er habe schon "ein paar Tage nachgedacht und gebetet", bevor er sich zum Experiment bereiterklärte. Sie bezog Quartier in der Westfalenmetropole und begleitete ihn fortan - fast - auf Schritt und Tritt.

"Mehr als 180 Tage haben wir seither miteinander verbracht, fast jede zweite Woche des Jahres", erzählt Valerie. Alles, was ein Priester so macht, habe sie mitbekommen: Taufen, Beerdigungen, Seelsorgegespräche, Messdienerschulungen, Gremiensitzungen oder Gottesdienste. Die beiden waren zusammen in Rom und beim Weltjugendtag in Krakau. Sie haben sogar den Papst gesehen - "wenn auch nur von weitem", wie von Boeselager ergänzt.

 

Monatlich zwischen 200.000 und eine Million Menschen erreicht

Das Ergebnis: Ein Blog pro Woche, ein Video pro Monat. Über Facebook werden seit Projektbeginn jeden Monat zwischen 200.000 und 1 Million Personen erreicht. Regelmäßig lesen 50.000 die Geschichten auf der Seite "valerieundderpriester.de". Damit erzielte das Projekt innerhalb von zehn Monaten über 5 Millionen Medienkontakte.

Die beiden haben geredet und geredet. Natürlich über Gott und die Welt - aber ganz besonders über den Zölibat, über Verliebtsein, den Umgang der katholischen Kirche mit Homosexuellen und vieles mehr. Sie habe "gebohrt, sehr sogar", sagt Valerie, die sich selbst als kirchenfern bezeichnet. Es sei für sie schwer gewesen, Menschen Dinge tun zu sehen, die sie selbst rational nicht nachvollziehen könne. Gerade in Glaubensdingen habe sie wahrscheinlich immer wieder dieselben Fragen gestellt. "Weil es gedauert hat, bis es bei mir ankam." Dasselbe galt für die Argumente des jungen Kaplans über Liebe und Keuschheit: dass er sich natürlich auch jetzt wohl noch verlieben könnte, aber genau wisse, ihn werde das nicht von seiner Berufung abbringen.

Den Zölibat hält Franziskus für sinnvoll, weil Priester ohne Familie mehr Zeit für die Gemeinde hätten: "Ich schenke mein Leben ganz an Jesus Christus und an die Menschen", zitiert ihn Valerie im Blog. Auch die Priesterweihe für Frauen ist nicht seine Sache. Jesus sei nun mal ein Mann gewesen. Er, Franziskus, könne das Vorbild nicht ignorieren.

Im Laufe des Jahres habe sie immer mehr verstanden, so Valerie. Etwa die Gründe, warum Franziskus Priester geworden ist. Oder was die Seelsorgearbeit eines Priesters ausmacht. Ihre Beschreibung eines Krankenbesuchs bei einer alten Frau aus der Gemeinde ist eines der journalistischen Highlights in dem Blog.

Gefragt nach dem schönsten gemeinsamen Erlebnis, sprechen beide weder von Rom noch von Krakau, wie man vielleicht erwarten würde. In bester Erinnerung werde besonders der jeweilige Besuch beim anderen zu Hause bleiben, sind sich Valerie und von Boeselager einig. Sie war mit in seinem Elternhaus in Menden, er mit bei ihr in Berlin. Sie wollen "in Kontakt" bleiben, auch über das spannende Jahr des Projektes hinaus.

kna