20.09.2017

Neubrandenburg feiert das Fest der heiligen Hildegard

Die ernsten Dinge des Lebens

Heiligenfeste gehören in Neubrandenburg normalerweise nicht zum Stadtbild. Ausgenommen Nikolaus, Dreikönige und – das Fest der heiligen Hildegard. Denn an diesem Tag gibt es in Einkaufszentren das leckere Hildegardisbrot. 

Katrin Krabbe verkauft Hildegardisbrot für das Dreikönigshospiz
Sie kennt in Neubrandenburg jeder: Katrin Krabbe verkauft Hildegard-Brot für das Dreikönigshospiz. Rechts: Landtagsabgeordneter Manfred Dachner  Foto: Bernd Lasdin

Vor etwa 15 Jahren hat der Dreikönigsverein diese Tradition erfunden. Bäcker aus Neubrandenburg und Umgebung stiften das Brot. Es sind verschiedene Brotsorten, die da verkauft werden – unter anderem Dinkelbrot. Denn die Äbtissin, Mystikerin, Kirchenpolitikerin, Komponistin und Heilkundige Hildegard von Bingen (1098–1179) hat bekanntlich das Dinkelkorn sehr geschätzt. Weil Dinkel schwerer anzubauen und weniger ergiebig ist als Roggen oder Weizen, geriet dieses Getreide fast in Vergessenheit. Seit einigen Jahrzehnten wird es wieder beliebter, ebenso wie die Äbtissin Hildegard, die im Mittelalter schon Ähnliches verkündet hat wie die heutige Bio-Bewegung. 

Beim Neubrandenburger Hildegard-Brot geht es aber nicht nur um das Brot. Die Einnahmen der Brotaktion kommen dem Neubrandenburger Dreikönigshospiz zugute.

Hospizdienst steht für alle offen und ist gratis

 Sie helfen, ein ungewöhnliches Angebot aufrecht zu erhalten: Die Begleitung von Todkranken und Sterbenden, sowohl in ihrer eigenen Wohnung als auch im stationären Dreikönigshospiz in der Lindenstraße. Aber es geht bei der Aktion auch nicht nur um das Geld. 

„Wir laden die Leute am Stand ein, mit uns über wichtige Dinge des Lebens zu sprechen“, sagt Regina Prachtl als Vertreterin des Dreikönigshospizes. „Das fällt normalerweise nicht jedem leicht. Aber gerade deshalb suchen wir einen Mittelpunkt des täglichen Lebens auf, wo die Hemmschwelle für ein Gespräch niedrig ist. Wir gehen in ein großes Einkaufszentrum.“ 

Dadurch werden die Kunden aufmerksam darauf, was das Dreikönigshospiz bietet. „Manch einer hat davon vielleicht eine falsche Vorstellung“, sagt Vereinsvorsitzender Rainer Prachtl. „Das Hospiz ist bekannt. Aber nicht jeder kennt unseren ambulanten Hospizdienst. Eine Leistung, die jedem offen steht und die nicht einen Euro kostet.“ 

25 Helfer waren in diesem Jahr im Einsatz und ansprechbar. Zu ihnen gehört eine weltbekannte Neubrandenburgerin: Die Leichtathletin Katrin Krabbe, Welt-
meisterin und Europameisterin im 100- und 200-Meterlauf , ausgezeichnet als „Weltsportlerin des Jahres“ 1991. Mit 47 Jahren ist Katrin Krabbe nicht mehr die „schnellste Frau der Welt“. Aber sie engagiert sich seit längerem in der ambulanten Hospizarbeit für das Dreikönigshospiz. 

Text: Andreas Hüser