18.01.2017

Auftakt zum „Projekt Caritas“ im Erneuerungsprozess des Erzbistums

Die Caritas rückt zusammen

Die Caritas im Erzbistum Hamburg stellt sich neu auf. Der katholische Sozialverband will sich stärker als „missionarische Kirche“ positionieren, an der wirtschaftlichen Konsolidierung arbeiten – und bis Ende des Jahres die regionalen Caritasverbände zu einem einzigen zusammenführen. 

Die Caritasvertretungen und -räte aus dem ganzen Bistum diskutierten in Hamburg über die neue Ausrichtung
der Caritas im Erzbistum.   Foto: Hüser

Am vergangenen Samstag trafen sich die Caritasräte und Vertreterversammlungen aller Caritasverbände zu einer gemeinsamen Konferenz in Hamburg. Im Rahmen des Erneuerungsprozesses im Erzbistum Hamburg war dies der Start des Teilprojekts „Caritas“. „Für uns als Caritas geht es aber auch um die Fortsetzung eines Prozesses, der 2016 begonnen hat“, so Harald Strotmann. Er leitet seit November das Projekt Caritas, in enger Abstimmung mit Diözesancaritasdirektor Steffen Feldmann. 

Erstes Teilziel ist die Eingliederung der Caritasverbände Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg in den Diözesancaritasverband. Am 1. Januar 2018 soll das geschehen, kündigte Harald Strotmann an. Voraussetzung ist die Zustimmung der drei Vertreterversammlungen. Denn noch handelt es sich um eigenständige Vereine. 

Zeit gewinnen für gemeinsame Lösungen

Der Zeitplan ist straff, gab Strotmann, zu. „Aber der gesamte Prozess dauert drei Jahre. Je mehr Zeit wir für die Zusammenführung brauchen, desto weniger Zeit bleibt, um Lösungen zu finden.“ Wenn erst einmal ein Verband besteht, seien die weiteren Veränderungen leichter anzugehen als in vier unterschiedlichen Organisationen. 

Unterschiede gibt es bei der Caritas in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg in mehrfacher Hinsicht. Mit 1197 Mitarbeitern ist die Caritas Mecklenburg wesentlich größer als die westlichen Caritasverbände. Die Mecklenburger Caritas ist in Kreisverbänden aufgeteilt, die anderen nicht. In Schleswig-Holstein gibt es mit den „Caritas-Konferenzen Deutschlands“ (CKD) eine eigene Organisation für ehrenamtliche karitative Dienste, in den anderen Bundesländern gibt es das nicht. Solche Unterschiede auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, wird eine der Prozessauf-gaben sein. 

Neben der Struktur ist die wirtschaftliche Konsolidierung ein Ziel der Erneuerung. Die  Insolvenz der Caritas-GmbH in Hamburg vor drei Jahren hat gezeigt, dass auch Einrichtungen der Nächstenliebe eine betriebswirtschaftliche gesunde Basis brauchen. Die Kassen der Kirche werden in Zukunft weniger gut gefüllt sein. Viele Städte und Gemeinden im Norden sind verschuldet und sparen  an sozialen Diensten. Zuschüsse für Beratungsstellen oder andere Caritasdienste, so berichteten Caritasmitarbeiter, sind oft nur auf ein Jahr befristet. Das macht die Planung schwierig.  

Caritas soll Relevanz für die Menschen haben

„Es kann sein, dass wir uns am Ende der Konsolidierung von Leis-tungsbereichen trennen“, sagte Harald Strotmann. „Aber wir kommen nicht mit einer Metzger-Mentalität, die schon etwas totredet, bevor wir es genau angesehen haben.“ 

Ein weiteres Ziel der Caritas-Erneuerung steht unter dem Titel „Missionarische Kirche“. Worum es bei diesem übergreifenden Ziel geht, erläuterte Erzbischof Stefan Heße zu Beginn des Tages. „Mission heißt Sendung. Wir sind gesandt zu den Menschen. Ich habe aber den Eindruck, das gelingt uns nur sehr schwer. Was wir tun, muss  für das Leben der Menschen eine Relevanz haben. Wir sollen nicht nur machen, was uns gut tut, sondern das, was anderen dient.“ Die Caritas sei bereits ein Feld, wo die Kirche sehr nah an den Nöten der Menschen ist. Trotzdem sei auch hier die Frage zu stellen: „Worauf warten die Leute? Was erwarten sie von uns?“ 

Wichtigste Grundlage für karitativ-missionarische Tätigkeit seien die Personen, so Erzbischof Heße. „Es ist wichtig, dass wir diesen Schatz heben.“ Man denkt dabei zuerst an ehrenamtliche Tätigkeiten. Dabei sei ihm das Wort „Ehrenamt“ nicht ganz zutreffend. „Jeder Getaufte trägt Verantwortung in der Kirche. Wer in ihr tätig ist, ist nicht so sehr ein ,Ehrenamtlicher’. Er setzt das ein, was er in Taufe und Firmung empfangen hat.“ 

Verantwortung wahrnehmen können Katholiken auch bei der Zukunfts-Ausrichtung der Caritas. Bereits am vergangenen Samstag sammelten die Tagungsteilnehmer eine große Fülle von Vorschlägen und Anregungen. Die Erneuerung soll unter einer „offenen Beteiligung aller“ vorangehen, kündigte Caritasdirektor Steffen Feldmann an. Dazu soll es Werkstatt-Veranstaltungen in allen Regionen geben.

Text u. Foto: Andreas Hüser