17.12.2014

Der Jesuit Jan Roser will auch zu Weihnachten neue Wege zu den Menschen finden

Die Botschaft als Chance

Selbst für Menschen, die nicht regelmäßig zur Kirche gehen, gehört der Besuch der Christmette mitunter zum traditionellen Weihnachtsfest. Priester sollten das als Chance begreifen, findet der neue Geistliche Rektor der Katholischen Akademie Hamburg, der Jesuit Jan Roser (45).  

Vielleicht springt ja mit der Weihnachtsbotschaft ein Funke über? Pater Jan Roser zündet im Kleinen Michel die Kerzen auf dem Adventskranz an. Als Geistlicher Rektor der Katholischen Akademie sucht er auch in Zusammenarbeit mit der Gemeinde nach neuen Wegen der Verkündigung.             

Das ist ein hehrer Anspruch an die Kirche, das weiß auch Pater Roser: Wenn ein Priester das ganze Jahr über vor einer fast leeren Kirche predigt und sich zu Weihnachten die Menschen in den Bänken drängeln, kann schon mal Verbitterung hochkommen: Wo waren sie alle das ganze Jahr über? Darüber zu klagen sei jedoch der falsche Weg: „Die Weihnachtspredigt ist eine große Chance“, sagt Roser. „Wir sollten die Wirklichkeit annehmen und nicht beleidigt einer Welt gegenübertreten, die nicht mehr so religiös erscheint wie früher.“ Für Weihnachten bedeute das, die Menschen so zu nehmen, wie sie heute sind: nicht mehr so kirchlich gebunden, aber doch auf der Suche und mit einer Sehnsucht nach spiritueller Orientierung. 

„Das Bild vom göttlichen Kind, das Licht in die dunkle Welt bringt, in eine Welt voller Gewalt, Einsamkeit und sozialer Ausgrenzung, diese Botschaft spricht die Menschen heute genauso an wie vor 2000 Jahren“, sagt der Jesuit. Und wenn es einem Priester gelinge, über die Kraft dieser Botschaft Menschen zum Nachdenken zu bewegen, sei vielleicht ein Funke übergesprungen. „Es ist zugleich eine Herausforderung für Gemeinden, im Gottesdienst den Menschen, die sonst nicht kommen, Erfahrungen gelebten Glaubens zu vermitteln. Dabei ist gerade im Weihnachtsgottesdienst die Liturgie, die mit Licht und Dunkel, mit Weihrauch, Musik und dem Bild der Krippe die Sinne anspricht, besonders eindrucksvoll und hilfreich.“  

Zudem, so Roser, nütze es nichts, die Weihnachtszeit als reine Geschäftemacherei zu verurteilen, denn die kommerzielle Seite gehöre ebenso zur Wirklichkeit. „Wir sollten aber alternative Akzente anbieten, indem wir zu Zeiten der Stille und Besinnung einladen, wie es die ökumenische Aktion ‚Sehnsucht nach dem Anderen Advent‘ in St. Petri tut.“ 

Neue Wege zu den Menschen finden, das will der Jesuit auch als Geistlicher Rektor der Katholischen Akademie. „Wir müssen in der Großstadt präsent sein und nicht nur über innerkirchliche Themen diskutieren, sondern über all das, was den Menschen unter den Nägeln brennt“, umschreibt er seinen Anspruch. In einer Zeit, in der religiöse Prägungen in Familien und gesellschaftlichen Milieus immer weniger stattfinden, müsse die Akademie zudem ein Ort sein, an dem Glaubenswissen vermittelt werde. 

In diesem Punkt arbeitet er auch mit der Gemeinde des Kleinen Michel zusammen, in der neue Wege der Verkündigung gesucht werden. Gerade mit gesellschaftlichen Gruppen, die nicht mehr kirchlich geprägt sind, mit Künstlern,  oder Journalisten, möchte der Priester ins Gespräch kommen, gerade über Themen, die in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert werden und dabei eine katholische Positionierung fordern. Heiße Eisen scheut er nicht: Nachdem Papst Franziskus im Herbst zu einer Familiensynode nach Rom einlud, um mit Bischöfen und Laien über Ehe, Familie und Sexualmoral zu sprechen, nahm sich die Katholische Akademie des Themas an und diskutierte offen über Homosexualität. 

Neben akademischen Angeboten geht es um geistliche Erfahrungsräume, sagt Pater Roser. Auch zu Weihnachten. Für ihn selbst hat die Krippe als Symbol der menschlichen Seele eine starke Bedeutung. Gott wird Mensch – nicht nur vor langer Zeit im fernen Palästina, sondern immer wieder neu in jedem Menschen, der sich dem Geist Gottes öffnet. Oder mit Angelus Silesius (1624–1677) gesprochen: „Wird Christus tausendmal zu Bethlehem geborn // und nicht in dir; du bleibst noch ewiglich verlorn.“

Text und Foto: Monika Sendker