17.05.2017

Holzstelen im Reinbeker Patientengarten des St. Adolf-Stiftes

Die Bergpredigt als Holzstele

Im Reinbeker St. Adolf-Stift haben sich fünf Holzkünstler bei einem Symposium mit den Seligpreisungen der Bergpredigt auseinandergesetzt. Die Werke können im Patientengarten des Krankenhauses Reinbek besichtigt werden.

Tim Weigelt erläutert Weihbischof Horst Eberlein sein noch nicht ganz fertiges Werk. 
Tim Weigelt erläutert Weihbischof Horst Eberlein sein noch nicht ganz fertiges Werk. Foto: Andrea Schulz-Colberg

Eine Woche lang hörten Besucher und Patienten untypische Geräusche aus dem Obstgarten hinter dem Krankenhaus Reinbek St. Adolf-Stift: unter blühenden Apfelbäumen wurde gesägt, gehämmert und geflext. Fünf Holzkünstler formten je einen 200 Kilogramm schweren und drei Meter langen Eichenholzblock zu einem Kunstwerk. Seitens des katholischen Krankenhauses war das Thema vorgegeben worden, nämlich die „Bergpredigt mit Schwerpunkt auf den Seligpreisungen“. Die Künstler aus Thüringen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern lösten diese Aufgabe am Ende ganz unterschiedlich. Manche Stelen wurden komplett von allen Seiten bearbeitet. In einem Fall hat der Künstler ein abstraktes Muster geschaffen. Aber auch eine bildliche Darstellung der Bibelstelle „Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen…“ entstand und zwar als Kind, das sein unschuldiges Herz in Form eines Vogels einem schwermütigen Erwachsenen überreicht. Thomas Kretschmer, der mit Krankenhaus-Geschäftsführer Björn Pestinger die Idee zum Holzsymposium über die Bergpredigt hatte, erklärt: „Für eine gewisse Einheitlichkeit haben wir die Holzform und -größe vorgegeben und geplant, dass die Stelen am Ende hochkant in einem Kreis aufgestellt werden, alles andere lag im Ermessen von uns Künstlern.“ 

Passend zum Symposium gab es ein Rahmenprogramm rund um die Bergpredigt. Einen Tag vor Fertigstellung, am Donnerstagabend (11. Mai), kam Weihbischof Horst Eberlein vorbei, um mit Künstlern, Mitarbeitern und Patienten einen Gottesdienst zu feiern. Im Anschluss schauten sich Bischof und Gottesdienstbesucher die teilweise noch liegenden Stelen im Patientengarten an.

Monsignore Horst Eberlein sagte: „Die Bergpredigt ist wie gutes Gemälde, an dem man sich nicht satt sehen kann. An der Bergpredigt kann man sich nicht satt hören.“ Es ginge um die Bruchstellen des Lebens und eine andere Lesart des Lebens, die Lesart Jesu: „Statt Abbruch, Aufbruch. Statt Tod, Leben.“ Eberlein forderte die Besucher auf, den Seligpreisungen mit dem eigenen Leben Gestalt zu geben.

Die Arbeiten wurden am Freitag der Öffentlichkeit präsentiert. Björn Pestinger: „Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, sich die Bergpredigt jederzeit in unserem Patientengarten anzuschauen. Die Stelen werden für mindestens 20 Jahre stehen bleiben.“ Vielleicht auch noch viel länger, denn Eichenholz ist sehr beständig.

Text u. Foto: Andrea Schulz-Colberg