29.07.2015

Urlaubsgäste und Einheimische können in St. Peter-Ording auf besondere Weise Schöpfung erleben

Der Sonne entgegen

Mitten im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer Schöpfung zu erleben und die Nähe zu Gott zu spüren, darum geht es bei den ökumenischen Sonnenaufgangsmeditationen am Strand von St. Peter-Ording.

Ein einziges Auto ist unterwegs, die Kühe liegen noch auf der Wiese. Nur die Vögel sind schon munter. Um kurz vor fünf Uhr in der Frühe trafen sich kürzlich 20 Gläubige vor der Sankt Nikolai Kirche in Sankt Peter-Ording. Das Ziel: einfach der Sonne entgegen und dabei schauen, schweigen, beten und singen. Eine Klangschale erklingt und die evangelische Diakonin Andrea Streubier sagt zu den Teilnehmern: „Ihr seid das Licht der Welt!“

Es ist der Bibelvers, der die Frühaufsteher die nächsten zwei Stunden begleiten wird. Denn das Licht, das die Christen sind, ist der Widerschein des göttlichen Lichtes, das durch die lebenspendende Sonne symbolisiert wird.

Von der Kirche aus geht es Richtung Strand, zur Deichkrone hin. Von da aus sieht man, wie die Sonne rot und schön den Horizont hinaufkriecht. Nach Minuten der Stille (und ein paar Fotos) begrüßen die Teilnehmer das Licht des Tages, das Licht Gottes mit einem Lied. „Das wunderbare Licht, die Weite des Strandes und das Rauschen des Meeres, da vergeht die Müdigkeit in den Gliedern schnell“, meint Pastoralreferent Michael Wrage, der die Sonnenaufgangsmeditationen gemeinsam mit Diakonin Streubier organisiert. So erlebe man die Natur eben nur am frühen Morgen, sagt er. 

Am Strand können die Teilnehmner die erste Wärme des Tages spüren, gemeinsam die Natur erleben und beten:
dafür lohnt sich das frühe Aufstehen.      Foto: Klaus Böllert

Mit der Sonne im Rücken geht es runter zum Strand, ran an die Wasserkante. Mittlerweile ist es taghell und die Wärme der Sonne auf der Haut ist langsam zu spüren. Und wohl keiner der Teilnehmer verschwendet einen Gedanken an ein warmes Bett. „Der Ort hier ist wunderschön. Wann hat man schon mal die Möglichkeit, einen Sonnenaufgang zu sehen, vor allem über dem Meer? Und das mit dem Glauben zu verbinden, finde ich super“, sagt Teilnehmerin Josefine Petersen.

Tatsächlich, mit dem Wind in den Haaren, Sand zwischen den Zehen und noch etwas Müdigkeit in den Knochen ist es doch leichter, Gott nahe zu sein, findet auch Heribert Keuler aus der kleinen Ortsgemeinde Rüdesheim an der Nahe. Und Diakonin Andrea Streubier hält fest: „Was wollen wir noch predigen, wenn wir in Gottes Schöpfung schon so mittendrin sind? Da predigt doch die Landschaft alleine.“

Die nächste Sonnenaufgangsmeditation findet am 11. August statt. Treffpunkt ist dann um 5.30 Uhr die Ordinger Kirche Sankt Nikolai (Utholmer Straße). Am 6. September treffen sich die Teilnehmer um 6 Uhr an der Kirche. Nach der Wanderung gibt es  immer ein kleines Frühstück am „Karkenschipp“, dem Kirchenschiff am Strand. Wenn das Wetter klar auf Regen und Sturm steht, fallen die Meditationen aus und es empfiehlt sich, sich dann lieber noch einmal im Bett umzudrehen.

Übrigens: Sonnenuntergangsgedanken (die ebenfalls bei Regen ausfallen) gibt es jeden Mittwochabend und zwar am 5. und 12. August um 20 Uhr und am 19. und 26. August um 19.30 Uhr. Veranstaltungsort ist der Südstrand beim Strandkorb-Podest.

Text: Klaus Böllert u. Marco Heinen