18.01.2017

Franz von Sales wollte ein ruhiges Leben führen – aber daraus wurde nichts

Der Patron der Gestressten

Haben Sie nie Zeit? Nichts als Ärger? Leben Sie in einer Umwelt, in der nur das Geld und unnütze Dinge zählen? Dann geht es Ihnen wie vor 400 Jahren dem heiligen Franz von Sales, dem gestressten Bischof von Genf. 

Franz von Sales übergibt Johanna von Chantal die Regel des Salesianerinnen-Ordens.  Auszug aus einem Gemälde von Noel Hallée

„Erstens, was das Äußere betrifft, wird Franz von Sales, Bischof von Genf, keine seidenen Kleider tragen, noch solche, die kostbarer sind als jene, die er bisher getragen hat; sie sollen jedoch sauber und seinem Körper gut angepasst sein. Er wird keine parfümierten Handschuhe tragen, noch einen seidenen und gefütterten Muff; er wird aber wählen, was dem Anstand, der Höflichkeit und der Notwendigkeit entspricht.“ Außerdem werde er keine überflüssigen Diener anstellen. Alles, „was nach Eitelkeit der Welt aussieht“, sollte man an ihm nicht finden. 

Solche Feststellungen hielt Franz von Sales zu Beginn seiner Amtszeit für nötig. Bischöfe mit parfümierten Handschuhen gab es schon zu viele. Und eigentlich war François für ein ganz anderes Leben geboren. Das Bischofsamt war nicht sein Traumjob. Schon gar nicht das Hirtenamt in Genf. „Denn was Rom für die Engel und Katholiken ist, das ist Genf für die Teufel und Häretiker“, schimpfte der Bischof.  

Sein Heimatbistum erstreckte sich von der reichen Handelsstadt Genf bis zu den unwegsamen Gebirgsdörfern im Chablais, wo die Bergbauern sich beschwerten: Wir zahlen für die Kirche, aber ein Priester kommt fast nie zu uns. 

„Ich habe dauernd Scherereien, die mir die Leitung dieser Diözese ständig bereitet“, klagte der Bischof. „Ich finde nicht einen Tag, um meine armen Bücher anzusehen, die ich manchmal so geliebt habe“. 

Wie viele kluge Männer hätte François de Sales am liebsten in Ruhe gelebt, befasst mit guter Literatur und interessanten Gesprächen. Aber Gott hatte ihn in eine aufreibende Führungsposi-tion gestellt. Und das war gut so. Denn so wurde François für Jahrhunderte zum Patron und Ratgeber der Gestressten und der Überforderten. Er schrieb unzählige Briefe, und wo ihn die protestantischen Städte nicht predigen ließen, verteilte er Zeitschriften und Flugblätter.

In diesen Schriften gab er seine Erfahrungen weiter, wie man in der babylonischen Hektik des Alltags Gott findet. „Nimm dir jeden Tag eine halbe Stunde Zeit für das Gebet“, riet er den Leuten, die nie Zeit haben. „Außer wenn du sehr viel zu tun hast. Dann nimm dir eine Stunde.“ Demut, Gelassenheit und Vertrauen sind die Mittel, die einen Christen im Stress überleben lassen. 

Eine der wichtigsten Botschaften: Bemesse dich nicht dem, was du nicht kannst und nicht schaffst. Sei, wie du bist. Denn nur das zählt bei Gott. Franz von Sales: „Gott sagt nicht: Gib mir ein Herz wie das der Engel, sondern: Schenk mir dein Herz. Es ist dein eigenes Herz, das er verlangt; schenk es ihm, so wie es ist. Er will nichts, als was wir sind und was wir haben.“

Das bedeutet nicht, die Zügel schleifen zu lassen und nichts mehr zu tun. Bischof François hat tatsächlich sehr viel getan. Er hat sich verantwortlich gefühlt und ist bei vielen Dingen gescheitert. Aber das Versagen hat ihn nicht umgeworfen. Er hat es sogar als Wink des Himmels verstanden. Denn gerade den Schwachen ist Gott besonders nah. Das brachte Franz zu folgendem Bekenntnis:

„Ich will vor Gott lieber schwach sein als stark,
denn die Starken nimmt er an der Hand,
die Schwachen aber nimmt er in seine Arme.
Niemals verlässt uns Gott,
es sei denn, um uns um so sicherer zu halten.
Niemals lässt er uns los,
außer um uns besser zu behüten.
Niemals kämpft er mit uns,
außer um sich uns zu ergeben und uns zu segnen.

Text: Andreas Hüser