25.06.2014

Fünf ehemals eigenständigen Gemeinden im Hamburger Nordosten arbeiten in einer neuen Pfarrei künftig zusammen

Der Neuanfang als Chance

Aus fünf bisher eigenständigen Gemeinden im Pastoralen Raum Hamburg-Nordost wird am 29. Juni die neue Pfarrei Seliger Johannes Prassek errichtet, so hat es Erzbischof Werner Thissen per Dekret bestimmt. Und damit beschreitet die Pfarrei noch Neuland im Erzbistum.

Das neue Logo der Pfarrei Seliger Johannes Prassek zeichnet die Silhouetten der fünf Kirchen, die nun unter dem Dach einer neuen Pfarrei vereint werden. Jede Kirche ist ein Puzzlestein: Heilig Geist in Farmsen, St. Bernard in Poppenbüttel, Heilig Kreuz in Volksdorf, Mariä Himmelfahrt in Rahlstedt und St. Wilhelm in Bramfeld. „Zusammengefügt erst ergeben die Puzzlesteine ein Bild“, heißt es auf dem Signet für den Gründungsgottesdienst am 29. Juni.

Pfarrer Hans-Joachim Winkens bei der Einweihung der neuen Krippe der Kita St. Wilhelm in Bramfeld. Foto: Weßling

Und so unterschiedlich die bisherigen Gemeinden sind, so wollen sie doch künftig gemeinsame Arbeit leisten. Drei Schwerpunkte hat sich die neue Pfarrei mit ihrem Pastoralkonzept gesetzt. „Es war kein leichter Prozess, denn anfangs war uns alles gleich wichtig.Aber auch wenn es schwer fällt, muss man sich von Dingen verabschieden“, sagt der Pallottinerpater Hans-Joachim Winkens. Die Entscheidung, besonders Kinder, Jugendliche und Familien zu unterstützen, fiel dabei relativ leicht: Die künftige Pfarrei verfügt über sechs Kitas (davon eine in Caritas-Trägerschaft), eine Schule, vier Pfadfinderstämme. „Das ist ein unwahrscheinlich großer Fundus“, so Winkens. 

Hauptamtliche richten ihre Arbeit nach Kategorien aus

Die Arbeit der Hauptamtlichen ist nicht mehr auf die einzelnen Gemeinden ausgerichtet, sondern auf Kategorien. Ein Geistlicher kümmert sich deshalb künftig um die Kita- und Familienseelsorge der neuen Pfarrei, ein anderer wird als Jugendseelsorger tätig. Zudem wird ein Sozialpädagoge eingestellt, der die Kinder und jungen Erwachsenen in den Blick nehmen soll, sagt Pater Winkens: „Vor allem auch jene, die aus dem katholischen Raster herausfallen, die also nicht in die katholische Kita und auf die katholische Schule gehen.“ Sein Büro wird der Sozialpädagoge im Pfarrhaus in Bramfeld beziehen. 

Unterstützung für Menschen in allen Formen der Not, das ist der zweite pastorale Schwerpunkt. Und der dritte: Menschen auf dem Glaubensweg begleiten. „Wir wollen mit neuen Methoden die Menschen ansprechen und neue Gottesdienstformen und niedrigschwellige Angebote für Suchende entwickeln“, umschreibt Winkens dieses Aufgabenfeld. „Abendlob und Abendbrot“ ist bereits so ein neues Format, das an jedem ersten Freitag in St. Wilhelm stattfindet: Nach der Wortgottesfeier in der Kirche sind die Teilnehmer zu einem Abendbrot ins Gemeindehaus eingeladen. Und in Heilig Geist Farmsen gibt es montags eine „offene Kirche“ mit Musik, Ansprechpartner, Abendbrot. 

Die sechs Pallottiner, die als Gemeinschaft im Pfarrhaus von Mariä Himmelfahrt in Rahlstedt wohnen, stellen die Geistlichen der neuen Pfarrei. „Unser Orden setzt auf Hamburg und auf die überpfarrliche Arbeit“, betont Pater Winkens. „Wir Ordensbrüder können in Gemeinschaft wohnen, wir haben unterschiedliche Charismen und bringen unsere spirituellen Impulse ein.“ Die Arbeit im Pastoralen Raum entspreche dem Orden, schließlich gelte der Ordensgründer, Vinzenz Pallotti, als Begründer des Laienapostolates.

In der Entwicklung des Pastoralprozesses hatten die Vertreter der fünf Gemeinden viel Freiheit: „Das Bistum hat uns machen lassen. Das war nicht unbedingt leicht, aber meiner Meinung nach spannend und zahlt sich langfristig aus“, glaubt Winkens. Aber es gebe auch viele Menschen, die enttäuscht seien, die in der Strukturreform den falschen Weg sehen. „Wir müssen diese Kritik sehr ernst nehmen“, so Winkens. 

Vieles muss noch geregelt werden. Andere wichtige Details der neuen Struktur wurden in dem langen Dialogprozess schon festgelegt. Dazu gehört der Name: Seliger Johannes Prassek. Pfarrer der neuen Pfarrei ist Pater Winkens, Pfarrhaus ist das Wohnhaus der Pallottiner in Rahlstedt, dort hat die neue Pfarrei auch ihre Adresse. 

Bereits seit dem 1. April ist die neue Gottesdienstordnung in Kraft. Durch einige Zeitverschiebungen ist es möglich, dass weiterhin am Sonntagmorgen in den fünf Gemeinden sowie im Elisa-beth-Haus und in der Kapelle des Katholischen Kinderkrankenhauses Wilhelmstift Gottesdienst gefeiert werden kann. 13 Gottesdienstbeauftragte wurden in einem eigenen Kurs zusätzlich ausgebildet. Damit gibt es 20 Beauftragte für Wort-Gottes-Feiern. Von den vier Vorabendgottesdiensten wird immer abwechselnd in einer Gemeinde eine Wort-Gottes-Feier sein.

Ein Pfarrbrief und eine Homepage für die Pfarrei 

Vier Mal im Jahr wird der neue gemeinsame Pfarrbrief „Miteinander“ erscheinen. Jede Gemeinde hat darin Platz, um über ihre Aktivitäten und Veranstaltungen zu berichten. Auch eine neue Homepage umspannt die fünf Gemeinden: Unter der Adresse www.johannes-prassek.de sind alle Orte kirchlichen Lebens des Pfarrraumes präsent. 

Die Gremienwahl für November wurde dagegen ausgesetzt. Die bisherigen Gremien entsenden stattdessen zunächst drei Mitglieder für den neuen Kirchenvorstand auf Pfarreiebene. Daneben gibt es den Pastoralrat der Pfarrei, der die pastoralen Aufgaben eines Pfarrgemeinderates übernimmt. 

Auf Gemeindeebene sind die Pfarrbüros als so genannte „Kommunikationszentren“ weiter erste Anlaufstellen. Die Gemeinden wählen „Gemeindeteams“ aus Ehrenamtlichen, die quasi die pastorale Arbeit vor Ort lebendig halten. Daneben werden so genannte „Themenverantwortliche“ berufen, die einen bestimmten Themenbereich – beispielsweise die Senioren- oder die Kolpingsarbeit – im Blick halten. Gemeinsam mit den Gemeindeteams bilden sie die Gemeindekonferenz als Beratungs- und Entscheidungsgremium. Ansprechpartner zwischen den pastoralen Gemeindegremien und dem Kirchenvorstand auf Pfarreiebene werden berufene Gemeindebeauftragte.

Manuel Meyer hat für den neuen Pastoralen Raum eine Verwaltungsstruktur entwickelt.              Foto: Hüser

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Als Verwaltungsentwickler arbeitet derzeit Dr. Manuel Meyer die notwendigen Strukturen für die Verwaltung der fünf Gemeinden aus. So entwickelte Standards könnten dann einfacher auf andere Pastorale Räume übertragen werden. Die praktische Arbeit übernimmt ein Verwaltungskoordinator, der ebenfalls neu angestellt wird.  

Pfarrer Winkens weiß um die Ängste, die mit der Gründung der neuen Pfarrei verbunden sind. „Wir müssen uns von Altem verabschieden, und es ist auch wichtig, bewusst Abschied zu nehmen und zu trauern“, betont er. Verlustgefühle gebe es besonders in Bramfeld, Poppenbüttel und Volksdorf, wo plötzlich kein Pfarrer mehr vor Ort sei. „Aber wir müssen uns nun mal neu strukturieren. Es bricht nicht alles weg. Der Neuanfang ist auch eine Chance, vielleicht eine Verlebendigung.“

Mit einem Festgottesdienst mit Diözesanadministrator Ansgar Thim um 9.30 Uhr und einem Pfarrfest feiert die Pfarrei Seliger Johannes Prassek am 29. Juni in Heilig Geist Farmsen ihre Gründung. 800 Gäste werden dazu erwartet. Ab 14 Uhr startet ein kurzweiliges Kulturprogramm. Den Abschluss bildet eine von der Jugend gestaltete Kurzandacht um 16 Uhr.

Text: Andreas Hüser