06.01.2015

Enzyklika, Kurienreform, Familiensynode – Papst stellt 2015 entscheidende Weichen

Das Jahr des Papstes

In wenigen Tagen reist Franziskus nach Asien. Noch im Frühjahr wird seine zweite Enzyklika erwartet. Und im Herbst geht die Synode über die Familie in die entscheidende Runde. 2015 wird das Jahr des Papstes.

Was bringt das neue Jahr für die Kirche? Welche Entscheidungen hat der Papst zu fällen? Wichtige Fragen, die 2015 auf Franziskus zukommen. Foto: kna-bild

Auch nach gut zwei Jahren ist Papst Franziskus für Überraschungen gut. Zuletzt als die USA und Kuba ihre Jahrzehnte währende Eiszeit beendeten. Für Tauwetter hatte Papst Franziskus persönlich gesorgt. Unter ihm ist die Kirche wieder politischer geworden. Franziskus will Frieden stiften, in die Welt hineinwirken.

Gespannt sein darf man auf seine Enzyklika über die „Ökologie des Menschen“. Im Frühjahr wird sie erwartet. Die erste Franziskus-Enzyklika stammte zu großen Teilen aus der Feder von Papst Benedikt. Nun das erste eigene Lehrschreiben. Über den Inhalt ist nicht viel bekannt. Vor dem EU-Parlament forderte der Papst vor wenigen Wochen erneut eine „Ökologie des Menschen, die in der Achtung der Person besteht“ – es geht also nicht nur um den Schutz der natürlichen Ressourcen, sondern um den Umgang mit der Würde des Menschen, seine ökologischen, aber auch sozialen und ökonomischen Lebensbedingungen. Man darf gespannt sein, zumal Franziskus für deutliche Worte bekannt ist.

 

„Der Papst ist ein Meisterbeschimpfer“

„Der Papst ist ein Meisterbeschimpfer“, formulierte kürzlich Pater Bernd Hagenkord von Radio Vatikan über die Reden des Papstes. Eine farbige, bildhafte Sprache, aber klare, unbequeme Positionen – nicht nur an „die Welt“, sondern vor allem an die Kirche wie jüngst vor Kurienkardinälen. Denen hielt er 15 Krankheiten vor, etwa „sich unsterblich, immun und unverzichtbar zu fühlen“, „blinden Aktionismus“ oder „geistlichen Alzheimer“.

Wer also Papst Franziskus „nur“ für einen lieben älteren Herrn hält, irrt. Allen hält er den Spiegel vor – jedem einzelnen Christen –, wenn er etwa vor einer „lauwarmen Spiritualität“ warnt, vor einem Glauben ohne Konsequenz und Tiefe. Wie er sich das vorstellt, lebt er vor. Und dabei mutet er der Kirche viel zu. Nicht nur muss sich jeder Amtsträger und einfache Christ fragen, wie er es mit dem dicken Auto und den weltlichen Gütern hält. Auch die neue Freiheit, die offene Debatte überfordert einige. „In der Tat macht manchen das Pontifikat Angst“, sagte Wiens Erzbischof Kardinal Schönborn der Herder-Korrespondenz.

Die außerordentliche Synode im Herbst hat gezeigt, wie tief die Gräben in der Führungsriege der Kirche sind. Bis Oktober 2015 ist Zeit, einen gemeinsamen Weg in der Familienpastoral zu finden. Dann tagt dazu die Bischofssynode. Der Papst würde nicht einen solchen Beratungsprozess einberufen, wenn er 1. keine Veränderungen wolle und 2. das Ergebnis schon kennen würde, betonte vor einigen Wochen Kurienkardinal Peter Turkson. Die Erwartungen sind hoch, ebenso das Konfliktpotenzial. „Hab Vertrauen auf Gott. Der Herr führt seine Kirche“, habe der Papst ihm dazu gesagt, erzählte Kardinal Schönborn im Interview.

 

Eine weitere Baustelle: die Kurienreform

Nur auf den Herrn vertrauen will Franziskus offenbar nicht: Bis zur Synode wird er bei den Generalaudienzen eine Katechesereihe zur Familie halten: 33 Beiträge des Papstes zum Thema schon vor der Synode. Neben der Synode begleitet Franziskus 2015 eine weitere Baustelle: die Kurienreform. Seit Herbst 2013 befasst sich der K9 genannte Kardinalsrat damit. Erstes Ergebnis waren Reformen im Finanz- und Vermögensbereich. 2015 dürften weitere Schritte folgen. Und im Februar ernennt der Papst neue Kardinäle. Personalentscheidungen sind immer ein guter Hinweis auf den künftigen Weg.

 

Von Ulrich Waschki