30.11.2016

Adveniat-Gäste aus Brasilien berichten über die Goldgewinnung auf Kosten indigener Völker

Das fahle Gold vom Amazonas

Die Existenz von 900 000 Menschen indianischer Völker im Amazonasgebiet ist Thema der Adveniat-Aktion 2016. Worum es geht, haben der brasilianische Erzbischof Roque Paloschi und Armindo Goes Melo, Vertreter der Yanomami-Indianer, auf einer Reise durch das Erzbistum Hamburg verdeutlicht. 

Erzbischof Paloschi beim Besuch von Tenharin-Indigenen am südlichen Amazonas. Foto: Thomas Milz/KNA

Dom Roque Paloschi ist Erzbischof der Diözese Porto Velho in Brasilien. Sein Bischofssitz liegt am Fluss Rio Madeira. Am anderen Ufer dieses Flusses beginnt die fast unbesiedelte Wald-, Fluss- und Steppenlandschaft des Amazonasbeckens. Der Wald ist so groß wie Mitteleuropa. Auch das Erzbistum Porto Velho ist groß, fast drei mal so groß wie das Erzbistum Hamburg. Auf einen Priester kommen hier 20 000 Katholiken (Hamburg: 1390). Ein Paradies ist diese Gegend nicht. Sie könnte es aber sein: „Grüne Lunge der Erde“ wird der Amazonas-Urwald genannt. Ein Fünftel des Süßwassers unseres Planeten fließt im Amazonas und seinen Nebenflüssen wie dem Rio Madeira. Nur: Die Wälder werden gerodet, Riesenstaudämme verändern den Wasserhaushalt. Ölförderanlagen und Erzabbau fressen sich Kilometer für Kilometer in das Paradies. Und das Wasser vieler Flüsse ist heute verseucht. 

Am anderen Ende des Waldes, im Grenzgebiet zu Venezuela, lebt Häuptling Armindo Goes Melo. Er ist Generalsekretär der Vereinigung von Yanomami-Indianern. Das Volk der Yanomami lebt nah an der Natur, von der Jagd, vom Fischfang und vom Anbau von Maniokwurzeln oder Papayas. So war es, bis über neue Urwaldautobahnen die westliche Zivilisation eindrang, die die Natur zerstörte und Krankheiten einschleppte.  „Heute bedrohen uns vor allem illegale Goldgräber. Sie vertreiben unsere Männer aus ihren Jagdgebieten. Unsere Flüsse sind durch Quecksilber verseucht.“ 

Quecksilber wird verwendet, um das Gold aus dem Grund von Flüssen und Quellen zu lösen. „Es gibt zwar in Brasilien Gesetze, die uns schützen. Aber niemand kümmert sich darum. Im Gegenteil. Auch Vertreter des Staates verdienen am Gold mit.“ Die Yanomami-Indianer leben weit weg von den Metropolen Brasiliens, und sie haben keinen guten Ruf. „Die meis-ten Menschen haben Vorurteile gegen uns. Aber die wenigsten wissen wirklich etwas über unsere Lebensweise.“ 

Was verbindet den Bischof im Süden Amazoniens und den Indianer im Norden? Bischof Roque Paloschi ist Präsident des brasilianischen Indigenenmissionsrats „Cimi“. Er kämpft für die 900 000 Angehörigen indigener Völker, deren Existenz durch die Naturzerstörung bedroht ist. „Wir dürfen nicht zulassen, dass diese Völker einfach verschwinden.“ Zwar sind die meisten der Indianer keine Christen. „Aber als Kirche ist es unsere Aufgabe, an der Seite der am meisten bedrohten und vernachlässigten Menschen zu stehen“, sagt der Bischof. „Wir handeln nicht für die bedrohten Völker, sondern gemeinsam mit ihnen. Wir fordern, dass diese Völker bekommen, was ihnen nach dem Recht zusteht“. Er zitiert die Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus, in der der Papst ausdrücklich die Natur und die Menschen des Amazonasgebiets in Schutz nimmt. 

Erzbischof Paloschi (links, mit dem Bericht über die
Lage indigener Völker) und Armindo Goes Melo.
Foto: Andreas Hüser

 

Der Bischof und der Indianervertreter, beide hoffen auf die Hilfe aus Europa. Deshalb reisen sie als Gäste der Adveniat-Weihnachtsaktion durch Deutschland. Katholiken aus Kiel haben zwar keinen Einfluss auf illegale Goldgräber im brasilianischen Urwald, auch nicht auf die Polizei. Aber die Erfahrung habe gezeigt: Wenn es überhaupt ein Mittel gegen das Unrecht gibt, dann ist es die Öffentlichkeit im Ausland. „Wir wollen kein Geld. Wir wollen, dass unser Problem sichtbar wird“, sagt Häuptling Goes Melo. Der Weg führt über die Information, zum Beispiel durch einen Bericht über die Lage der Indigenen in Brasilien, die der Missionsrat „Cimi“ verfasst hat. Adveniat-Spenden unterstützen dieses Werk und seine weltweite Verbreitung. „Das Lebensrecht von Menschen eine immer ein Thema der internationalen Gemeinschaft“, sagt Erzbischof Paloschi, „es ist eine grundlegende Frage an die Menschheit. Da spielen Grenzen keine Rolle.“  

„Bedrohte Schöpfung – bedrohte Völker“ lautet das Thema der Adveniat-Weihnachtsaktion 2016. Mehr zu den Projekten, die durch die Adveniat-Spende gefördert werden, gibt es im Internet: www.adveniat.de und zwar unter dem Unterpunkt „Aktionen und Kampagnen“.

Text: Andreas Hüser