13.03.2017

Anfrage

Darf man für Hungernde essen und trinken?

Ich habe immer ein schlechtes Gefühl, wenn der Erlös kirchlicher Veranstaltungen – etwa von Pfarrfesten – für arme Menschen in der sogenannten „Dritten Welt“ gespendet wird, die Einnahmen aber hauptsächlich durch den Verkauf von Torten, Bratwürsten und Bier erzielt werden. Ist das in Ordnung: viel essen und viel (Alkohol) trinken für die Hungernden? H. Kerber

Ja, ich denke das ist durchaus in Ordnung, jedenfalls im Prinzip. Zu Festen gehört das Essen und das Trinken, wenn Sie zu einer Geburtstagsfeier einladen genauso wie bei einem Pfarrfest. Auch Jesus hat bei der Hochzeit zu Kana keineswegs gefordert, beim Wasser zu bleiben. Allerdings – und das ist auch klar – in vernünftigem Maß. Wenn also auf dem Gemeindefest ein Wettbewerb stattfinden würde, wer am schnellsten für die Mission sternhagelvoll ist, dann sind Grenzen überschritten.

Es ist ja auch nicht so, dass wir gezielt „für die Hungernden“ essen und trinken. Wir setzen uns mit Kaffee und Kuchen in die Cafeteria, um mit Bekannten zu reden; wir stehen mit dem Glas am Bierwagen, um als Kirchengemeinde zu feiern, Spaß zu haben und unsere Gemeinschaft zu stärken. Das Ziel des Festes ist Gemeindebildung und Freude im Glauben. Dass der finanzielle Überschuss dann denen zugutekommt, denen es nicht so gut geht, hat nichts mit Zynismus zu tun. Es ist eher eine angenehme Begleiterscheinung, dass unsere Pfarrfestfreude auch in die Partnergemeinde nach Ghana schwappt – vielleicht in Form von Fotos und Grüßen, aber auch in Form von Geld.

Die andere Frage ist, ob man bei kirchlichen Veranstaltungen überhaupt Gewinn machen will. Man könnte die Würstchen, die Torte und das Bier ja auch zum Selbstkostenpreis verkaufen, das käme für die Gemeindemitglieder sicher billiger. Und wenn man dann ein zusätzliches Sparschwein aufstellt, könnte man um Spenden für die Hungernden unabhängig vom Verzehr bitten.
In der Praxis hat sich aber herausgestellt, dass dabei deutlich weniger Geld zusammenkommt. Die Tasse Kaffee mit einem Stück Torte für 2,50 Euro sind immer noch günstig – und trotzdem gehen davon mindestens zwei Euro an den guten Zweck. Ein Sparschwein kommt da nur als Ergänzung, nicht als Alternative in Frage.

Von Susanne Haverkamp