04.10.2017

Weihbischof Horst Eberlein bei Papst Franziskus

Bischof sein im Schnellkurs

Wie lernt man das Hirtenamt? Es gibt dazu einen Kurs im Vatikan, an dem jeder neu geweihte Bischof teilnehmen muss. 114 Bischöfe kamen in diesem Jahr in Rom zusammen. Dazu gehörte der Hamburger Weihbischof Horst Eberlein

Weihbischof Horst Eberlein wird von Papst Franziskus begrüßt
Weihbischof Eberlein bei einer herzlichen Begegnung mit Papst
Franziskus  Foto: Osservatore Romano

Ein riesiges Lernpensum erwartete die Bischöfe aus allen Kontinenten – und lange Vorträge auf italienisch. Es gab Übersetzungen  – nur nicht auf deutsch. Aber der Hamburger Weihbischof hatte einen „Sekretär“ mitgebracht, der gut italienisch spricht: Pfarrer Stefan Langer aus Elmshorn. „Der Tagesablaufs war schon scharf“, erzählt Weihbischof Eberlein. „Los ging es mit der Laudes um halb acht. Und wenn jemand zum  Abendessen gedacht hat, jetzt ist Zeit ein Glas Wein zu trinken, lag er falsch. Meistens ging es noch bis halb elf weiter.“ Lebensweise eines Bischofs, Aufbau der vatikanischen Verwaltung, Anwendung des Kirchenrechts in Problemfällen, Ökumene, Umgang mit Missbrauchsfällen, so hießen einige Themen. „Einmal haben wir uns abgeseilt. Wir haben uns mit einem Theologen nahe dem Petersplatz getroffen und vorzügliche Pasta gegessen und guten Wein getrunken“, verrät Horst Eberlein.

Bischöfe sollen den Kontakt nicht verlieren

 Der Ausreißer der beiden Mecklenburger stand nicht im Widerspruch mit der gerade durchgenommenen „bischöflichen Lebensweise“. Der Bischof soll sich nicht abkapseln, er soll den Kontakt mit den Gläubigen halten. Mit den Worten von Papst Franziskus: Der Hirte soll den Geruch der Schafe tragen. 

Vielen Bischöfen musste man das nicht eigens sagen. Die meisten leben heute nicht in Palästen, sondern in bescheidensten Verhältnissen, mitten unter den kleinen Leuten. „Ein Bischof aus Guatemala sagte: Wir müssen nicht an die Ränder gehen, wir sind schon längst da.“ 

Nicht nur Informationen, sondern das Erlebnis solcher Begegnungen mit den Amtsbrüdern hat Weihbischof Eberlein aus Rom mitgebracht. Da war der Deutsche Reinhold Nann, Bischof von Caravelí in Peru. „Er lebt in einem 3000-Seelen-Dorf. Den Ort hat er sich ausgesucht, weil er sich in dem Klima dort gut erholen kann. Denn sein Bistum reicht von der heißen Meeresküste bis zum Hochgebirge der Anden.“ 

Da war der neue Bischof von Ciudad Guayana in Venezuela, der berichtete: „Die Not ist bei uns sehr groß, und niemand weiß, was kommt“. Da war der Bischof der Batan-Inseln auf den Philippinen. Sein Bistum besteht aus einigen entlegenen Inseln. Ihre Einwohnerzahl ist nicht größer als eine Pfarrei in Norddeutschland. 

„Einige Bischöfe leben in Verhältnissen und mit Sorgen, die wir uns gar nicht vorstellen können“, berichtet Horst Eberlein. „Einer sagte: Unsere Lage bringt uns in Situationen, wo die frohe Botschaft nicht mehr aufleuchten kann.“ Und trotz aller Unterschiede und Sprachbarrieren habe ein Gefühl der Verbundenheit geherrscht. „Wir sind alle Suchende, die auf dem Weg Christi gehen, aber nie fertig sind.“ 

Ein halbes Jahr lang ist Horst Eberlein jetzt Weihbischof von Hamburg. „Ich habe nicht mehr das Gefühl, fremd zu sein“, sagt er. „Was anders ist als in einer Pfarrei: Dort trifft man dauernd Menschen zwischendurch. In meinem neuen Amt sind fast alle Begegnungen geplant.“ Aber auch jetzt legt Weihbischof Eberlein großen Wert auf den Kontakt zu den Menschen vor Ort – nicht nur, weil das in Rom „Kursthema“ war. „Dabei helfen mir die Visitationen, die ich im Wechsel mit Erzbischof Stefan mache. Da treffe ich sehr viele Menschen und kann in das Leben einer Gemeinde eintauchen.“ Noch in diesem Jahr stehen die Pastoralen Räume Harburg und Ludwigslust auf dem Kalender. 

Firmungen, Gottesdienst-Vertretungen, Aktionen der Caritas, all das sind für Horst Eberlein Möglichkeiten, das Bistum und seine Menschen zu erkunden. „Ich muss ja vieles noch kennenlernen. Ich will mich selbst erfahrbar machen und etwas vom Glauben der Menschen erfahren“, sagt Weihbischof Eberlein. Und selbst in einem weihbischöflichen Terminkalender ist immer noch Luft: „Ich nehme auch Einladungen an.“ 

Text: Andreas Hüser