21.04.2017

Pater Simon Boiser ist Seelsorger der katholischen Filipinos und möchte den Menschen Heimat geben

Beim Essen ins Reden kommen

Pater Simon Boiser (43) ist Seelsorger der katholischen Filipinos, und neuerdings feiert er sonntags die englische Messe in St. Elisabeth. In beiden Gemeinden möchte er vor allem eins: den Menschen Heimat geben.

Eine Lübecker Tanzgruppe der Filipinos beim Santo-Nino_Fest im Kleinen Michel
Eine Lübecker Tanzgruppe beim Santo-Niño-Fest im Kleinen Michel.  Foto:privat

Sein Deutsch ist fast akzentfrei. Das ist ihm wichtig. Die Sprache sei der Schlüssel, um Menschen zu erreichen, sagt Pater Simon, und genau das wolle er schließlich als Priester. Deshalb hat er sich in die deutsche Sprache gestürzt und gelernt. 

Pater Simon Boiser mit seiner Santo-Nino-Figur
Pater Simon Boiser mit seiner Santo-Niño-Figur  
Foto: Monika Sendker

In seiner Gemeinde ist eher ein gutes Englisch gefragt. Dazu gehören viele Filipinas, die mit deutschen Männern verheiratet sind, die als Krankenschwestern, Dienstmädchen oder in der Gastronomie arbeiten. Und viele ehemalige Seeleute.  „Filipinos leben in einem starken Zusammenhalt in der Familie“, sagt Pater Simon. „Auch in der Gemeinde suchen sie eine Heimat. Und sie lieben Feste und tanzen gerne.“

Gesellige Veranstaltungen gehören deshalb zum Gemeindeprogramm. Das Sommerfest im Kleinen Michel zum Beispiel, und das Santo-Niño-Fest rund um die Figur des Christuskindes im Januar. Es soll an die Anfänge der Christenheit auf den Philippinen erinnern.  Dabei tanzt die Gemeinde mit Jesuskind-Figuren, die ein traditionelles Taufgeschenk auf den Philippinen sind, durch die Kirche. Zum Ende des Marienmonats Mai feiert die Gemeinde „Flores de Mayo“ in Verbindung mit dem Fest „Santa-
cruzan“, Kreuzerhöhung und zieht mit bunten Trachten und blumengeschmückten Altären in Prozessionen durch die Straßen.

Neuerdings lädt Pater Simon nach dem Gottesdienst zum Essen ein, und jeder bringt etwas mit. „Es geht nicht darum, den Magen zu füllen, sondern miteinander zu reden.“ Um den Kontakt zu den jungen Gemeindemitgliedern zu finden, organisiert er seit 2014 dreimal im Jahr ein ökumenisches Basketballturnier. Denn was in Deutschland der Fußball, ist auf den Philippinen Basketball. 

Die philippinische Gemeinde in Hamburg trifft sich im Kleinen Michel: Immer mittwochs um 19 Uhr, sonntags um 15.30 Uhr feiert sie Gottesdienst. Vorher gibt es Katechesen für Kinder. 800 Mitglieder zählt die Gemeinde offiziell, tatsächlich sind es noch viel mehr, sagt Pater Simon.

Sein Seelsorgegebiet umfasst sogar den ganzen Norden. Mit Bus und Bahn ist Pater Simon unterwegs: Regelmäßig ist er in St. Birgitta Lübeck, St. Nikolaus Kiel und in St. Anna Harislee. Er besucht Hohenlockstedt und fährt zweimal im Jahr über die Grenze nach Sonderborg in Dänemark. 

Seit einem Jahr betreut der Steyler Missionar noch eine zusätzliche Gemeinde: Sonntags um 12 Uhr feiert er die englische Messe in St. Elisabeth Harvestehude mit Amerikanern und Engländern, Indern, Nigerianern, Japanern, Portugiesen, Spaniern und Kubanern. „Die Gemeinde ist sehr vielschichtig, allein die Sprache verbindet. Da sind Treffen außerhalb der Kirche schwierig.“ Pater Boiser will es dennoch versuchen. „English coffee“ lautet das Angebot am letzten Sonntag im Monat. Bei Reis, Nudeln und Wurst, Kuchen und Kaffee können die Teilnehmer von ihrer Heimat erzählen. „So können wir Vorurteile abbauen“, sagt Pater Simon.   

Text: Monika Sendker