21.06.2017

Gründungsfeierlichkeiten der Pfarrei Zu den Lübecker Märtyrern

Aus sechs wird eins

Nach viereinhalb Jahren ist es soweit: an diesem Sonntag, 25. Juni um 16 Uhr wird die Pfarrei Zu den Lübecker Märtyrern in einem Festgottesdienst mit Erzbischof Heße gegründet. Der Pastorale Raum Lübeck hat viele Facetten.

Karte der neuen Pfarrei „Zu den Lübecker Märtyrern“.
Karte der neuen Pfarrei „Zu den Lübecker Märtyrern“. Grafik: Maike David

Auf den Tag genau vor sechs Jahren, am 25. Juni 2011, wurden die drei Kapläne Johannes Prassek, Hermann Lange, Eduard Müller auf der Parade in Lübeck selig gesprochen und des evangelischen Pastors Karl Friedrich Stellbrink wurde ehrend gedacht. Damals bei der Seligsprechung schien die Sonne, als Tausende auf der Parade zwischen Herz Jesu und dem Marien-Krankenhaus zusammenkamen. Die vier Märtyrer, die als Beispiel unerschütterlichen Glaubens und früher unzerbrüchlicher Ökumene stehen, sind die Schutzpatrone der neuen Pfarrei, die am Sonntag, 25. Juni in einem Gottesdienst auf der Parade mit Erzbischof Stefan Heße gegründet wird. Tausende Besucher werden nicht erwartet, aber einige Hundert dürfen es auch diesmal werden, wenn Katholiken aus den ehemals sechs Pfarreien mitfeiern. Mal sehen, ob auch das Wetter wieder mitspielt.

„Es ist früher so gewesen, zur Zeit der Lübecker Märtyrer, dass alle eine Pfarrei gebildet haben, und jetzt wird es wieder so sein“, sagte Propst Christoph Giering, als er kürzlich gemeinsam mit Haupt- und Ehrenamtlichen die neue Pfarrei der Öffentlichkeit vorstellte. Die Pfarrei umfasst Lübeck und Bad Schwartau sowie die politischen Gemeinden von Groß Grönau, Krummesse, Lüdersdorf, Scharbeutz, Stockelsdorf und Timmendorfer Strand. Rund 23 000 Katholiken leben hier auf rund 400 Quadratkilometern. In Schleswig-Holstein und Mecklenburg gibt es keinen Pastoralen Raum, der von der Fläche her kleiner wäre. „Schön kompakt und übersichtlich“ nennt der Propst das.

Klein und übersichtlich, historisch geprägt, das sind die Attribute, die er mit der Stadt Lübeck und den umliegenden Orten verbindet. „Viele jüngere Familien ziehen hierher, sowohl wohlhabende Leute als auch solche, die mehr auf das Geld achten müssen“, sagt er. Tatsächlich ist die soziale Struktur der Pfarrei Zu den Lübecker Märtyrern überaus vielfältig. Da ist das Stadtgebiet, das sich nicht so sehr von einer Großstadt wie Hamburg unterscheidet. Zugleich sind da die eher ländlichen Gebiete westlich von Lübeck und Bad Schwartau oder eben der noch junge Hochschulstadtteil mit vielen jungen Familien. Viele Familien leben auch in Moisling und Buntekuh, Stadtteile, die von Menschen mit Migrationshintergrund geprägt werden. Und in Timmendorfer Strand und Travemünde spielt die Tourismusseelsorge eine besondere Rolle, weil dort im Sommer mehr Gäste als Einheimische in den Kirchen sitzen. „Dafür sind wir Weltkirche, und das spiegelt sich auch in Lübeck“, so Propst Giering.

„Wir können in familiärer Weise Kirche sein.“

Lübeck und die umliegenden Orte sind ein bisschen weniger anonym als es etwa in Hamburg der Fall ist. „Wir können hier in familiärer Weise Kirche sein. Es ist nicht zu eng, aber auch nicht zu weit auseinander. Wir haben die Möglichkeit, uns zu kennen und zu begegnen in verschiedenen Zusammensetzungen“, sagt der Propst. Er ist selbst erst im vergangenen Jahr nach Lübeck gekommen und hat den teils mühevollen Prozess nicht im Detail miterlebt. Doch inzwischen scheinen sich die meisten Katholiken auf ihre neue Pfarrei eingelassen zu haben und wollen sie positiv gestalten.

Es gibt elf Kirchen und über 20 Orte kirchlichen Lebens im Pastoralen Raum. Darunter sind unter anderem vier katholische Kindertagesstätten, zwei Mutter-Kind-Kliniken, zwei Seniorenheime, zwei Malteser-Dienststellen, die Johannes-Prassek-Schule (Grundschule) und das Marien-Krankenhaus. Jede dieser Einrichtungen ist für sich genommen ein Aushängeschild der katholischen Kirche. Wer zum Beispiel nicht selbst im Marien-Krankenhaus das Licht der Welt erblickt hat, hat mindestens einen Verwandten, der dort geboren wurde – oder ist wahrscheinlich kein gebürtiger Lübecker.

Außerdem gibt es eine Reihe katholischer Verbände und Einrichtungen, die mit ihren Beratungs- und Hilfsangeboten ihren Beitrag für das Zusammenleben in der Hansestadt leisten und Menschen in Not zur Seite stehen. Die Caritas, In Via und die Ehe-, Familien- und Lebensberatung sind gefragte Anlaufstationen. Für die Zukunft geplant sind der Ausbau je eines Zentrums für Beziehung und Leben, für die Jugendarbeit und für das spirituelle Leben. Giering: „Dorthin können Menschen kommen, um Erfahrung mit dem Glauben zu sammeln, um über ihren Glauben nachzudenken und auch um ihn einzuüben.“

Text: Marco Heinen